Ulm Tandem-Projekt an der vh zu Ende gegangen

YASEMIN GÜRTANYEL 25.02.2013
Viele Menschen kommen aus anderen Ländern nach Ulm - und finden keine Stelle, die ihrer Qualifikation entspricht. Ein Projekt der vh bot Hilfe.

Betriebe beklagen den Mangel an Fachkräften, gleichzeitig müssen Akademiker, die aus Indien, dem Iran oder anderen Ländern nach Deutschland gekommen sind, als Taxifahrer oder Aushilfskräfte arbeiten. In der vh Ulm ist jetzt ein Projekt zu Ende gegangen, das das Problem angegangen ist: "Internationale Profis im Tandem - gemeinsam beruflich erfolgreicher" .

"Gerade an der vh treffen wir oft auf hoch qualifizierte Menschen, die dort ihre Deutschkurse absolvieren", sagt Lothar Heusohn, Fachbereichsleiter für Politik und Gesellschaft an der vh. So sei man auf die Idee gekommen, das Projekt beim Landesministerium für Integration zu beantragen - mit Erfolg.

Nach der Gesetzesänderung im April 2012, die die Anerkennung ausländischer Abschlüsse erleichtert, habe sich die Situation zwar verbessert. "Aber das ist nur die halbe Miete", sagt Heusohn. "Die Menschen müssen auch die Jobs finden, die ihren Qualifikationen entsprechen." Die Idee: Mentoren zu finden, die den Neuankömmlingen nicht nur bei der direkten Jobsuche helfen, sondern ihnen auch "erklären, wie die Menschen hier ticken", sagt Heusohn. Denn oft blieben einem Türen verschlossen, weil man die Umgangsformen eines Landes nicht kenne. Ein Beispiel: Eine Chinesin war anfangs sehr zurückhalten - wie es der Tradition ihrer Heimat entspricht, erzählt der Projektleiter Kürsat Celik. "Sie war zuerst sehr distanziert, das hat sich dann aber bald gelegt."

Ein anderes wichtiges Feld, auf dem die Mentoren ihren "Schützlingen" geholfen haben, waren die Behördengänge. An Fragen wie "Wo kann ich meinen Abschluss anerkennen lassen, wo muss ich sonst noch hin" scheitern viele, sagt Heusohn. Auch Klassiker wie Bewerbungen schreiben und Vorstellungsgespräche führen wurden trainiert.

Insgesamt sind Heusohn und Celik mit dem Ergebnis des Tandem-Projekts zufrieden. Die Resonanz auf beiden Seiten, sowohl der Mentoren als auch der Hilfesuchenden, sei gut gewesen. Im Laufe der zwei Jahre hätten sich 22 Tandem-Teams gebildet, einige über den gesamten Zeitraum, andere hätten sich schneller aufgelöst. Immerhin drei Menschen haben eine angemessene Stelle gefunden, zwei haben ein Studium begonnen, ein Ingenieur hat sich selbstständig gemacht. Und auch wenn das Projekt jetzt zu Ende ist, sind sich Heusohn und Celik sicher: Viele Tandempartner werden trotzdem Kontakt halten.