HANS-ULI THIERER  Uhr

Tango und Donau? Aber hallo! Als Tanz und  Musikrichtung wird der Tango zwar  zunächst mal und zurecht in Lateinamerika verortet. Speziell in Argentinien und, was hierzulande weniger bekannt ist, in Uruguay. Aber: „In der Zeit vor dem Krieg existierte in den osteuropäischen Metropolen des Donauraumes eine bemerkenswerte Tango-Tradition. Seit der  politischen Wende lebt diese Tradition wieder auf – in Form vielfältiger lokaler Tango-Szenen.“

Der solches weiß, ist Alexander Wetzig. Der ehemalige Ulmer Baubürgermeister ist Tango-Enthusiast. Nicht erst,  seit er im Ruhestand ist. Aber seither erst recht.  Wetzig ist einer der Protagonisten des Ulmer Vereins „Donautango“, der sich außer der Verbreitung des Kulturguts Tango – er wurde 2009 zum Weltkultur- erbe erhoben – in Form von Musik und Tanz in hiesigen Gefilden einem weiteren Ziel verschrieben hat:  nämlich den Tango als verbindendes Kulturelement entlang des großen Stroms erlebbar zu machen.

Auch in diesem Fall weiß Wetzig Tango-Historisches beizusteuern: Ende des 19. Jahrhunderts gab es europäische Auswanderungswellen ins wirtschaftlich aufstrebende Argentinien. Vor allem auch aus Osteuropa und dem Donauraum. Nicht zuletzt emigrierten Juden wegen allgegenwärtiger Pogrome. Parallel zur Einwanderung entwickelte sich in Argentinien die Tangomusik, in der verschiedene musikalische Einflüsse  verschmelzen. Tango wurde Ausdruck eines neuen Selbstverständnisses. In den 1920er Jahren eroberte der Tango dann die Salons der europäischen Metropolen. „Es war die Rückkehr  zu einer seiner Wurzeln“, sagt Wetzig.

Der Vereinsname „Donautango“ wird am Samstag Programm. Im Rahmen des Donaufests veranstalten Wetzig und Co.  eine Tangonacht im Edwin-Scharff-Haus, also mit  Blick auf den Fluss. Engagiert wurde dazu das bekannte ungarische Orchester Tango Harmony Budapest. Es besteht aus sechs professionellen Musikern an Geige, Violoncello, Kontrabass, Piano und – doppelt besetzt –  dem im Tango unverzichtbaren Bandoneon. „Donautango“ verspricht auch Nicht-Tango-Tänzern Genuss, denn der Abend ist geteilt. Erst  Konzert mit Bestuhlung, nach Pause und Umstuhlung Milonga, also Tanz bis Mitternacht zu Musik von Tango Harmony und der Tango-DJane Karin Betz.

Info Tickets (ab 20 Euro) für den Tango-Abend am Samstag im Scharff-Haus (19.30 Uhr) im Vorverkauf und an der Abendkasse.