Christopher Street Day Ulm Der Streit um die Bühne geht weiter

Ulm / Frank König 14.08.2018
Veranstalter des Christopher Street Day räumen Fehler ein. Bürgermeister Bendel will Ruhe reinbringen. Die Organisatoren der Paradekonzerte wehren sich.

Nach dem Christopher Street Day schlagen die Wellen hoch. Weil die Organisatoren die Bühne am Marktplatz nicht wie vereinbart abgebaut hatten, war das Paradekonzert am Sonntag gefährdet. Die Organisatoren Gerhard Bühler und Helga Malischewski (Freie Wähler) hatten daher in einem Brief an OB Czisch gleich eine Verlagerung des CSD auf den Volksfestplatz in die Debatte gebracht – wogegen sich am Montag aber die Grünen vehement zur Wehr setzten. Sie fordern sogar eine Aufwertung der Veranstaltung für homo-, bi- und transsexuelle Menschen durch Verlegung an den Münsterplatz.

Bühne blieb aus ungeklärten Gründen stehen

Der Christopher Street Day hatte am Samstag zwar ordnungsgemäß gegen 22 Uhr geendet. Die Bühne mit einem großen Werbetransparent für Urlaubsreisen von homosexuellen Männern des regionalen Reiseveranstalters Gay TT blieb aber aus ungeklärten Gründen stehen. Weil die relativ große Bühne am Sonntagmorgen auf die Schnelle natürlich „nicht entfernt werden konnte“, wie Bühler und Malischewski beklagen, musste der MV Kadeltshofen trotz ungeklärter Versicherungsfragen darauf spielen.

Allerdings hatte die Feuerwehr die Rückwand zur besseren Kühlung hochgerollt, so dass wohl auf diese Weise auch das Transparent mit eingerollt wurde. Helga Malischewski sagte, man lege Wert auf eine „gepflegte Veranstaltung“. In dem Brief an Czisch heißt es: „Es waren wieder ca. 1000 Besucher heute beim Paradekonzert, nicht auszudenken, wenn dieses Konzert hätte nicht stattfinden können, und die Kapelle wäre gezwungen gewesen, ohne Auftritt wieder abzureisen.“

Nach Panne „schockiert“

Seitens der CSD-Organisatoren bedauerte Michael Frech den Faux­pas. Man habe den Auf- und Abbau der Bühne an eine Günzburger Firma vergeben, die aber durch eine parallele Veranstaltung im Legoland unter Druck geraten sei. Frech zeigte sich „schockiert“, dass die Ulmer Bühne nicht rechtzeitig zum Paradekonzert abgebaut war. Er räumte auch ein, dass es erneut Beschwerden von Anwohnern wegen der Lautstärke gab. Man habe dann jedoch die Bässe heruntergedreht. Helga Malischewski beklagte auch, dass das Museums-Café unter der Veranstaltung leidet und im Prinzip um 14 Uhr schließen muss.

Bendel versucht Ruhe in die Debatte zu bringen

Finanzbürgermeister Martin Bendel, der eine Ansprache zum Auftakt des Christopher Street Day am Samstagnachmittag gehalten und für gesellschaftliche Toleranz plädiert hatte, versuchte am Montag, etwas Ruhe in die Diskussion zu bringen. Er plädierte dafür, dass sich erstmal alle Parteien an einen Tisch setzen und Probleme ausräumen, zumal im Vorjahr alles reibungslos gelaufen sei.: „Es hat ja in der Vergangenheit funktioniert.“ Die Sache sei auch nicht so schlimm, dass man gleich über eine Verlegung des CSD auf den Volksfestplatz nachdenken müsse.

Für Blasmusik ungeeignet

Entsprechend dem Motto der Veranstaltung – „Diversity welcome“ – strebe man eine Vielfalt von Nutzungen auf dem Marktplatz an. Allerdings seien die Auflagen nicht erfüllt werden: „Ich kann die Verärgerung nachvollziehen.“ Bühler reagierte auf eine Protestmail, er wolle den CSD in die Au „verbannen“. Er forderte Toleranz gegenüber den Paradekonzerten ein. Seitens des Musikvereins Kadeltshofen sagte auf Anfrage Vorstand Florian Schreiber: „So schlimm war’s nicht.“ Allerdings sei die Rock-Bühne für Blasmusik nicht geeignet.

Die Grünen betonen in ihrem Brief an Czisch, Diversity gehöre in die Mitte der Gesellschaft. Die Gleichstellung von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung sei keineswegs schon erreicht. So hatte Frech auch bedauert, dass weder die Stadt noch die IHK die Schirmherrschaft für den CSD übernehmen wollten. Moderatorin Elise van Tastic überreichte Bürgermeister Bendel einen Diversity-Aufkleber für die Rathaustür. Bendel sagte diplomatisch, man werde im Rathaus dann einen Platz dafür finden.

Lesen Sie auch:

Mehr Besucher auf dem Marktplatz

CSD Der achte CSD war mit von den Organisatoren geschätzten 4000 Besuchern besser besucht als in den Vorjahren. Der Fokus auf den Marktplatz mit Verzicht auf Infostände in der Neuen Mitte wie zuletzt konzentrierte das Geschehen. Alle Parteien außer der CDU waren vertreten. Es gab auch Infostände schwul-lesbischer Polizisten, der Jugendgruppe Young and Queer oder zu Praktiken wie SM Bondage.

Konzerte Am Marktplatz geht am Sonntag, 19. August, das 500. Paradekonzert in 24 Jahren des Teams Bühler/Malischewski über die Bühne. Das 900. Konzert in 40 Jahren läuft im Oktober im Kornhaus.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel