Ulm Syrischer Künstler Ayham Jabr über seine Collagen im Café Beirut

Ayham Jabr liebt seine Heimatstadt Damaskus.
Ayham Jabr liebt seine Heimatstadt Damaskus. © Foto: Privat
Ulm / LENA GRUNDHUBER 18.06.2016
Im Café Beirut hängen Bilder, die wirken wie aus einer Fantasy-Welt. Doch sie kommen aus dem Krieg. Fragen an den Künstler Ayham Jabr.

In seinen Collagen fliegen bedrohliche Raumschiffe durch die Stadt: „Damascus Under Siege“ – Damaskus unter Belagerung – heißt die Serie des syrischen Künstlers Ayham Jabr im Café Beirut. Der 28-Jährige lebt in Damaskus, erreichbar ist er via Facebook oder E-Mail. Jabr hofft auf die syrische Armee und ein Ende des Terrors, wie er sagt.

Wie verbringen Sie Ihren Tag?
AYHAM JABR: Ich lebe in Damaskus, am Abbasiyeen Square (Anm. der Red.: im Osten der Stadt). Sozial bin ich nicht so aktiv, ich verbringe meine Zeit meistens in meinem kleinen Studio in der Altstadt oder wandere in den Straßen und Alleen herum, so wie die meisten Leute hier. Es ist wundervoll, wie wir alle mit diesem wunderschönen Ort verbunden sind. Die Situation ist besser geworden seit der Waffenruhe. Aber wir sind alle vom Krieg mitgenommen, manche mehr als andere.

Sie haben als Cutter für das TV gearbeitet, was machen Sie jetzt?
JABR: Ich arbeitete und arbeite auch immer noch als Video-Editor für TV-Serien. Momentan bin ich mit einem kurzen Dokumentarfilm über einen einzigartigen Mann beschäftigt, der in Damaskus lebt und arbeitet, und sitze an einem Collage-Projekt mit Material aus dem „National Geographic Magazin“. Außerdem habe ich  gerade ein Porträt-Fotografie-Projekt mit Fotografie, Collage und digitaler Kunst abgeschlossen.

Für Ihre Collagen nutzen Sie Science-Fiction-Elemente. Wieso?
JABR: Ich liebe Science-Fiction-Filme, -Geschichten, -Theorien, sie sind inspirierend. Die Schönheit einer Welt außerhalb von uns, von der wir so wenig wissen, hat mich immer fasziniert. Die Collage ist eine Möglichkeit zu kommunizieren, wie Malerei, Musik oder Lyrik. Sich mit Worten auszudrücken, kann zu Missverständnissen führen, denn unglücklicherweise sprechen wir nicht alle dieselbe Sprache.

Mit welchem Material arbeiten Sie?
JABR: Es gibt große Mengen von Materialien um uns herum. Ich nutze Google, Magazine, alte Bilder, Scans von Fotografien. Überall ist Material, aber es geht darum, wo man es sieht und warum man sieht, was man sieht.

Ihre Bilder zeigen eine surreale Wirklichkeit. Ist Krieg auch surreal?
JABR: Was Krieg mit jedem um ihn herum und in ihm macht, ist surrealer als alles, was ich vorher kannte.

Gibt es kulturelles Leben in Damaskus?
JABR: Schon vor dem Krieg gab es natürlich eine riesige kulturelle Bewegung hier, Damaskus war die Hauptstadt arabischer Kultur. Zum Beispiel wird man überall Bücher finden, auch bei Buchverkäufern auf der Straße. Sogar in Aleppo letztes Jahr – mitten in der Hölle, in der die Leute dort leben – haben sie eine neue Bibliothek eröffnet. Das ist surreal, oder?

Was bedeutet Ihnen Damaskus?
JABR: Die Altstadt ist nicht nur für mich wichtig, sondern für jeden auf der Welt. Es ist die älteste Stadt überhaupt und sie erinnert mich daran, was Hunter S. Thompson einmal gesagt hat: „Zu seltsam, um zu leben, zu selten, um zu sterben“ – genauso ist es mit dem, was von Damaskus übrig ist.

Wollen Sie in Syrien bleiben?
JABR: Vielleicht gehe ich eines Tages weg, aber ich hoffe, es wird kein One-Way-Ticket sein. Damaskus ist so inspirierend. Trotz der schrecklichen Ereignisse ist es immer noch die schönste Stadt für mich.

Info
Die Collagen von Ayham Jabr sind im Café Beirut, Gideon-Bacher-Straße 3, zu sehen. Do/Fr 18-23 Uhr, Sa/So14-23 Uhr.