Sie lagen damit nicht nur musikalisch goldrichtig. Natürlich gehört zum Leben ein klein wenig mehr, aber wichtig ist sie schon, diese Liebe. Wir alle lieben etwas. Die Partnerin oder den Partner, die Familie, unsere Freunde, unsere Tiere, den Job oder Hobbys. Wenn es um das Thema Liebe geht, denken wir allerdings vermutlich nicht als erstes an Ulm und Neu-Ulm. Die Doppelstadt hat aber durchaus ihre romantischen Seiten, Orte und Geschichten.

Ein paar Paare aus der Doppelstadt

Wer an Liebespaare denkt, hat vermutlich direkt einige berühmte Vertreter vor Augen. Seien es Romeo und Julia, Barack und Michelle Obama oder Elton John und David Furnish. Auch in Ulm und Neu-Ulm gibt es einige Paare, die ihre Spuren hinterlassen haben, zum Beispiel Edwin Scharff und seine Frau Helene Ritscher. Der 1887 in Neu-Ulm geborene Edwin Scharff verschrieb sich schon früh der Kunst. Das erkannte auch seine Mutter und ermöglichte ihm ein Kunststudium in München. 1919 heiratete Scharff die junge Schauspielerin Helene Ritscher, die ihm mehrfach als Muse diente. Ihre jüdische Abstammung wurde dem Paar im Dritten Reich zum Problem. Scharff verlor seine Berliner Professur, wurde nach Düsseldorf zwangsversetzt und erhielt schließlich ein Arbeitsverbot. In Neu-Ulm selbst haben die beiden überraschenderweise nie gelebt, aber mit dem Edwin-Scharff-Museum dennoch ihre Spuren hinterlassen.
Ein Ulmer Paar, das sich ebenfalls mit Kunst auskannte, waren Inge Scholl und Otl Aicher. Inge Scholl war die älteste Schwester von Hans und Sophie Scholl. Ihr ist es nicht nur zu verdanken, dass die Weiße Rose nicht in Vergessenheit geriet, gemeinsam mit Otl Aicher tat sie sehr viel für Ulm. Geheiratet haben Inge und Otl 1952 – wenige Monate nach dem Erscheinen von Inge Scholls Buch „Die weiße Rose“. Doch nicht erst mit der Heirat waren die beiden ein Paar, das sich gegenseitig stärkte und unterstützte. So hatte Otl Aicher Inge Scholl die Gründung der Ulmer Volkshochschule vorgeschlagen. Inge Scholl verwirklichte die Idee 1946, wurde deren Gründerin und leitete sie bis 1974. Das Paar hatte weitere Ideen und gemeinsam mit Max Bill wurde 1953 die Hochschule für Gestaltung Ulm (HfG) gegründet. Als Otl Aicher 1991 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, schrieb Inge Scholl: „Der Freund meines Lebens hat mich verlassen.“
Siyou Isabelle Ngnoubamdjum und Hellmut Hattler sind ein Paar, das noch mittendrin ist im „Spuren hinterlassen“. Obwohl beide Vollblutmusiker und Künstler sind und in Ulm leben, haben sie sich nicht über die Kunst, sondern über die Politik kennengelernt. Beide waren 1999 auf der Liste der Grünen zur Gemeinderatswahl in Ulm. Die politische Laufbahn haben sie langfristig zwar nicht eingeschlagen, aber sie sind zu einem Paar geworden. Ein Paar, das nicht nur die Liebe zur Musik verbindet.Neben ihrer gemeinsamen Band Siyou‘n‘Hell, widmen sie sich auch eigenen Projekten. Die Musik ist ihre Art der Kommunikation und gibt beiden auch als Paar Inspiration und Kraft. Diese haben sie vor vier Jahren, als Hellmut Hattler lebensbedrohlich erkrankte, dringend gebraucht. Gemeinsam haben sie diesen Tiefpunkt gemeistert.Die Liste der Liebespaare ließe sich selbstverständlich noch weiterführen. Ob mit dem ehemaligen Theaterintendanten Andreas von Studnitz und Schauspielerin Tini Prüfert, die ihre Beziehung allerdings lieber privat halten, ob mit Uli Hoeneß, der mit Ehefrau Susi seit Schulsprechertagen gemeinsam durch Höhen und Tiefen geht, oder Oberbürgermeister a. D. Ivo Gönner, der mit der Journalistin Susanne Schwarzkopf-Gönner seit Jahrzehnten verheiratet ist. In Ulm und Neu-Ulm lässt es sich eben nicht nur gut leben, sondern auch lieben.

