Unterricht Stephan Kalhamer lockert den Mathe-Unterricht auf

Ulm / BEATE STORZ 21.11.2015
Diese Mathestunde hätte für die Adalbert-Stifter-Schülern ewig dauern können, denn diese Mathestunde machte richtig Spaß. Die Schüler konnten gegen einen Pokerweltmeister gewinnen.

Am Pokerface müssen die Schüler der Adalbert-Stifter-Gemeinschaftschule noch arbeiten. Sobald sie eine für sich günstige Karte gezogen hatten, war das Gejubel groß und ihr Gegner wusste Bescheid. Der Gegner der Kinder: der Pokerweltmeister Stephan Kalhamer (39) aus Regensburg. Trotzdem haben sich sie Schüler wacker gegen geschlagen und hatten dabei sichtlich viel Spaß. Der Pausengong kam ihnen eher ungelegen. Doch jedes Spiel hat ein Ende, auch ein Pokerspiel, und zum Schluss verteilte Kalhamer noch Autogrammkarten.

Ein echter Weltmeister war noch nie zu Besuch an der Adalbert-Stifter-Gemeinschaftsschule am Eselsberg. Kalhamer gewann mit seinem Team vor genau vier Jahren die Pokerweltmeisterschaft in London. Sein goldener Pokal, den er im Musiksaal platzierte, machte bei den rund 150 Schulkindern großen Eindruck. Als Kind habe er noch gar nicht ans Pokern gedacht, er hat gerne Schafkopf gespielt, erzählte er. Kalhamer hat Mathematik in Regensburg und Boston/USA studiert. Poker spielt er seit etwa 20 Jahren. Er ist für den deutschen Poker-Sportbund aktiv, außerdem gibt er Workshops und Vorträge zum Thema.

„Ich gehe an die Schulen, damit die Schüler schon frühzeitig mitbekommen, dass Mathematik Sinn ergibt. Was wäre unsere digitalisierte Welt ohne Mathematik?“ Kalhamer machte sein Hobby zum Beruf. Er hält oft Vorträge vor Grundschulkindern, war an der Hochschule Neu-Ulm und bei den Ratiopharm-Basketballern zu Gast. Er erklärte den Kindern, dass mit zunehmendem Alter immer mehr Entscheidungen auf sie zukommen, und dass Pokerspielen Entscheidung und Abwägung bedeutet. Sie sollen dem Gegner nicht zeigen, ob sie ein gutes oder ein schlechtes Blatt haben, diesen allerdings durchschauen und sein Handeln vorhersehen.

Mit einer leichten Aufgabe ging es los. Die Kinder sollten erraten, welche Karte er als nächstes ziehen wird. Er hatte die Neun gezogen und es gab nur Karten von Zwei bis Zehn. Fast alle Kinder entschieden sich, dass die nächste Karte eher kleiner sein sollte. Kalhamer erklärte die Wahrscheinlichkeit, dass eine niedrigere Zahl als nächste kommen müsse, denn davon gebe es ja viel mehr Karten.

Nach dieser Vorrunde durften die Kinder gegen den Pokerweltmeister spielen, ein Kind jeweils stellvertretend für alle anderen. Hier zeigte sich, dass Grundschulkinder sich zwar sehr schwer tun, ihre Gefühle zu verbergen. Aber ihr logisches Denken ist stark ausgeprägt. Die Schüler begriffen das Spiel schnell und waren an den Karten und Regeln sehr interessiert. Viele wollten wissen, ob Kalhamer viel Geld mit Pokern verdient. „Man kann Geld gewinnen, aber auch verlieren. Man kann nicht einfach mit Poker anfangen und glauben, dass man nur gewinnt. Egal was man tut, wenn man Erfolg haben will, muss man etwas leisten.“

Er appellierte an die Kinder, nicht irgendwelchen, unerfüllbaren Träumen hinterher zu jagen. „Konzentriert euch lieber auf die Sachen, die ihr gut könnt und macht, was euch Spaß macht. Es kann nicht jeder Profifußballer oder Profipokerspieler werden.“

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