Erinnerung Stolpersteine in Neu-Ulm

Die Stadt Neu-Ulm möchte mit Stolpersteinen, wie hier in Ulm, an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.
Die Stadt Neu-Ulm möchte mit Stolpersteinen, wie hier in Ulm, an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Neu-Ulm. / EDWIN RUSCHITZKA 16.07.2015
Nach Ulm wird sich jetzt auch die Stadt Neu-Ulm am Projekt „Stolpersteine“ beteiligen. Damit wird an zehn von den Nazis ermordete Juden erinnert.
Es ist eine Aktion des Kölner Künstlers Gunter Demnig, der mit seinem Projekt Stolpersteine an die vielen Opfer des Nationalsozialismus erinnern will. Mehr als 50 000 kleine Betonquader mit einer Messingplatte, auf der die Namen sowie Geburts- und Sterbedaten stehen, hat er in ganz Europa verlegt. Ende Mai war in Ulm zugange, am 14. September wird er nach Neu-Ulm kommen und dann zum zweiten Mal auch nach Ulm.

Auf Antrag der FDP hat die Verwaltung zehn in Neu-Ulm lebende Juden ermittelt, die in den 40er Jahren das gleiche Schicksal teilten: Sie wurden in den Konzentrationslagern Auschwitz oder Theresienstadt ermordet, sie starben im Ghetto von Lodz oder ihre Spur verliert sich in Polen. Am Dienstag hat der Ausschuss für Bildung, Familie und Kultur die 1000 für Straßenarbeiten notwendigen Euro bereit gestellt.

Da ist zum Beispiel Alfred Neuburger, 1883 geboren und Rechtsanwalt in Neu-Ulm, der zuerst in Schutzhaft nach Dachau kam, 1944 dann in Auschwitz ermordet wurde. Oder der Hopfenhändler Siegmund Liebermann, geboren 1857, der 1942 an Hungertyphus in Theresienstadt starb. Jakob und Regina Karnowiski, geboren 1880 und 1884 in Polen, lebten lange in Neu-Ulm, betrieben dort ein Zigarrengeschäft. 1938 wurden sie wieder nach Polen abgeschoben und starben dann 1942 im Ghetto von Lodz (Litzmannstadt). Auch sechs Mitglieder der Familie Bissinger sind darunter, deren Biografien nicht vollständig zu ermitteln waren. Wie überhaupt alle Lebensläufe nur in mühsamer Recherchekleinarbeit zu ermitteln waren, wie Mareike Kuch in der Sitzungsvorlage geschrieben hat.

Wenn der Künstler Gunter Demnig am Montag, 14. September, die zehn Stolpersteine in Neu-Ulm verlegen wird, in der Augsburger-, Bahnhof-, Schützen- und Beethovenstraße (Offenhausen), werden auch Schüler der Christoph-Probst-Realschule und der Inge-Aicher-Scholl-Realschule mit Wortbeiträgen dabei sein, die die Biografien mit recherchiert haben.

Der Kostenaufwand für die Stolpersteine ist gering: 120 Euro pro Exemplar, ohne Straßenarbeiten. Die ersten zehn Neu-Ulmer Steine werde allesamt von Neu-Ulmer Stadträten finanziert. Die sechs Steine der Familie Bissinger übernimmt SPD-Stadtrat Ulrich Seitz. Einen Stolperstein wird die FDP finanzieren, die Grünen haben angekündigt, vier Steine bezahlen zu wollen. Und wenn noch Bedarf vorhanden ist, hat Rudolf Erne für die SPD angekündigt, die Vermittlungen zu übernehmen. Weitere Steine sollen 2016 verlegt werden. Alle müssen übrigens aus privaten Mitteln bezahlt werden, das Fraktionsgeld darf dafür nicht ausgegeben werden, hieß es am Rand der Sitzung.

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