Je t’aimean der Donau

Wer an romantische Orte denkt, hat vermutlich am ehesten so etwas wie den Eiffelturm bei Nacht oder „Le mur des je t’aime“, die „Ich-liebe-dich-Mauer“ im Bezirk Montmatre vor Augen. Die Doppelstadt mag vielleicht nicht den gleichen Stellenwert haben wie Paris, aber trotzdem können wir in Sachen Liebe und Romantik ein paar Wörtchen mitreden.Wer in Ulm mit dem/der Liebsten hoch hinaus will, der kann das nicht nur auf dem Münster, sondern auch auf dem Michelsberg. Zur Wilhelmsburg gehört nämlich der König-Wilhelm-Aussichtsturm, der in der Stadt auch liebevoll „Rapunzelturm“ genannt wird. Saskia Kugler mag den 16 Meter hohen Turm ganz besonders, denn ihr Mann hat ihr hier einen Heiratsantrag gemacht. „Wir waren spazieren und er wollte unbedingt auf den Turm steigen. Wer den Turm kennt, weiß, dass der innen oft ziemlich eklig ist. Da liegt allerhand Müll rum und es stinkt. Aber der Ausblick über Ulm entschädigt dann wieder“, erzählt die junge Frau lächelnd. Thomas, ihr Mann fügt hinzu: „Meine Idee war, dass der Turm so ein bisschen die Ehe symbolisieren soll. In guten wie in schlechten Zeiten. Ich finde die Idee eigentlich immer noch ganz gut.“ Saskia und Thomas sind seit zwei Jahren glücklich verheiratet und steigen immer noch regelmäßig auf den König-Wilhelm-Aussichtsturm. Eine ebenfalls hübsche Location für einen Heiratsantrag oder auch nur, um Hand in Hand durchzuschlendern, ist der Rosengarten. Direkt an der Donau zwischen Herd- und Gänstorbrücke ist es hier vor allem im Frühling und Sommer ganz besonders romantisch. Über 200 verschiedene Rosenarten, die teilweise auch mit der Stadtgeschichte zu tun haben, sind hier angepflanzt, darunter die Sophie-Scholl- oder die Ulmer-Münster-Rose. Alle, die es eher abgeschieden mögen, sollten einen Ausflug zur Gerd-Walter-Linde in Betracht ziehen. Der „einsame Baum“ auf dem Hochsträß ist nicht nur ein herrlicher Ort für ein Picknick, sondern hat auch eine schöne Geschichte: 1950 pflanzte Gerd Walter den Baum, nachdem er aus dem Krieg zurückgekehrt war. Er kaufte den Jungbaum mit den 1949 neu herausgegebenen 50-Pfennig-Münzen, auf denen eine kniende Frau dargestellt ist, die einen Baum pflanzt. Ein Symbol für den Wiederaufbau des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg. Für Romantik sorgt nicht nur die Ruhe auf dem Hochsträß, sondern auch die Aussicht auf das Donautal. Gerade in der Abenddämmerung ist der Anblick sehr hübsch und dann fällt es auch nicht mehr so sehr ins Gewicht, dass man hier auf ein Industriegebiet schaut.

