Ulm / Chirin Kolb  Uhr

Halbzeit der Bauarbeiten zur Linie 2: Stadt und Stadtwerke ziehen eine positive Bilanz. „Bisher hat sich alles sehr gut entwickelt. Die Bauarbeiten machen große Fortschritte, der Zeitplan liegt im Rahmen“, sagte Finanzbürgermeister Martin Bendel in einer Pressekonferenz. Sein Fazit in zeitlicher und finanzieller Hinsicht bei einem solchen Großprojekt: „Wir können das.“

Jedoch: Die Kosten für den Ausbau der Straßenbahn steigen nach derzeitigem Stand um 24 Millionen Euro. „Aus nachvollziehbaren Gründen“, wie der Hüter der städtischen Kassen meint. 10 Millionen Euro davon muss die Stadt Ulm tragen. Die Gesamtkosten belaufen sich nun auf 249 Millionen Euro. Sie teilen sich so auf:

- Bau der Strecke 199 Millionen Euro

- Erweiterung des Betriebshofs 17 Millionen Euro

- Anschaffung der Fahrzeuge 33 Millionen Euro.

Keine zusätzlichen Schulden

Die Mehrkosten bringen den Finanzbürgermeister nicht aus der Ruhe, „sie werden den städtischen Haushalt nicht aus der Bahn werfen“. Die 10 Millionen Euro könnten im Etat 2018 ohne zusätzliche Schulden finanziert werden. Bendel ist zuversichtlich, dass sich Bund und Land an den Mehrkosten beteiligen und ihre Zuschüsse entsprechend erhöhen. Der Bund trägt 60 Prozent der Baukosten für die Linie 2, das Land 20 Prozent.

Schließlich seien die Mehrkosten baulich begründet. „Ein ganzes Bündel“ habe zur Kostensteigerung geführt. Zum Beispiel war die Gründung der Brücke zum Kienlesberg schwieriger als erwartet, was die Baukosten allein um 2 Millionen Euro in die Höhe trieb. Ein Abwasserkanal in der Römerstraße entpuppte sich trotz vorheriger Untersuchungen mit einer Kamera als viel schadhafter als gedacht. Die Erneuerung schlägt mit Mehrkosten von 5,4 Millionen Euro zu Buche. Ähnlich teuer war die statische Verbesserung eines Versorgungskanals in der Albert-Einstein-Allee.

Trotzdem alles im Zeitplan

Auch weiterhin gibt es Kostenrisiken. Sie werden aber immer kleiner, sagte SWU-Geschäftsführer Klaus Eder. „Je weiter wir mit den Bauarbeiten aus dem Boden raus sind, umso geringer werden die Risiken.“

Und der Baufortschritt liegt im Plan. „Auf der gesamten Strecke wird gebaut, und das funktioniert sehr gut“, sagte Baubürgermeister Tim von Winning, der sich bei allen Projektbeteiligten, Baufirmen und Anwohnern bedankte für das „relativ geräuschlose“ Zusammenwirken. „Jetzt wird es an vielen Stellen nicht mehr schlechter, sondern besser.“

Am Mähringer Weg sei fast schon der Endzustand zu erkennen. Ende Februar werde in der Wagnerstraße das Gleisdreieck eingebaut, im Sommer dann in der Olgastraße. Diese Bauarbeiten sollen weitgehend in die Ferien  fallen, denn: „Das wird die heftigste Einschränkung für den Verkehr überhaupt“, sagte von Winning.

Der Zeitplan für die Inbetriebnahme der Linie 2 sieht laut SWU-Chef Eder so aus:

- August 2017: Der erste neue Straßenbahnwagen wird geliefert und im Betriebshof der SWU „auf Herz und Nieren geprüft“.

- Frühjahr 2018: Auf der bestehenden Linie 1 werden erste Testfahrten mit dem neuen Fahrzeug unternommen. Es sei optisch und im Innenausbau nahezu identisch mit den bisherigen Straßenbahnen.

- Sommer und Herbst 2018: Die neue Strecke wird getestet.

- Dezember 2018: Zum regulären Fahrplanwechsel geht die Linie.2 in Betrieb.

Die SWU verzichten darauf, den Streckenast am Kuhberg schon im Herbst 2018 zu eröffnen. Das hätte im Betriebsablauf und im Fahrplan Problemen gebracht.

Halbzeit: Das sagen die Stadträte

Stimmen Am Ende stand ein einstimmiges Bekenntnis, aber in der Debatte zuvor hatte der Gemeinderat viele Fragen und Vorschläge:

Erik Wischmann, FDP: Wir brauchen eine schnelle Eingreiftruppe, die gerade an Wochenenden bei Staus den Verkehr lenken kann.

Reinhold Eichhorn, FWG: Wir sollten an Auswärtige denken und übers Radio auf Staus aufmerksam machen.

Thomas Kienle, CDU: Wir lernen daraus, Großprojekte sind möglich. Aber wir müssen für knifflige Fälle wie eine Linie 3 die Kosten höher ansetzen.

Denise Niggemeier, Grüne: Am Kuhberg brauchen wir einen barrierefreien Zugang.

Doris Kühne, SPD: Die gesamte Stadt steht hinter dem Projekt!

OB Gunter Czisch: Nicht, dass das ein Plädoyer für noch mehr Baustellen ist.