Tango trifft Tutu und Yoga

Auch Tango wird während der Ulmer Sommertanztage gelehrt und fleißig geübt. Der Spiegel ist dabei unbestechliches Hilfsmittel. Foto: Sophie Krauss
Auch Tango wird während der Ulmer Sommertanztage gelehrt und fleißig geübt. Der Spiegel ist dabei unbestechliches Hilfsmittel. Foto: Sophie Krauss
MICHAEL WATZKA 11.08.2012
Mehr als 200 begeisterte Tänzerinnen und Tänzer zählt die Ulmer Sommertanzwoche, die dieses Jahr zum zweiten Mal stattfindet. Fünf Tage lang wird an drei Locations quer durch alle Stile getanzt.

Im großen Saal des Stadthauses erklingen die ersten Takte eines Allegrettos, Ballettmusik aus "La Péri". Vorsichtig bewegen sich die 17 jungen Tänzerinnen dazu im Takt. "En-dehors", weht es über die Tanzfläche, "uuund zurück" - Ballettstunde mit Ian Owen. Der ehemalige Solotänzer am Royal Opera House in London ist einer von zehn Dozenten der Sommertanzwoche.

"Demi-plié, eins, zwei . . . uuund stopp; dégagé!" Der Mann am Klavier nimmt die Hände von den Tasten, der Akkord verklingt. Körper und Gesicht der Tänzerinnen entspannen wieder, der quirlige Brite ist zufrieden mit den Schülerinnen.

Eine von ihnen ist Diana Wöhrl. Die 17-jährige Augsburgerin geht zwei Mal die Woche zum Ballett. "Für mich ist das nur ein Hobby. Später möchte ich aber Schauspiel studieren, da hilft mir das Tanzen natürlich sehr." Für die kommenden fünf Tage pendelt sie nach Ulm - wie viele der rund 200 Tänzer.

In diesem Fall sind es allerdings ausschließlich Tänzerinnen. "Es ist leider oft so, dass im Ballett die Jungs wegbleiben" sagt Tanzlehrer Owen. "Irgendwie scheint das noch immer ein Tabu zu sein für die meisten." Was in den anderen Stilen zwar nicht ganz so ausgeprägt sei, jedoch überwiege der weibliche Anteil mit 80 Prozent auch in der Tanzwoche deutlich.

Im vollverspiegelten Übungsraum der Tanzschule "Step to Ten Dance" geht es später um "Contemporary Dance". So heißt der Stil, zu dem sich diesmal die Körper bewegen - die der zwölf Teilnehmerinnen; wiederum keine Jungs.

Hier begegnet man bereits einigen vertrauten Gesichtern - etwa ein Drittel aller Teilnehmer belegt zwei Workshops oder mehr. Auch Diana Wöhrl ist wieder mit dabei. Neben Ballett macht sie auch noch Lyrical Jazz. "Für das, was hier geboten wird, sind die verschiedenen Kurse echt günstig!"

Geboten wird allerhand: Außer Ballett gibt es da noch Hip-Hop, auch Salsa, Flamenco, Tango, Yoga und sogar Pilates wird in insgesamt 20 Workshops gelehrt. "Da wird der Spagat manchmal metaphorisch", meint Carlos Demitre, Veranstalter und Initiator der Tanzwoche.

Bunt gemischt ist auch das Teilnehmerfeld: "Unter den 25 Tänzern in meinem Workshop ist von 18 bis 78 Jahren jede Altersklasse vertreten", staunt die Yoga-Trainerin Angelika Pauw. Sie gehört mit zu den zehn Dozenten aus allen Teilen der Welt, von Argentinien bis Großbritannien.

Nicht ganz so international ist da der Einzugskreis der Tanzwoche: "Der Großteil der rund 200 Teilnehmer kommt aus dem Raum Ulm-Stuttgart", gibt Demitre an. "Der Rest verteilt sich dann bundesweit, von Hamburg bis Krefeld, teilweise auch aus dem Ausland."

Angefangen hat alles mit einem kleinen Ferien-Tanz-Workshop vor etwa zehn Jahren. "Dann entstand die Idee, etwas Mehrtägiges zu organisieren. Weil ich das Gefühl hatte, dass die Stadt dieses Potential hat", erklärt Demitre.

Der gebürtige Brasilianer hat eine ganz besondere Verbindung zu Ulm, wo er einige Spielzeiten am städtischen Theater als Solotänzer engagiert war. Heute arbeitet er als freier Tanzlehrer. "Ich wollte das alles etwas größer aufziehen. Das ging aber nicht alleine, deshalb habe ich dann Bettina gefragt." Bettina Pyczak, selbst seit 40 Jahren leidenschaftliche Hobbytänzerin, ist für Organisation und Marketing zuständig, die ,,Realisation" wie sie es ausdrückt. "Carlos ist derjenige von uns beiden mit der Vision."

Und diese Vision ist gar nicht so klein: Sowohl Angebot als auch Teilnehmerzahl sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. "Kommendes Jahr tanzen wir dann auf dem Münsterplatz", verrät Demitre mit einem Augenzwinkern seine weiteren Pläne für die Tanzwoche. "Er hat natürlich immer nur das Tanzen im Kopf", meint da Pyczak und lacht, "aber steigern wollen wir uns auf jeden Fall."

Info

Noch den ganzen heutigen Samstag wird in den Tanzschulen Step to Ten Dance und dansarts sowie im Stadthaus getanzt. An allen drei Locations sind Zuschauer bei den Workshops herzlich willkommen.