Tanz Strazzeris neue Choreografie: Vom Glück bewegt

Poetische Glücks-Momente des Tanzes auf der Stadthaus-Bühne.
Poetische Glücks-Momente des Tanzes auf der Stadthaus-Bühne. © Foto: Nik Schölzel
Ulm / Udo Eberl 02.01.2019

Das Jahr 2018 war ein Jahr des Glücks für Domenico Strazzeri, den Choreografen und Impresario der Strado Compagnia Danza. Er ist einer, der das Bühnenlicht ebenso liebt wie den Tanz, sein Lebenselixier. Nichts lag für ihn daher näher, als eine Tanzperformance über dieses Gefühl zu inszenieren, das ihn nie im Stich gelassen hat.

Da schwingt natürlich auch die tiefe Demut des Tüchtigen und Mutigen mit. Der 53-jährige Strazzeri hat für sein individuelles Glück hart gearbeitet, nach den ersten „dansarts“-Jahren als Tänzer immer an die eigene Compagnie geglaubt, zudem an die Möglichkeit, all die bewegten Bilder in seinem Kopf mit Tänzern für ein stetig wachsendes Publikum gestalten zu können. Und das ist ihm, dem Glücklichen, gelungen.

Wie schwer es ist, das an diesem Abend im Stadthaus Vielbeschworene und doch nicht wirklich Greifbare und schon gar nicht Planbare in einer Performance zu bündeln, ohne in die Oberflächlichkeit von Glückskeks-Banalitäten abzurutschen, war in dem sehr weit gesteckten thematischen Rahmen häufiger nachzuspüren. So wurde „Message In A Bottle“ zu einer getanzten Glücksrevue, zu einer Mischung aus Flaschenpost-Wünschen, kindhafter Träumerei, Unglücksumgehung und der Suche nach der Leichtigkeit im Schweren.

Wilder Musik-Mix

Spannend, dass ausgerechnet die Musikauswahl – ein wilder Mix aus eigens komponierter Musik von João Hoyler Correia und einer Auswahl von Cello-Rock bis Italo-Gassenhauern – dafür sorgte, dass Strazzeris Schwungrad diesmal nicht so rund laufen wollte. Interviewfetzen zum Thema Glück in Kassettenrekorderqualität, lyrische Glücksempfindungen von Hanna Münch, die teils doch eher ins Gebäck gehörten, und eine seltsam spitze Sound-Collage, in der das Lied „Ciao, Ciao, Bambina“ verschüttet wurde, rüttelten am Glücksrad dieser Performance.

Da musste der Choreograf mit seinen lebendig werdenden Bildern mächtig viel anbieten, um für den dramaturgischen Fluss zu sorgen. Nach zappelphilipphafter Rubbel-Perkussion am Luftballon ging’s mitten hinein ins multiplizierte Banksy-Glück, in dem das unsichtbare Geflecht, das uns umgeben könnte, sichtbar wurde. Und die Ballons konnten in der Schwarzweiß-Szenerie noch mehr, sie hoben die Tänzer in eine Schwebung. Starke Aha-Momente, und auch der Tanz von Ines Meißner, Marcella Centenero, Elien Rodarel und Jeff Pham wurde immer intensiver. Ineinandergreifende Körperskulpturen mit geradezu artistischer Geschmeidigkeit zauberte Strazzeri in den von Paul Stauber wie so oft ideal lichttechnisch in Szene gesetzten Raum.

Einen starken Auftritt hatte zudem Katherina Krummenacher, die scheinbar alterslose Grande Dame des Ulmer Tanzes. Sie entledigte sich als „alte Schachtel“ ganz real ihrer angesammelten Stereotypen und legte ihr glückliches Selbst frei. Die anderen Tänzer bewegten sich dagegen mit flexiblen Reifröcken in kokonhaften Verknüpfungen. Nicht nur hier ganz stark: Christina Schlumbergers Kostüme.

Skurrile Momente

Glücksbringer und -jäger, Suchende und Findende, poetische Gemälde und ein körperlich jauchzendes Pas-de-deux-Ungestüm der beiden jungen Herren; Elien Rodarel zudem als ewiges Glück verheißender Verführer an der live gespielte Violine. Ja, am Ende steckte reichlich Glück in dieser guten Stunde.

Und vieles, was man mit Glück verbindet, konnte man gar vor Augen sehen. Auch wie es einen durchs Leben tragen kann und Schritt für Schritt begleitet. Zwischen all dem zudem so manches Augenzwinkern, skurrile Momente und die kleinen großen Augenblicke, in denen die Wolkentiere-Welt noch glücklicher macht als so manches greifbare Geschenk. Am Ende hielt es Domenico Strazzeri an diesem Abend vor allem mit dem weisen Konfuzius, der einst aufgeschrieben hatte: „Wer ständig glücklich sein möchte, muss sich oft verändern.“ Dafür ließ er im Stadthaus so manchen Ballon steigen.

Die weiteren Aufführungen

Termine Nach der ausverkauften Premiere und der Silvester-Vorstellung wird die Tanzperformance „Message In A Bottle – Hand voll Glück“ von der Strado Compagnia Danza täglich vom 3. bis 6. Januar sowie vom 10. bis 13. Januar, jeweils 20 Uhr, im Ulmer Stadthaus aufgeführt. Karten sind im Vorverkauf am Katalogstand des  Stadthauses, Ebene 3, und bei Ulm Tickets im Service Center Neue Mitte oder online www.ulm.tickets.de erhältlich.

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