Mittwoch, 4. Mai
Es ist einen Tag her, als wir auf dem Marktplatz standen und unsere Arme in dem Moment in die Luft rissen, als unsere Punktzahl verkündet wurde. Als dann auch noch bei keinem anderen Orchester eine höhere Punktzahl folgte, war die Freude umso größer. Obwohl nicht einmal 48 Stunden vergangen sind nachdem das alles passiert ist, fühlt es sich an, als lägen Wochen zwischen jetzt und den Ereignissen der letzten zwei Tage. Aber zahlreiche Fotos, Videos und einige Beiträge im Fernsehen dokumentieren das Erlebte, sodass man sich sofort in die Situation zurückversetzen kann. Und das ist ein schönes Gefühl. Man hat sich gewissermaßen verewigt. Wir sind jetzt für die nächsten vier Jahre die Deutschen Meister! So richtig in Worte fassen kann ich meine Gefühle noch nicht und möglicherweise ist das auch gar nicht möglich. Ich denke ich werde noch einige Tage brauchen, bis ich das Ganze so richtig realisiert habe.

Der Wettbewerb hat sich nach monatelanger Arbeit als großer Erfolg herausgestellt. Es ist ein Meilenstein in der Geschichte unseres Orchesters. Die Tage die das Orchester gemeinsam in Ulm und Neu-Ulm verbracht hat, haben meinen Kollegen, meinen Freunden und mir viel Spaß bereitet. Es war schön zu sehen wie die ganze Stadt auf den Beinen war und von einem Konzertsaal zum nächsten gewandert ist – überall Musik! Am Montag konnten wir schließlich unsere Spielfreude ausleben und das Publikum mitreißen.

Dienstag, 3. Mai
Die Stunde der Wahrheit steht bevor. Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel checkte das Orchester aus und begab sich zum Marktplatz. Nach einem schönen Auftritt am Vortag wurde viel gefeiert (unter anderem verlor unser Fagottist Lars seinen doch sehr lang gewordenen Ziegenbart) und spekuliert, welches Urteil die Jury wohl fällen wird. Wir als Neulinge beim Wettbewerb rechneten uns wegen den vielen DOW-erfahrenen Orchestern keine Chancen auf den 1. Platz aus. Doch noch ist nichts offiziell verkündet worden.
 
Um 11.30 Uhr war es dann soweit. Auf dem Ulmer Marktplatz hat sich eine riesige Menschenmasse vor einer für die Ergebnisbekanntgabe aufgebaute Bühne versammelt. Neben Reportern der Zeitung und des Fernsehens waren selbstverständlich hunderte Musiker gespannt auf das Resultat. Als die erzielten Punkte in der gleichen Reihenfolge der Auftritte verlesen worden sind, notierten wir fleißig mit bis es nach der Ergebnisbekanntgabe des letzten Orchesters klar war: Wir sind Gewinner des Deutschen Orchesterwettbewerbes 2016 und damit neuer Deutscher Meister! Unsere Freude ist unbeschreiblich, es folgt der Ausnahmezustand in Blaustein und in unserem Vereinsgebäude.

Montag, 2. Mai
Endlich, es ist soweit! Auf diesen Tag haben wir monatelang gewartet und nun ist er da. Das Orchester war hochmotiviert, wir freuten uns auf den Auftritt. Um kurz vor 11 Uhr starteten wir unseren Vortrag mit der Jupiter Hymne von Gustav Holst in einer Instrumentation von unserem Dirigenten. Nachdem die Jury Platz genommen hatte, begann die Wertung... Der tosende Applaus nach dem Pflichtstück, der Suite für Harmonieorchester, beflügelte uns zu einer Top-Leistung bei unserem Selbstwahlstück – Derivations von Marco Pütz.

Bereits eine halbe Stunde später war es vollbracht und wir gingen zufrieden von der Bühne. Jetzt steht der gemütliche Teil des Tages an. Auf 16 Uhr ist das Bier-Bähnle bestellt. Morgen werden wir sehen, wie die Jury unser Angebot im Wettbewerb bewertet hat.

Sonntag, 1. Mai
Die Spiele sind eröffnet! Der Deutsche Orchesterwettbewerb hat heute begonnen. Los ging es morgens um 10.30 Uhr mit einem sehr schönen Vortrag der Jungen Bläserphilharmonie Ulm im CCU. Danach schnell rüber nach Neu-Ulm ins Edwin-Scharff-Haus. Viele Musikerkollegen des Orchesters und ich lauschten sehr interessanten Interpretation des Pflichtstückes. Spannend war auch die Unterschiedliche Wahl und Umsetzung der Selbstwahlstücke.
 
