Neu-Ulm Tafelläden und das Recht auf Ernährung

Wissenschaftler Daniel Kofahl diskutierte mit den Jusos über das Thema Ernährung. Aus kultureller, politischer und soziologischer Sicht
Wissenschaftler Daniel Kofahl diskutierte mit den Jusos über das Thema Ernährung. Aus kultureller, politischer und soziologischer Sicht © Foto: Patrick Fauss
Neu-Ulm / PATRICK FAUSS 20.08.2015
Wissenschaftler Daniel Kofahl hat mit den Jusos über das Thema Ernährung diskutiert. Aus kultureller, politischer und soziologischer Sicht.
Ernährungspolitik zwischen Globalisierung und regionalen Trends. So lautete das Thema eines Vortrags der Jungen Sozialisten in der SPD (Jusos) im Neu-Ulmer Parteibüro. Daniel Kofahl vom Büro für Agrarpolitik und Ernährungskultur (APEK) ging dabei auf aktuelle Trends ein.

Der Ernährungssoziologe zeigte unter anderem auf, dass Essen und Weltanschauung oft nicht weit auseinanderliegen. Als Beispiel nannte Kofahl vegane oder vegetarische Ernährung. So werde der Verzicht auf Fleisch nicht nur als Dienst an der eigenen Gesundheit gesehen. Auch solle er das Los von Tieren oder die Ernährung von Menschen in armen Ländern verbessern helfen, erklärte Kofahl.

Essen werde zudem herangezogen, um Klassenunterschiede zum Ausdruck zu bringen. Zum Beispiel auch in der Politik. So stehe die Currywurst für die Herkunft der Sozialdemokraten aus dem Arbeitermilieu. Ein Essensstil, der auch zur Abgrenzung gegen "Körneresser" oder "feine Gourmetpinkel" immer wieder herangezogen werde.

Kofahl wies auch auf "versteckten Hunger" in Deutschland hin. Mancher Sozialhilfeempfänger habe zum Ende des Monats nicht mehr genügend Geld, um Nahrungsmittel kaufen zu können. Das Recht der Bürger auf angemessene Ernährung sicherzustellen, ist aber laut Artikel 11 des Sozialpakts der Vereinten Nationen (UN) Aufgabe des Staats.

In der Praxis sprängen jedoch wohltätige Vereine, zum Beispiel mit Tafelläden, in die Bresche. Dort könnten Bürger jedoch nicht ihren Rechtsanspruch im eigentlichen Sinn durchsetzen. Sie seien vielmehr auf das Wohlwollen der Organisationen angewiesen.

Rund ein Dutzend Anwesende diskutierten über den zunehmenden Druck zur Selbstoptimierung in der heutigen Gesellschaft, der nicht selten mit Ernährungstipps verbunden werde. Bedauert wurde, auch, dass an Schulen nicht genügend Praxis wie Kochkurse und Hauswirtschaft gelehrt werde. Das sei möglicherweise ein Grund dafür, weshalb die Zahl der an Übergewicht leidenden Menschen in Deutschland stetig zunehme.

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