Ulm Studieren in der Kohorte

RUDI KÜBLER 10.08.2012
Länderübergreifend studieren? Das geht seit Jahren schon an den Hochschulen Ulm und Neu-Ulm. Jetzt überschreitet ein Master-Studiengang die Kontinente: von Ulm nach Indiana, unterstützt durch den DAAD.

95 000 Euro nimmt der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) in die Hand, um einen Studienangebot der Hochschule Ulm zu fördern, das bislang einmalig ist: Wer sich für den Master-Studiengang Systems Engineering and Management immatrikuliert, wird zwischen den Studienorten Ulm und Terre Haute hin- und herpendeln. Terre Haute? Richtig gelesen. Terre Haute, Indiana. USA. Mit dem Rose-Hulman-Institute of Technology, einem kleinen, aber ausgezeichneten College für Ingenieurwissenschaften rund 250 Kilometer südlich von Chicago gelegen, hat die Hochschule Ulm geraume Zeit schon Kooperationen. "Seit 2001 arbeiten wir mit den Amerikanern zusammen, die sind in Systems Engineering sehr stark", sagt Prof. Wolfgang Schroer von der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik.

Den Austausch noch zu verstärken, beziehungsweise auf ganz andere Beine zu stellen, das war das Ziel des Modellversuchs, der in diesem Sommersemester mit acht Studenten startete. Und zwar in Ulm, aber in englischer Sprache. Fünf Deutsche, zwei US-Amerikaner und ein Grieche hatten sich für den Master-Studiengang eingeschrieben; sie werden jetzt gemeinsam ans Hulman-Institute nach Terre Haute wechseln, um dort dieser Tage ihr Studium fortzusetzen. Gemeinsam - das heißt: "in der Kohorte", wie es der Leiter der Graduate School ausdrückt. Das Modell nimmt auf die Befindlichkeiten der amerikanischen Studenten Rücksicht, die sich im Ausland im Verbund leichter tun, "sie fühlen sich in der Gemeinschaft besser behütet", sagt er.

Schroer hat nicht nur viel Zeit und Arbeit in das Projekt investiert - Studieninhalte müssen abgestimmt, Prüfungen angeglichen werden. Der Studiendekan hat auch persönliche Beziehungen eingebracht, um das Projekt in Gang zu bringen und am Laufen zu halten. "Nur auf dieser Basis funktioniert die Zusammenarbeit." Derzeit ist beispielsweise eine Kollegin von der Hochschule Ulm in Terre Haute.

Da kommen die 95 000 Euro, die der DAAD locker macht, wie gerufen. Zum einen werden die Fördermittel für die Reisen verwendet, zum anderen für Stipendien. Jeder Student erhält monatlich 900 Euro plus Reisekostenzuschuss in Höhe von 1000 Euro. Zwei Jahrgänge werden davon profitieren; wie es dann finanziell weitergeht, müsse man sehen, sagt Frowin Derr, Dekan der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik. "Die Vorauswahl ist hart, wir nehmen nur sehr gute Leute auf", so Derr, der daran denkt, das Modell, das zunächst auf Elektrotechnik bechränkt ist, auf weitere Fächer auszudehnen: etwa auf Elektrische Energiesysteme und Elektromobilität.

Übrigens: Das dritte Semester werden die Studenten dann dort verbringen, wo sie ihre Master-Arbeit schreiben, entweder hier in Ulm oder in Terre Haute.

Info Für den Studiengang kann man sich bis 15. Oktober bewerben. Weiteres unter www.hs-ulm.de