Ulm Stefanie Dathe: Porträt einer "unverbesserlichen Optimistin"

Nicht nur ein Kultur-Paradies: das Museum Villa Rot.
Nicht nur ein Kultur-Paradies: das Museum Villa Rot. © Foto: Henry M. Linder
Ulm / JÜRGEN KANOLD 14.07.2016
Ein Porträt der neuen Ulmer Museumschefin Stefanie Dathe: Sie bezeichnet sich selbst als „unverbesserliche Optimistin“.

Ihre aktuelle, sehr spannende Ausstellung im Museum Villa Rot heißt „Lost Paradise  – Die Vertreibung aus dem Garten Eden“. Es geht darum, wie aktuelle Künstler sich mit den Naturkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima auseinandersetzen. Aber Stefanie Dathe empfindet den Titel jetzt vielleicht etwas anders. Nicht dass man sie aus dem Oberschwäbischen vertreiben würde, aus einem Idyll, das sie sich zunächst mal hart erarbeiten musste.

Diese Frau weiß sehr genau, was sie tut. Auch wenn sie sagt, dass man mit ihr viele Überraschungen erleben könne, es mit ihr als Museumsdirektorin einem nie langweilig werde. Hoffentlich. Aber die 48-Jährige hat den Ulmer Stadträten offen und sehr ehrlich ins Gesicht gesagt, dass sie auch gern dort bleiben könne, wo sie seit 2007 mit zunehmend überregionaler Anerkennung ein Museum, die Villa Rot, neu aufstellte. „Me, Myself and I“ war zuletzt eine tolle Themenausstellung gewesen über Selfies und Selbstdarstellung. Oder auch mit der „Fleischeslust“ zog sie die Besucher an.

„O Gott, Ulm!“ habe sie zunächst innerlich ausgerufen, als sie vor fünf Wochen gefragt worden sei, sich für den Job zu bewerben. Nein, das Ulmer Museum ist gewiss kein Paradies. Dass Stefanie Dathe trotzdem die Aufgabe annimmt – und sie hat gründlich recherchiert, Gespräche mit den Mitarbeitern geführt –, spricht für sie. Die Hölle ist das Ulmer Museum ja auch nicht.

Die Papierform stimmt sowieso: Die promovierte Kunsthistorikerin und zweifache Mutter, die mit ihrem Lebensgefährten, dem Bildhauer Willi Siber, im 100-Seelen-Dorf Dietenwengen bei Eberhardzell wohnt, hat in Galerien gearbeitet, eine private Schweizer Kunstsammlung mit aufgebaut und gleichermaßen vielerorts als Kuratorin gewirkt (2005 bis 2008 in der Städtischen Galerie Ravensburg).

Stefanie Dathe hat ausgesprochen viel Energie, bezeichnet sich als „unverbesserliche Optimistin“, sie besitze eine „große Hartmäckigkeit“, sie sei noch nie den geradlinigen Weg gegangen, werde magisch von Herausforderungen angezogen. Sie plage aber auch mit ihrem „Perfektionismus“ die Mitmenschen. Wahrscheinlich hätte man das nötige Profil einer neuen Leitung fürs Ulmer Museum nicht besser in die Stellenanzeige schreiben können.

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