Nachdem der Sozialplan bei Arzneimittelhersteller Teva-Ratio­pharm inzwischen in Kraft ist, läuft der im Dezember verkündete, umfangreiche Personalabbau des israelischen Konzerns auch in Ulm an. Es geht vor allem um Frührente und freiwilliges Ausscheiden über Abfindungen. Teva will an den deutschen Standorten Ulm/Blaubeuren und Berlin etwa zehn Prozent von rund 2700 Arbeitsplätzen abbauen. Weltweit lautet das Ziel 25 Prozent (wir berichteten). Konzernweit fallen demnach 14 000 Stellen weg. Angesichts der schwierigen Finanzlage nach der teuren Übernahme des Generikaherstellers Actavis sollen bis 2019 jährliche Einsparungen in Höhe von drei Milliarden US-Dollar erzielt werden.

Bei Ratiopharm sind jedenfalls die Gespräche zwischen Personalabteilung und in Frage kommenden Mitarbeitern angelaufen. Es bleibt aber unklar, wie viele Beschäftigte sozialverträglich gehen und ob die Firma womöglich noch Kündigungen ausspricht, um das Sparziel zu erreichen. Details stehen nach den Worten von Sprecher Markus Braun erst Ende April fest. Er macht aber Hoffnung: Beim im März 2017 verkündeten Abbau, der auch schon im Kontext der Actavis-Übernahme stand, war zwar mit fast 100 Kündigungen gerechnet worden.

Standort Berlin vor Auflösung

Letztlich sei es aber nach guter Annahme von Abfindungen und Alterslösungen eine „sehr geringe Zahl“ gewesen, sagte Braun. Dabei spiele nicht zuletzt eine Rolle, dass der regionale Arbeitsmarkt besonders aufnahmefähig sei und die Ratiopharm-Mitarbeiter eine gute Ausbildung hätten.

Fest steht auf alle Fälle, dass der Standort Berlin mit seinem Fokus auf eigenentwickelte Medikamente – im Gegensatz zu Generika mit kopierten Wirkstoffen – nach Ulm umzieht, und zwar bis 1. Juli. Auf diese Weise kommen, ebenfalls nach einem derzeit laufenden Abbau, voraussichtlich 80 Mitarbeiter nach Ulm. Für den Teva-Standort Berlin gibt es einen extra Sozialplan. Ausgenommen von den Abbauplänen bleibt definitiv die Produktion von Medikamenten in Ulm und Blaubeuren-Weiler, wo Teva das Personal um 30 Stellen aufbauen will, was erst zu zwei Dritteln gelungen ist. Außerdem stellt das Unternehmen weitere Fachkräfte für die neue Biotech-Anlage „Genesis“ ein. Dort sollen im Endausbau 300 Wissenschaftler arbeiten. Dazu Braun: „Es sind schon um die 100.“ Allein im laufenden Jahr investiert Teva demnach 200 Millionen Euro in das Vorzeigeprojekt innerhalb des ausgedehnten Werks an der Graf-Arco-Straße im Industriegebiet Donautal.

Vom Abbau sind vorerst freilich auch die Forschungsabteilungen betroffen. Es bleibt unklar, ob Mitarbeiter direkt zu Biotech wechseln können. Im Zuge der Fusion mit Actavis wurden auch Servicecenter im billigeren Ausland geschaffen, beispielsweise für Informationstechnologie (IT), wodurch Arbeitsplätze in Ulm verlorengehen. Der neue Vorstandschef Kare Schultz hatte zum Jahresende eine umfassende Restrukturierung verkündet, bei der auch die Sparten für innovative Medikamente und Generika vereinheitlicht werden sollen.