Tango-Fieber in Weißenhorn mit Saxofourte

CHRISTA KANAND 23.10.2013

Tango-Fieber in Weißenhorn? Eine Krankheit, an der das Publikum in der fast ausverkauften Stadthalle gerne litt. Angesteckt vom renommierten Ulmer Quartett Saxofourte, das mehr ist als nur die Summe von vier Saxophonen.

Volle Kanne Sax-Appeal - sie habens drauf. Poesie und Charme in jedem Ton: quäkend, jauchzend, in Glissandi pfeifend. Thomas Sälzle als Spiritus rector auf dem oft melodieführenden Sopransaxophon besorgt die ausgefuchsten Arrangements, die zierliche Daniela Wahler liefert auf dem Bariton die satt-tieftönende Stakkatorhythmik, Christoph Heeg glänzt auf dem Altsaxophon. Simon Hanrath bringt sein Tenor-Sax wunderbar sonor zum Gurgeln und Singen sowie die Fan-Gemeinde mit seiner werkkundigen Moderation zum Lachen.

Die glorreichen Vier entführten in ihrem Programm "Tango Affairs" auf eine Klang-Zeit-Weltreise. Die wichtigste Station ist Argentinien, wo der Tango als Tanz der Compadritos, der Zuhälter, im Rotlicht-Milieu von Buenos Aires entstand. Der Tango-Klassiker "El Choclo" spannte den Bogen zu Astor Piazzollas Tango-Nuevo-Suite "The Rough Dancer", in die klug inszeniert Schlagzeug und Gedichte vom Band eingespielt waren, bis zu Stücken von Luis Borda, darunter "Milonguera". Faszinierend, diese Klang- und Gefühlspalette aus bittersüßer Melancholie, mitreißender Lebensfreude bis hin zum leidenschaftlichen Sturm.

Wellness pur mit Melodien und Rhythmen, die wie der Piazzolla-Hit "Libertango" ins Blut gehen, auch nach Bachs bekannter "Badinerie", die fast eine Erkennungsmelodie von Saxofourte ist. Die große stilistische Bandbreite erschloss Latino-Gefilde, machte einen Sprung nach Südafrika, streifte durch den berühmten Bernstein-Mambo wie auch durch die orientalische Klangwelt. Nach Begeisterungsstürmen geleitete als zweite Zugabe Abdullah Ibrahims verträumtes "The Mountain" auf den Heimweg.