Insolvenz Steinle-Pleite treibt die Wohnungskäufer um

Auch der Saalbau in Pfuhl ruht. Die Käufer der acht Wohnungen dort haben sich einen Anwalt genommen. Sie sorgen sich um ihre ersten Ratenzahlungen und den Verlust des Geldes.
Auch der Saalbau in Pfuhl ruht. Die Käufer der acht Wohnungen dort haben sich einen Anwalt genommen. Sie sorgen sich um ihre ersten Ratenzahlungen und den Verlust des Geldes. © Foto: Volkmar Könneke
Neu-Ulm / Edwin Ruschitzka 03.07.2018
Bis Ende Juli wird entschieden, ob gegen das Wohnbau-Unternehmen das Insolvenzverfahren eröffnet wird.

Im Büro des Wohnbauunternehmens Steinle in Neu-Ulm ist nur der Anrufbeantworter eingeschaltet: Leider könne man das Anliegen nicht persönlich entgegen nehmen. Wer aber die Telefonnummer hinterlassen würde, so verspricht die freundliche Frauenstimme, der werde zurückgerufen. Von wegen. Seitdem Günter Steinle über seine Anwälte vor 14 Tagen die Insolvenz seines 45 Jahre alten Unternehmens angemeldet hat, ist er nicht zu sprechen. Nicht für seine Geschäftspartner, nicht für diejenigen, die von Steinle eine Wohnung in seinen jüngsten Projekten in Neu-Ulm gekauft haben.

Wie berichtet, wurden die Bauaktivitäten im Gebäude von Betten-Renftle am Petrusplatz und im Saalbau in Pfuhl eingestellt. Im entkernten Renftle-Altbau wollte Steinle 13 Wohnungen und eine Ladenzeile einrichten, im Pfuhler Saalbau weitere acht Wohnungen. Doch seit Steinle seine beauftragten Baufirmen nicht mehr bezahlt, haben diese die Bauaktivitäten eingestellt. Material und Maschinen werden abgezogen. Die Baustellen ruhen.

Die Sorgen der Käufer

Das treibt vor allem jenen tiefe Sorgenfalten auf die Stirn, die Steinle schon die ersten Raten für ihre neue Wohnungen überwiesen haben, in der Hoffnung, ins neue Eigenheim bald einziehen zu können. Ob und wann das geschieht, steht derzeit in den Sternen. Kim Johnson, Vorort-Kollegin des bestellten Insolvenzverwalters Martin Hörmann aus dem Büro Anchor-Rechtsanwälte, ist noch am Sichten und Sortieren der Unterlagen. Bis Ende des Monats werde feststehen, ob das von Steinle beantragte Insolvenzverfahren überhaupt eröffnet wird. Dazu müssen die Gründe stichhaltig sein.

Und: Es muss auch genügend Geld vorhanden sein, um das Insolvenzverfahren finanzieren zu können. Fehle die finanzielle Masse, könne ein Insolvenzverfahren auch vom Gericht abgewiesen werden, sagt Johnson. Das gelte für jedes Insolvenzverfahren, habe mit Steinle zuerst einmal gar nichts zu tun.

Im besten Fall könnte es aber sein, dass ein Unternehmen gefunden wird, das die von Steinle begonnenen Projekte fortführt. Was dann mit dem bereits eingelegten Kapital der Wohnungskäufer geschieht, ist unklar. Kim Johnson: „Alle Beteiligten sind überrascht, mal schauen was wir alles herausfinden.“

Die Wohnungskäufer werden von solchen Aussichten wenig beruhigt sein. Einer davon, der namentlich noch nicht genannt werden will, hat für seine Tochter im Saalbau eine Wohnung gekauft, den Vertrag unterschrieben und – entsprechend dem Baufortschritt – auch erste Beträge an Steinle überwiesen. Ist mein Geld verloren, fragt er sich nun. „Ich weiß nicht, wie es weiter geht.“ Auf alle Fälle hat er die anderen sieben Käufer davon überzeugen können, dass sie sich alle zusammen von einem Anwalt vertreten lassen. Das Verfahren schwebe noch, der Anwalt habe deshalb um eine Zurückhaltung bezüglich öffentlicher Aussagen gebeten. Daran wolle er sich halten.

Auch im ehemaligen Gebäude von Renftle auf dem Petrusplatz sind alle 13 Wohnungen und das Geschäft verkauft. Martin Tentschert, einst klassischer Immobilienmakler und inzwischen auch Projektentwickler, hat für Steinle die Vermarktung übernommen. Eine klassische Makler-Tätigkeit also. Und Tentschert war sehr erfolgreich: Schon im Herbst vergangenen Jahres waren alle Wohnungen und das Ladengeschäft im sechsgeschossigen Gebäude samt und sonders verkauft.

Steinle plante noch Größeres

Steinle hatte noch zwei benachbarte Gebäude erwerben wollen, um insgesamt ein noch größeres Projekt zu verwirklichen. Das war ihm allerdings nicht gelungen. Steinle hatte sich zur Überraschung vieler auch nicht für einen Komplettabbruch entscheiden, wie bei seinen benachbarten Neubauten, sondern zum Entkernen und Aufstocken.

Die Wohnungen sind zwischen knapp 70 und knapp 190 Quadratmeter groß. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung sollte 2016 etwa 315 000 Euro kosten, die Loft-Wohnung 1,1 Millionen. Auch hier sind erste Ratenzahlungen geflossen. Martin Tentschert hatte sich in der vergangenen Woche entsetzt und ratlos gezeigt: „So etwas ist mir in 32 Jahren, in denen ich hier auf dem Markt bin, noch nicht passiert.“

Bislang vom Erfolg verwöhnt

Projekte Steinle zeigte sich in der Öffentlichkeit gerne als erfolgreicher Unternehmer, Sponsor und Kunstmäzen. 2013 feierte er das 40jährige Bestehen seines Unternehmens. Sein Sohn war bis vor drei Jahren im Unternehmen, dann stieg er aus. Günter Steinles Slogan lautete „Die Steinle Art – überall in Ulm“. Und natürlich auch in Neu-Ulm. Er war in Ulm auf dem Magirushof zugange, auch an der Heilmeyersteige, im Römerpark, auf dem Kreuz oder im Fischerviertel. In Neu-Ulm baute er anstelle des alten und abgerissenen Café Häberle ein Wohn- und Geschäftshaus, in das eine Apotheke und Arztpraxen eingezogen sind. Er sanierte den Altbestand in der Krankenhausstraße.

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