Der SV Offenhausen hat ein nasses Problem. Bei jedem Hochwasser, bei jedem Starkregen läuft das Wasser in sein Vereinsheim. Vor allem die Räume im Untergeschoss sind mittlerweile kaum mehr nutzbar: Umkleidekabinen, Jugendraum und Lagerräume für die derzeit nicht betriebene Gaststätte sind unbrauchbar geworden. Entweder muss das gut 50 Jahre alte Vereinsheim grundlegend saniert werden. Oder es wird abgerissen und neu gebaut.

Der Verein liebäugelt mit einem Neubau, entschieden ist aber noch nichts. Egal ob Sanierung oder Neubau, die Stadt Neu-Ulm wird den Verein unterstützen. Finanziell im Rahmen der Sportförderrichtlinien, ideell durch Knowhow.

Damit sind alle Stadtratsfraktionen einverstanden. Mehr noch: Für die Stadträte ist es selbstverständlich, den Vereinen und in diesem Fall eben dem SV Offenhausen zu helfen. Dennoch kam es im Finanzausschuss zu einem verbalen Schlagabtausch, der teilweise aufs Persönliche abzielte.

Was war passiert? Zugespitzt gesagt: SPD, FWG, FDP und Grüne werfen der CSU vor, unkollegial ihr eigenes Süppchen zu kochen. Erstens hatte die CSU den Antrag gestellt, dem SV Offenhausen bei seinem Vorhaben unter die Arme zu greifen. „Da fängt eine Unsitte an“, sagte Karl-Martin Wöhner (SPD). Bisher sei es gute Sitte gewesen, die Vereine die Initiative ergreifen zu lassen.

Zweitens und für manche Stadträte viel schlimmer: Sie argwöhnten, der Vereinsvorstand habe sich mit Vertretern der Stadt und CSU-Räten getroffen, um für sein Vorhaben zu werben – ohne dass die anderen Fraktionen zu dem Termin eingeladen oder darüber informiert worden wären. Denn in der Sitzungsvorlage der Verwaltung hieß es: An der Besprechung hätten „neben Vertretern des Sportvereins und Mitarbeitern der Verwaltung auch Mitglieder der CSU-Fraktion teilgenommen“.

Ein Missverständnis, beeilten sich Fachbereichsleiter Ralph Seiffert und CSU-Fraktionschef Johannes Stingl zu versichern. Einen solchen gemeinsamen Termin habe es nicht gegeben, die anderen Fraktionen seien also nicht ausgebootet worden. Doch dann nahm sich Stingl ein paar seiner Stadtratskollegen vor.

Erst einmal die FDP. „Wir stellen unsere Anträge nach Rücksprache mit den Vereinen und nicht ohne mit ihnen zu reden“, sagte Stingl spitz. Die FDP hatte sich für ein gemeinsames Vereinszentrum von TSV Pfuhl und FC Burlafingen ausgesprochen, das die beiden Vereine gar nicht wollen. Er behauptete: „Wir sind die Fraktion, die die Vereine unterstützt.“

Dann zielte Stingl auf die Offenhausenerin Christa Wanke, die im Unfrieden von der CSU zur FDP gewechselt war. „Es ist erstaunlich, dass manche Stadträte und Stadtteilvertreter das Dilemma des SV Offenhausen über Jahre mitkriegen, aber keinerlei Aktivität entfalten, dem Verein zu helfen.“ Der Vorwurf schien an Christa Wanke abzuprallen: „Jeder weiß, dass ich dem Verein in der Vergangenheit viel geholfen habe.“

Kämmerer Berthold Stier wollte die Schärfe aus der Debatte nehmen. „Wir lassen keinen Verein hängen.“ Die Stadtverwaltung habe den Vorstand gebeten, bis Mitte nächsten Jahres eine Entscheidung zu fällen. Dann könne die finanzielle Unterstützung der Stadt im Haushalt 2018 eingeplant werden.