Es ging nichts mehr im gesamten Netz der Straßenbahnlinien 1 und 2 am Dienstagabend und das von 19 bis 23 Uhr. Das komplette Stromnetz musste abgeschaltet werden, um am heiklen Knotenpunkt der beiden Straßenbahnlinien in der Olgastraße die Oberleitung reparieren zu können. Und weil der Schienenersatzverkehr, also die Busse dann schon mal unterwegs waren, fuhren sie weiter bis zum Betriebsschluss nachts um 1.30 Uhr. „Ab Mittwoch in aller Frühe fuhren alle Straßenbahnen wieder“, sagte Sebastian Koch, Pressesprecher der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU), gestern auf Anfrage.

Die Ursache für den Totalausfall war, dass sich gegen 18 Uhr über einem Straßenbahnwagen der Linie 1 in der Olgastraße der Stromabnehmer mit der Oberleitung verhakt hatte und in Folge der Stromabnehmer abriss. Dies war bereits bei einer Testfahrt der Linie 2 Ende November auf dem Oberen Eselsberg passiert.

Das Malheur an der Oberleitung im Bereich vor dem Theater habe aber nichts mit dem Unfall zu tun gehabt, der kurz zuvor an derselben Stelle passiert war, betont Koch. Als der Stromabnehmer abriss, waren bereits der beschädigte Wagen der Linie 2 und das fahruntüchtige Auto beiseite geschafft worden. Wie berichtet war gegen 17.30 Uhr ein 50-jähriger Autofahrer in der Olgastraße unterwegs gewesen. Er hatte laut Polizei bei Rot an der Ampel auf Höhe Neutorstraße gehalten. Als er Grün bekam, wendete er, obwohl ein Schild darauf hinweist, dass ein Turn dort verboten ist. Dabei prallte sein VW gegen die Straßenbahn der Linie 2, die gerade von der Neutorstraße in die Olgastraße abbog. Die Fahrgäste in der Bahn blieben unverletzt, der 61-jährige Straßenbahnfahrer trug leichte Blessuren davon. Der VW musste abgeschleppt werden.

Seit Inbetriebnahme der Linie 2 am 9. Dezember war dies bei weitem nicht der erste Unfall und vor allem Ausfall der Tram. Worauf führen die Stadtwerke Verkehr diese Häufung zurück? Koch: „Unser Straßenbahnnetz hat sich seither verdoppelt und das erhöht nun mal die potenzielle Unfallgefahr.“ Hinzu komme, dass die Autofahrer sich noch nicht an die neue Verkehrssituation gewöhnt haben oder sich verkehrswidrig verhalten – wie der 50-Jährige am Dienstagabend. Weil mindestens vier Autofahrer in den sechs Wochen ins Gleisbett der Linie 2 gefahren und stecken geblieben sind, haben die SWU an einigen neuralgischen Punkten wie in der Römerstraße und am Mähringer Weg rotweiße Warnpflöcke aufgestellt.

Frage zum Schienenersatzverkehr: Hat die SWU bei solchen Totalausfällen genug Busse und Fahrer? „Wir haben am Dienstagabend die Fahrer der stehenden Trams eingesammelt, zum Betriebshof in der Weststadt gefahren, ihnen neue Fahrpläne in die Hand gedrückt und mit den Bussen losgeschickt“, berichtet Koch. Aber so ein Einsatz könne die ausfallende Tram nicht 1 : 1 ersetzen. „So viele Busse haben wir nicht vorrätig.“ Und man müsse dabei noch die Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer bedenken. Bei einem geplanten Ersatzverkehr etwa infolge einer Baustelle oder Straßensperrung könne man dagegen ganz anders agieren.

Falls an einer Tramhaltestelle kein Fahrscheinautomat steht oder er defekt ist, wo soll der Fahrgast im Ersatzbus seinen Fahrschein kaufen? Beim Fahrer, sagt Koch. Aber: Es könne sein, dass in so einem Bus „im Eifer des Gefechts“ die entsprechenden Module zur Abrechnung nicht bereit stehen und der Busfahrer deshalb das Geld ablehnt. Dann solle man ihm Bescheid geben, dass man keinen Fahrschein hat. Somit sei der Fahrgast abgesichert.

Zwei Tramhaltestellen kann der Bus nicht anfahren


Ausnahmen Eine Ulmerin, die nicht gut zu Fuß ist, hat bemängelt, dass die Straßenbahnhaltestelle „Martin-Luther-Kirche“ in der Beyerstraße nicht vom Ersatzbus angefahren wird. Das stimmt, sagt SWU-Pressesprecher Sebastian Koch. Dort und an der Haltestelle „Alfred-Delp-Weg“ in Böfingen kann der Bus nicht auf dem Schotterbett halten. Aber dort stehe auf einem Schild angeschrieben, wo sich jeweils der nächste Bushalt befindet.