„Applaus alleine reicht nicht!“ Der Satz ist extra gefettet. Er steht mittlerweile unter fast jeder Mitteilung der Gewerkschaft Verdi, Bezirk Ulm-Oberschwaben. Verdi will mehr als nur Anerkennung. Konkret: Mehr Geld – für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Doch die Verhandlungen laufen zäh. Bund und Arbeitgeberverband haben bislang kein Angebot vorgelegt. Deswegen hat Verdi beschlossen: Gespräche alleine reichen nicht. Die Vereinigung hat eine bundesweite Streikwelle gestartet. Auch Ulm ist betroffen. Was sind die Auswirkungen? Ein Überblick.

Verdi-Geschäftsführerin: „Wir machen weiter“

Ungeleerte Mülltonnen, verwaiste Baustellen, geschlossene Kitas – viele Ulmerinnen und Ulmer haben die Streiks schon zu spüren bekommen. Bislang streikten für jeweils einen Tag:
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SWU Versorgung
  • die Erzieherinnen und Erzieher in den städtischen Kitas.
Und das war wohl erst der Anfang. „Wir machen weiter“, sagt Maria Winkler, Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Ulm-Oberschwaben. Als nächstes treffe es den öffentlichen Nahverkehr.

Streik im ÖPNV: So bereiten sich die SWU auf den Arbeitsboykott vor

Ab Donnerstag, 1. Oktober, legen Bus- und Straßenbahnfahrer der SWU Verkehr ihre Arbeit nieder. Die SWU versuchen, die Wucht des Streiks zumindest abzufedern. „Wir werden alles im Rahmen unserer Möglichkeiten machen“, verspricht SWU-Sprecher Sebastian Koch.
Das Problem: Noch sind viele Fragen unbeantwortet. Etwa: Wie lange dauert der Arbeitsboykott? Oder: Wie viele folgen dem Streikaufruf? Dazu kommt: Buslinie ist nicht gleich Buslinie. Manche bedient die SWU, manche bedienen Subunternehmen, manche Linie – etwa die Linie 5 – bedienen SWU und Subunternehmen parallel. Gerade hier werde viel spontan ablaufen, sagt Koch. Die Kunden werden umfassend informiert. Über die sozialen Medien, über die digitale Echtzeit-Auskunft.

Streiks in Ulm: Ausweitung der Ausstände angedacht

Die Ulmerinnen und Ulmer müssen sich an solche Einschränkungen erst einmal gewöhnen. Ein Ende der Streiks ist nicht in Sicht. Die Verhandlungen zwischen Verdi, den kommunalen Arbeitgebern und dem Bund sind unterbrochen. Die neue Tarifrunde beginnt erst am 22. Oktober. Bis dahin wird die Streikserie wohl weitergehen. Wie sie in Ulm abläuft, will Winkler noch nicht verraten. Sie sagt nur: Der Streik könne sich auch auf andere Teile des öffentlichen Dienstes ausweiten.

Streik im öffentlichen Dienst: Das fordert Verdi

Die Gewerkschaft Verdi vertritt in der aktuellen Tarifrunde die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in öffentlichen Diensten. Dazu zählen:
  • Krankenhäuser
  • Verwaltung
  • Bauhöfe
  • Kindertagesstätten
  • Kultureinrichtungen
  • Energiebetriebe
  • Nahverkehr.
Verdi verhandelt in den Tarifrunden mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände und dem Bund, vertreten durch das Innenministerium. Die Gewerkschaft fordert:
  • Lohnerhöhung um 4,8 Prozent
  • Mindestens 150 Euro monatlich für Arbeitnehmer
  • Mindestens 100 Euro mehr für Auszubildende.