Liebesschlösser gelten als Zeichen ewiger Verbundenheit. Wer selbst eins aufhängen möchte, muss dazu nicht weit fahren. In Ulm und Neu-Ulm gibt es verschiedene Orte, an denen sie angebracht werden. Sowohl am Rapunzelturm und am Ulmer Rathaus als auch auf der Neu-Ulmer Seite am Jahnufer und an der Eisenbahnbrücke am Ulmer Ruderclub. Petra Schilling und ihre Freundin sind Fans der Schlösser. „Auch, wenn die Schlösser nicht wirklich für immer hängen bleiben, finde ich, dass das trotzdem eine total süße Art ist, um ‚Ich liebe dich‘ zu sagen“, meint Petra. Und tatsächlich werden die Schlösser, gerade an der Eisenbahn, nach einigen Monaten wieder entfernt. Die Pressestelle der Stadt Ulm sagt dazu: „Durch die Schlösser wird die Lackierung beschädigt. Dies führt mit der Zeit dazu, dass die Geländer rosten. “ Es muss also klar sein, dass die Symbole der ewigen Liebe nur ein paar Monate hängen bleiben. Petra Schilling ist das aber egal. „Es muss ja nicht bei dem einen Schloss bleiben. Dann hängt man einfach wieder ein neues hin und freut sich wieder,“ sagt sie grinsend.Wer in der Doppelstadt nun aber einfach keine Romantik findet, muss möglicherweise doch nach Paris. Da trifft es sich gut, dass vom Ulmer Hauptbahnhof täglich Züge in die französische Hauptstadt fahren. Das Ganze dauert etwa fünf Stunden und ist erstaunlich erschwinglich. Man möchte fast sagen: Ulm ist vielleicht nicht Paris, aber verdammt nah dran.

Kennenlernen in Zeiten von Corona

Zurzeit ist es gar nicht so einfach, neue Leute kennenzulernen. Die meisten Orte, an denen ein erster Kontakt oftmals stattfindet, sind geschlossen. Social Distancing und das Tragen von Masken machen die Sache auch nicht einfacher. Gut, dass wir in einer Zeit leben, in der es Alternativen gibt. Auch wenn es für viele immer noch etwas gewöhnungsbedürftig ist: Freundschaften können online gefunden und gepflegt werden. Hierfür gibt es mittlerweile zahlreiche Apps und Plattformen, wie z.B. die Freizeit-Community „Spontacts“ oder „DogCha!“, eine App fürs gemeinsame Gassigehen.Aber auch diverse Internetforen oder Face­book-Gruppen bringen Menschen mit ähnlichen Interessen zusammen. Laura Reifscheider hat einen Teil ihres Freundeskreises online kennengelernt. „Wir sind alle im gleichen Film-Forum angemeldet und haben über die Jahre immer wieder Diskussionen geführt und uns auch gestritten“, lacht die Neu-Ulmerin und erzählt weiter: „Irgendwann haben wir untereinander auch angefangen, uns privat zu schreiben. Aber erst im letzten Jahr sind wir dann dazu übergegangen auch mal Zoom-Meetings abzuhalten. Mittlerweile treffen wir uns mindestens alle zwei Wochen zum Quatschen oder zu einem Spieleabend.“ Für ihre digitalen Treffen nutzt die Gruppe den „Tabletop Simulator“, der es den Teilnehmenden ermöglicht, unterschiedliche Brettspiele online zu spielen. Auch Filmabende führt die Gruppe durch, denn einige Streamingdienste bieten mittlerweile die Möglichkeit, Filme gemeinsam anzuschauen. „Das hat schon was. Man schaut zusammen, aber wird trotzdem nicht abgelenkt, weil jemand redet oder kurz den Raum verlässt. Klar, manchmal schreiben wir uns nebenher auch kurze Kommentare, aber im Normalfall schaut man in Ruhe. Im Anschluss tauschen wir uns dann per Videoanruf darüber aus“, erzählt die Filmliebhaberin.Natürlich ersetzen digitale Spiele- oder Film­abende, Videoanrufe oder andere Online-Veranstaltungen nicht den echten, persönlichen Kontakt. Zum einen können dadurch aber große Distanzen einfach überbrückt werden und zum anderen sorgt es in Zeiten wie diesen dafür, dass Freundschaften aufrechterhalten werden bzw. neue geschlossen werden können.