Ulm/Neu-Ulm Tafelläden lehnen Lebensmittel mit Pferdefleisch ab

Siglinde Rüll duldet im Ulmer Tafelladen keine falsch deklarierte Ware aus Rückrufaktionen.
Siglinde Rüll duldet im Ulmer Tafelladen keine falsch deklarierte Ware aus Rückrufaktionen. © Foto: Volkmar Könneke
CAROLIN STÜWE 25.02.2013
Die Tafelläden in der Region wollen keine Lebensmittel mit Pferdefleisch. Nicht nur, weil der Bundesverband Deutsche Tafel dies empfiehlt. Bei Bioeiern wird jetzt ganz genau auf die Verpackung geschaut.
„Die Tafeln – Essen, wo es hingehört“, heißt es auf dem bundesweiten Logo, auch an der Eingangstür des Ulmer Tafelladens des Deutschen Roten Kreuzes in der Schaffnerstraße 17. Gehören auch Lebensmittel mit Pferdefleisch dorthin, wie es der Göttinger CDU-Bundestagsabgeordnete Hartwig Fischer vorgeschlagen hat? Siglinde Rüll vom Leitungsteam des Ulmer Tafelladens war „schockiert“, als sie davon hörte, diese aussortierten Lebensmittel an Arme zu verteilen.

„Unsere Kunden sind zwar Arme, aber es sind Menschen.“ Sie frage deshalb immer wieder ihre 80 Mitarbeiter: „Würdet Ihr diese Ware noch essen.“ Außerdem unterliegen die Tafelläden denselben Gesetzen wie jeder andere Supermarkt. Deshalb sei es ohnehin nicht erlaubt, die Ware einer Rückrufaktion, wenn auch viel günstiger, zu verkaufen.

Der Bundesverband Deutsche Tafel mit Sitz in Berlin hat umgehend reagiert auf den Politikervorschlag, fehldeklarierte Pferdefleischprodukte an karitative Einrichtungen weiterzuleiten. In dem Rundschreiben an alle Tafelläden heißt es unter anderem: Der Bundesverband reagiere mit Unverständnis und Empörung auf den Vorschlag. „Bedürftige Menschen sind keine Verbraucher zweiter Klasse.“ Und: Wenn Produkte vorsorglich aus dem Verkehr gezogen werden, „dann nehmen wir sie nicht an“.

So weit ist es in Ulm nicht gekommen: „Wir bekamen erst gar keine Pferdefleisch-Produkte wie Ravioli und Tortellini angeboten“, sagt Siglinde Rüll. Und die eine Packung Lasagne stammte aus einem Feinkostgeschäft. Tatsache sei aber, dass in Tafelläden generell alle Fleischprodukte und Eier sehr begehrt sind, aber nur selten von Supermärkten abgegeben werden. Deshalb wird im Ulmer Tafelladen auch aufgrund des jüngsten Bioeier-Skandals nun noch genauer auf die Verpackung geschaut. Siglinde Rüll überlegt, ob sie es wie bei dem Keime-im-Salat-Skandal im Oktober vergangenen Jahres handhabt und einen Zeitungsausschnitt zum aktuellen Skandal mit ins Regal hängt.

Im Neu-Ulmer Tafelladen in der Maximilianstraße 39 gibt es überhaupt keine Tiefkühlkost, deshalb bleiben Fleischprodukte ohnehin außen vor. Davon abgesehen kann Stefan Kast, Geschäftsführer des BRK-Kreisverbandes, die Äußerung des CDU-Politikers nicht ernst nehmen. Generell hält er sich an die Empfehlungen des Bundesverbandes Deutsche Tafel. Bundesweit gibt es mehr als 900 Tafelläden, im Alb-Donau-Kreis mit Ulm sind es sechs, im Kreis Neu-Ulm vier. In Ulm kaufen an einem Nachmittag bis zu 200 Kunden ein, im kleineren Neu-Ulmer Laden sind es bis zu 90.