Da haben sich offenbar zwei Ulmer Persönlichkeiten gefunden und tragen nun - unter dem vorläufigen Arbeitstitel: „Ziemlich beste Feinde“ - einen verbalen Kleinkrieg auf verschiedenen Kanälen gegeneinander aus. Der eine im Stadtmagazin Spazz, der andere über seinen E-Mail-Verteiler. Beide mit Mitteln, dass es möglichst viele Menschen in Ulm und Neu-Ulm mitbekommen.
Die Protagonisten? In der einen Ecke Walter Feucht, Unternehmer und Spazz-Kolumnist, in der anderen Ernst Prost, Chef des Additive- und Schmierstoffherstellers Liqui Moly.

Walter Feucht greift Ernst Prost in seiner Kolumne an

Was also ist geschehen? In seiner Spazz-Kolumne nimmt Walter Feucht gerne die aktuelle Politik, die Wirtschaft, Medien oder Sport und deren Handelnde aufs Korn und bedenkt diese mit seiner Meinung - vom Kleinen in Ulm bis zum Großen auf bundespolitischer Ebene. Die aktuelle Betrachtung zur Bundespolitik in der Corona-Krise etwa liest sich so: „Früher war es so: Der König hielt das Volk arm, die Bischöfe das Volk dumm … das machen die Kirchen auch heute noch so. Merkel, Söder, Laschet, Spahn und Co. machen jetzt beides, pflegen den Neoabsolutismus in Perfektion und das zu willigen Lemmingen degradierte Volk stimmt freudig in ein Halleluja mit ein.“
Bestandteil der Kolumne sind aber eben auch immer lokalpolitische oder in diesem Fall -wirtschaftliche Betrachtungen. In der aktuellen Ausgabe hat sich Feucht nun also auf Liqui-Moly-Chef Prost eingeschossen. Feucht bezichtigt Prost gleich zu Beginn seines Absatzes über ihn, „die Realität über viele Jahre ausgeschlossen“ zu haben. Prost spiele sich „immer als selbständiger Vorzeigeunternehmer“ auf, der er in Feuchts Augen „nie wirklich war und immer am Zipfel eines Großkonzerns hing“. Warum diese Wortwahl? Wieso der verbale Angriff auf Prost? Diese Antwort bleibt Feucht weitgehend schuldig.

Feucht: Prost ist ein „kleiner Selbstdarsteller“ mit „Minderwertigkeitskomplexen“

Ein Indiz aber gibt es zumindest, denn Feucht schreibt weiter: „Er zitterte wie Espenlaub im Winde, dass die Wahrheit, nie ein selbständiger Unternehmer gewesen zu sein, an die Öffentlichkeit kam. Jetzt tönt er wieder, was er für seine ,Mitunternehmer’ alles tun würde: Bis zur Hälfte seines Vermögens würde er opfern, tönt er seit Jahren, meistens bei Weihnachtsfeiern.“
Zum Abschluss seiner Breitseite stellt Feucht eine Forderung an Prost: „Ja dann soll er es doch endlich tun und nicht nur drüber schwätzen. Wer jede seiner Wohltaten den Medien mitteilen muss, diese Mitteilungen professionell befeuert, ist kein Großer, sondern letztendlich ein kleiner Selbstdarsteller, der unter Minderwertigkeitskomplexen zu leiden scheint. Man muss Mitleid mit ihm haben, ihn nicht einmal ernst nehmen.“

Feucht greift Prost an – So reagiert der Liqui-Moly-Chef

Nun kontert Liqui-Moly-Chef Prost, der in der Corona-Krise unter anderem auf Gehalt verzichtete und dies über seinen Mailverteiler publik machte, per Mail. Er richtet sie an den „lieben Walter Wadenbeißer Feucht“: „Endlich trampeln Sie mit Ihren viel zu großen Schuhen, in denen ein kleines Männlein steckt (...) nicht immer nur auf den Schwachen und Wehrlosen rum, sondern haben sich mal einen richtigen Gegner ausgesucht. Mich.“
Dann nimmt Prost Fahrt auf und strafft, nachdem er sich die Frage stellt, warum „ausgerechnet“ er „angeseucht“ werde, die Wortwahl: „Ich kenne Sie nicht einmal. Und bis vor ein paar Tagen wusste ich nicht einmal, dass es Sie gibt. Ehrlich gesagt ist mir jeder abgestandene Multivitaminsaft lieber, als ein selbsternannter Multi-Unternehmer, der seichte, dümmliche und ehrabschneidende Schwachsinn-Sätze in einem drittklassigen Anzeigen-Heftlein veröffentlicht.“ Und weiter: „Ein Querdenker sind Sie also? Aha... Klingt eher nach unverschämtes, kleines missgünstiges Querschlägerlein.“

Prost zu Feucht: „Wie wär’s mal zur Abwechslung mit Charakter, anstatt Hetze?“

Es folgt eine Serie rhetorischer Fragen abgeschlossen von einer Beurteilung von Feuchts Humor: „Wo nehmen Sie nur immer Ihre Boshaftigkeiten her? Was haben Ihnen all die Menschen getan, die Sie im SpaZz mit Ihrer unverschämten Wüterich-Schreiberei monatlich „anbrunsen“? Wie wär’s mal zur Abwechslung mit Charakter, anstatt Hetze? Wenn es wenigstens witzig wäre, was Sie da in Ihrer beleidigenden Dreckschleuder-Kolumne so alles absondern“. Weiter schreibt Prost, dass Feucht „zur Selbstbefriedigung andere Menschen in die Pfanne haut, um von eigenen Missständen abzulenken“.
In einem weiteren Absatz beklagt Prost dann, dass Feucht „dummes und übles Zeug über mich (...) an meine Kolleginnen und Kollegen in der Firma“ geschrieben habe - und schickt noch eine Warnung hinter: „Wenn Sie für Ihre Selbstdarstellung, unter dem Deckmäntelchen der Meinungsfreiheit, irgendwelche Opfer brauchen, können Sie sich diese gerne irgendwo suchen, aber mich lassen Sie gefälligst in Ruhe!“

Prost fordert Feucht dazu auf, den „Schreibknüppel“ wegzupacken

Und auch Prost hat noch eine Forderung an Feucht: „Jetzt packen Sie mal schön Ihren kindisch-ungezogenen Schreibknüppel ein für alle Mal weg (...). Als Multi-Unternehmer (hoho), Querdenker (hihi), ehemaliger Stadtrat, Familienvater und 70-jähriger Greis haben Sie doch bestimmt Wichtigeres zu tun, als sich immer wieder neue Mobbing–Opfer auszusuchen um dem Anzeigen-Blättlein die Auflage zu erhalten.“