Die ganze Stadt war auf den Beinen - ein motivierendes Gefühl. So, nun mache ich aber Schluss, morgen um 11 Uhr gilt es für uns.

Samstag, 30. April
Ich bin jetzt in meinem Hotelzimmer in Pfuhl angekommen. Nicht nur das ganze Orchester kann so die Zeit miteinander verbringen, das Hotel liegt auch näher an den verschiedenen Wettbewerbsorten in Ulm und Neu-Ulm. Ich bin sicher, wir werden eine schöne Zeit in den nächsten Tagen haben.
 
Morgens fand die Generalprobe in Herrlingen statt. Neben einem Tonmeister, der das Orchester bereits vor zwei Wochen am Konzert im Kornhaus aufgenommen hatte, war auch ein Kamerateam des SWR zu Gast. Wir sind gespannt auf unseren Bericht in der Landesschau. Nach etwa 5 Stunden Probe waren alle zwar erschöpft, aber zuversichtlich, dass Montag ein guter Tag für uns werden wird.

Freitag, 29. April
Bei wunderschönem Wetter war es heute schon fast soweit: Um den Saal und seine Raumakustik kennen zu lernen, haben wir unsere Hauptprobe im Edwin-Scharff-Haus gespielt. Im Vergleich zum CCU ist der Saal etwas kleiner, kommt unserem Orchester aber klanglich entgegen. Die Bassgruppe kommt etwas schwach im Zuschauerbereich an – kein Problem, auf meinem Instrument ist immer noch Luft nach oben.

Wir sind nach einer gelungenen Hauptprobe in unserem Wettbewerbssaal hochzufrieden und voller Motivation für unseren Vortrag am Montag. Jetzt aber ins Bett. Morgen um 10 Uhr beginnt schon die Generalprobe.  Dieses Mal wieder in Herrlingen in unserer guten alten Aula – allerdings mit ein paar Gästen.

Donnerstag, 28. April
Nach einem langen Tag in der Schule nahm ich mein Euphonium und habe geübt. Die fulminante Melodie der Jupiter Hymne, die Achtelläufe im ersten Satz der Suite für Harmonieorchester – dem Pflichtstück im Orchesterwettbewerb – und die umgekehrten Chromatismen in Derivations (zu sehen in Takt 116 auf dem Foto) erfordern täglich Aufmerksamkeit. Alles klappt wunderbar – ich bin zufrieden.

Für kleine Korrekturen bleibt noch genügend Zeit. Morgen am Freitag ist die Hauptprobe im Edwin-Scharff-Haus und wir bekommen einen Vorgeschmack wie es am Montag um 11 Uhr bei unserem Wettbewerbsvortrag sein wird. Am Samstag dann noch die Generalprobe mit einem Aufnahmeteam des SWR.

Mittwoch, 27. April
Es geht los: Der Deutsche Orchesterwettbewerb (DOW) ist in Ulm angekommen. Um 11 Uhr lud der Deutsche Musikrat zur Pressekonferenz ins Ulmer Rathaus. Mit dabei, neben vielen Vertretern der Presse, auch Ulms neuer OB Gunter Czisch – und, da die Schule schon vorbei war, ich: Christoph Michl, 17 Jahre alt und Euphonium-Spieler der Bläserphilharmonie der Stadt Blaustein.

Helmut Schubach, Projektleiter des DOW, informierte umfassend über den Wettbewerb. Am Nachmittag dann die mit großer Spannung erwartete Bekanntgabe der Jury auf der Website des Deutschen Musikrats. Das letzte Mosaiksteinchen ist damit vorhanden – dem Wettbewerb in unserer Kategorie B1 (Blasorchester Erwachsene) am Sonntag und Montag steht nichts mehr im Wege.


Tagebuch Ulm Auch von der Jungen Bläserphilharmonie Ulm berichtet eine Teilnehmerin aktuell in einem Tagebuch. Ann-Sophie Zeipekkis erzählt von ihren Erlebnissen und Eindrücken vom Deutschen Orchesterwettbewerb in Ulm. Zu ihrem Tagebuch geht es hier.