Ulm Sterne für die Ulmer Knast-Küche

Nach Gourmet-Essen sieht es nicht aus, Häftling »Charles Bronson« verteilt dennoch drei Sterne.
Nach Gourmet-Essen sieht es nicht aus, Häftling »Charles Bronson« verteilt dennoch drei Sterne. © Foto: Peter Lindau
Ulm / HANS-ULI MAYER 12.12.2013
Ein spezieller „Hotelführer“ bewertet die Gefängnisse in Deutschland. Charles Bronson gibt dem Ulmer Knast drei Sterne für gutes Essen.

Sterne sind für gewöhnlich die Zeichen, die für Güte und Qualität stehen und nach denen auch Preise bemessen werden. Das gilt in Speiserestaurants und für Hotels und ist auch bei Gefängnissen nicht viel anders, wenngleich dort Kost und Logis frei Haus sind.

Im Internet gibt es unter der Adresse „knast.net“ eine Seite, auf der Gefangene, Bedienstete und Angehörige das Gefängnis ihrer Wahl bewerten können. Bis zu fünf Sterne können vergeben werden, wobei es keine objektiven Kriterien gibt, die vielmehr frei wählbar sind. Für den Ulmer Gefängnisleiter Ulrich Schiefelbein ist die Rangfolge denn auch ohne Belang, beschäftigen will er sich damit jedenfalls nicht: „Da gebe ich gar nichts drauf.“

Sollte er aber, denn mit Charles Bronson hat er einen berühmten Insassen. Wer auch immer sich hinter dem Pseudonym verbirgt, der Gefangene Bronson gibt dem Ulmer Knast an der Talfinger Straße drei Sterne, „weil das Essen ok ist und es gute Freizeitmöglichkeiten gibt“. 18 Monate hat er hinter Ulmer Gardinen verbracht und dabei keinerlei körperliche Gewalt erlitten, wie er auf der Internetseite schreibt.

„Hotelführer“ heißt diese Plattform, die von einem aus dem Allgäu stammenden Software-Entwickler betrieben wird. Wie subjektiv die Aussagen sind, zeigt der Eintrag von „Mona“, dessen Freund seit vier Monaten in Ulm auf Staatskosten verbringt und das Essen „unter aller Sau“ findet – ganz anders als „Bronson“, dem die schwäbische Küche durchaus zu munden scheint.

Ganz zufrieden ist auch eine Frau „Ziegler“, deren Mann sechs Wochen in Stammheim saß, wofür sie fünf Stern minus vergeben will. Das Gefängnis in Ulm hingegen sei super, schreibt sie, ihren Mann jedenfalls wisse sie dort gut aufgehoben. Einzig die Post brauche ewig, moniert das Anonym „Susi“.

Im Einzelnen bekommt der Knast an Talfinger Straße zwei Sterne von den Angehörigen und drei Sterne von den Gefangenen. Die U-Haft am Frauengraben bekommt drei Sterne von den Angehörigen und drei Sterne von den Gefangenen. Die dort Bediensteten geben ihrem Arbeitsplatz nur einen Stern, was nicht zuletzt auf sie selbst zurückfällt.