Für die sechsköpfige Familie ist der 13. August ein ganz normaler Sommertag in Ulm. Das ändert sich um kurz nach 15 Uhr, als die Eltern mit ihren vier kleinen Kindern an der Haltestelle Justizgebäude in den Bus der Stadtwerke Ulm (SWU) in Richtung Söflingen einsteigen.

Mädchen wird von schließender Bustür getroffen

Während die Mutter bereits mit zwei Kindern im Inneren des Fahrzeuges Platz genommen hat und der Vater gerade auf der Schwelle steht, schließen sich die Türen des Busses. Der Vater wird von einer der Türen getroffen – und da seine beiden anderen Töchter noch auf dem Bussteig stehen, stemmt er sich dagegen, die Türen öffnen sich wieder. Dann wird es hektisch. Der Mann schnappt sich eines der Kinder und zieht es in den Bus. Gleichzeitig schließen sich die Türen erneut, jetzt wird das Kind getroffen und beginnt laut zu weinen.

Busfahrer schließt Tür weiter - zweites Mädchen wird eingeklemmt

Der Vater ruft aufgeregt in Richtung des Busfahrers um auf sich aufmerksam zu machen und versucht währenddessen, auch das vierte Kind durch die sich immer noch auf und zu gehenden Flügeltüren in den Bus zu zerren. Dabei wird das etwa vierjährige Mädchen mehrmals von der Tür getroffen – und auch eingeklemmt, als sich die Tür zum letzten Mal schließt. Mit einem letzten Ruck des Vaters schafft es auch das letzte Kind ins Innere. Die sichtlich geschockten Eltern kümmern sich um die verängstigten und weinenden Mädchen, als der Bus rasant anfährt.

Verspätung als Rechtfertigung für Verhalten des SWU-Fahrers

Als ein Fahrgast den Busfahrer auf den Vorfall anspricht, erklärt dieser, dass er beim Schließen der Türen schon bemerkt habe, dass sich dort noch Personen befanden. Aber er habe bereits eine Verspätung von zwei Minuten gehabt. „Schließlich gibt es ja einen Fahrplan“ an den er sich halten müsse. „Dann müssen die Leute halt früher kommen.“

Fahrgast konfrontiert SWU mit Vorfall

Die betroffene Familie – wohl auch bedingt durch eine Sprachbarriere – will das Geschehen nicht weiter vertiefen. Der Fahrgast, der den Busfahrer mit seinem Verhalten konfrontierte, wendete sich an die SWU und schilderte seine Erlebnisse. Eine Antwort kommt prompt: „Hallo, erstmal ein großes Sorry dafür, dass wir erst jetzt auf deine Nachricht reagieren. Deine Nachricht ist leider total untergegangen. Du hast ja glücklicherweise alle notwendigen Daten angegeben, sodass ich den Fall gleich morgen früh zusammen mit den Kollegen der SWU Verkehr für dich überprüfen kann. Ich melde mich dann im Laufe des morgigen Tages bei dir.“

Monate lang keine Antwort des Busfahrers

Doch dann passierte lange nichts. Erst Ende Oktober reagiert die SWU auf eine erneute Nachfrage des Fahrgastes. Da der betroffene Fahrer längere Zeit krankgeschrieben gewesen sei und daher keine Stellungnahme abgeben konnte, habe die Klärung des Falles einige Zeit in Anspruch genommen.

SWU reagieren mit Stellungnahme des betroffenen Busfahrers, der laut Zeugen die Bustüre mehrmals schloss, als sich Personen darin befanden. Darunter kleine Kinder, die getroffen und eingeklemmt wurden.
© Foto: Chris Wille

Stellungnahme: Busfahrer leugnet Personen in Tür bemerkt zu haben

Der Fahrer des Busses erinnere sich an den Vorfall und habe mitgeteilt, dass „er die Türautomatik tatsächlich aufgrund der Verspätung manuell abgeschaltet“ hatte. Entgegen seinen Aussagen am Tag des Geschehens gab er weiter an, er habe jedoch nicht wahrgenommen, dass sich Kinder zwischen den Türblättern befanden, während er etwa eine Minute lang versucht hatte die Tür zu schließen.

Die Mitteilung der SWU endet mit dem Versprechen: „Wir bitten die Situation zu Entschuldigen und geloben Besserung. Verlass dich drauf!“ Die betroffene Familie hat davon nichts erfahren.

Dieser Artikel ist in Kooperation mit CityStories entstanden.