Fußballstadion Fußball-Arena für die Spatzen?

Donaustadion
Donaustadion © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Hans-Uli Mayer 12.08.2018

Ein paar Jahre war es relativ ruhig um den Ulmer Fußball, die Verantwortlichen hatten sich nach der dritten Insolvenz ihrer Vorgänger Demut auferlegt. Jetzt setzt dafür FWG-Stadtrat Reinhold Eichhorn nur eine Woche vor dem Pokalhit der Ulmer Spatzen gegen Titelverteidiger Eintracht Frankfurt zum Sturmlauf an und bringt die Idee eines reinen Fußballstadions in die kommunalpolitische Diskussion. Es soll mittel- bis langfristig neu gebaut werden.

Die Stadtverwaltung möge aber schon zum jetzigen Zeitpunkt einen Standort sichern, beantragt der Söflinger in einem auf neutralem Briefpapier  verfassten Schreiben an den OB. Dabei sei es derzeit unerheblich, schreibt Eichhorn weiter, wer das Stadion letztlich baue und wie das Vorhaben finanziert werde. Er greift damit ein Thema auf, das nicht ganz neu ist. Immer wieder kommt der Wunsch nach einer reinen Fußball-Arena auf, und mithin die Hoffnung, dass ein finanzstarker Investor gefunden werden kann.

Viel Freunde macht sich Eichhorn damit allerdings nicht. Zumindest nicht bei seinen Ratskollegen und auch nicht in der Stadtverwaltung. So hält der Leiter der Abteilung Bildung und Sport, Gerhard Semler, einen Neubau derzeit nicht für realisierbar. Außerdem sei es keine kommunale Aufgabe, ein Fußballstadion zu bauen. Kosten von realistischerweise 40 Millionen Euro und mehr seien dem „Steuerzahler nicht zu vermitteln“, sagt Semler.

Die Stadt setzt seinen Worten zufolge stattdessen eindeutig darauf, das Donaustadion als Leichtathletikstadion zu erhalten und aufzuwerten, wovon auch die Fußballer profitieren würden. Aber selbst eine neue Haupttribüne mit 5000 Sitzplätzen samt modernen Trainings- und Umkleideräumen koste etwa 20 Millionen Euro.

Eine Absage für Eichhorns Pläne kommt auch von SPD-Stadtrat und Landtagsabgeordnetem Martin Rivoir. Bevor man an ein reines Fußballstadion denken könne, solle der Verein erst einmal stabil und verlässlich einige Jahre in den oberen beiden Ligen spielen. So lange solle man den Ball flach halten. Auf lange Sicht bemühe er sich um die Wiederauflage eines Förderprogramms des Landes für überörtlich bedeutende Sportstätten. Auch Rivoir sieht den Fokus neuer Investitionen im Donaustadion eindeutig bei der Leichtathletik.

Thomas Kienle von der CDU sieht derzeit sowieso andere Themen auf der Tagesordnung. „Wir haben zuletzt viele Millionen Euro in den Sport gesteckt. Jetzt müssen wir uns um die Wissenschaftsstadt kümmern. Da geht es um Arbeitsplätze“, sagt der Fraktionsvorsitzende. Konkret hofft er, dass die Stadt das Gelände kaufen kann, das Daimler dort aufgibt, „das müssen wir uns sichern“. Auch er warnt vor allzu großer Euphorie im Fußball: „Jetzt haben sie mal zwei Spiele gewonnen. Und das in der vierten Liga.“

Spielklasse der Spatzen angemessen

Ganz ähnlich sieht die Sache Erik Wischmann von der FDP, der den Antrag als Steilvorlage im Sommerloch wertet und als vorgezogenen Wahlkampf bezeichnet. Ein reines Fußballstadion hält er für überhaupt nicht gegeben, zumal es ganz andere und weitaus wichtigere Aufgaben in der Stadt gebe. Und wenn es darum gehe, einen Standort zu sichern, wundert er sich, warum Eichhorn keinen Vorschlag macht. Schließlich kenne er den Flächennutzungsplan. Auch Sigrid Räkel-Rehner von den Grünen will den Vorschlag nicht ganz ernst nehmen. Das Stadion sei ein vielseitiger Veranstaltungsort und der aktuellen Spielklasse der Spatzen angemessen. Zwar drücken die Grünen die Daumen für einen schnellen Aufstieg, mahnen bei der Historie aber zu Bescheidenheit. Sollte der SSV Fußball erfolgreich sein, werde sich eine Lösung finden.

Die Geschichte des Ulmer Donaustadions

Historie Das Ulmer Donaustadion ist 1925 gebaut worden. 1952 wurde die Haupttribüne gebaut, 1999 die Gegentribüne. Es fasst aktuell 19 500 Zuschauer, für das Pokalspiel sind 18 440 zugelassen. Auf der Haupttribüne sind 1280 Sitzplätze, 3000 auf der Tribüne der Gegengeraden. Für die Saison in der 1. Bundesliga war die Kapazität mit Zusatztribünen auf 23 000 erhöht worden. Im Laufe der Jahre gab es immer wieder Diskussionen über Aus- und Umbau, am grundlegendsten war das Konzept eines Neubaus an alter Stelle mit dem Anbau einer großen Multifunktionshalle auf dem heutigen Hockeyplatz in Richtung Au.

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