Dicke Luft im Industriegebiet Donautal: Führende Firmen klagen über die Staus an den Zufahrten, durch die nicht nur Spediteure, sondern auch Mitarbeiter belastet würden. „Denn in unseren Firmen im Donautal sind rund 15.000 Personen beschäftigt“, heißt es in einem von 17 Großbetrieben an OB Gunter Czisch und Baubürgermeister Tim von Winning eingesandten Schreiben. Die Absender machen klar, dass insbesondere an der Abfahrt von der  autobahn-ähnlichen B 30 „mehrmalige tägliche Staus und gefährliche Situationen“ auftreten – vor allem, weil sich in Stoßzeiten die Fahrzeuge bis auf die vierspurige Schnellstraße zurückstauen. Gardena-Finanzchef Jochen Müller unterstützt auf Seiten des Husqvarna-Konzerns die Initiative. Es sei schon zu lange nichts passiert: „Eine Verbesserung der Erschließung darf aus Sicht der Unternehmen im Donautal nicht mehr aufgeschoben werden.“

Mittlerer Ring überlastet

Die Firmen bemängeln, dass ihnen schon vor drei Jahren Konzepte für eine Entspannung der Lage präsentiert worden seien: „Bis heute jedoch wurden keine Maßnahmen umgesetzt.“ In den Chefetagen besteht Sorge, dass im Zuge der weiteren Sanierung der Ulmer Stadtautobahn B 10 nochmal deutlich mehr Verkehr über den „Mittleren Ring“ mit der Wiblinger Allee und weiter über die Tangente mit dem Kurt-Schumacher-Ring abfließt. Darüber werde ein Großteil des Verkehrs aus Oberschwaben laufen: „Dies wird die verkehrlichen Kapazitäten im Donautal deutlich über die Leistungsfähigkeitsgrenze bringen.“ Es gehe nun vorrangig darum, an der Wiblinger Allee die Knotenpunkte mit Laup­heimer Straße/Kastbrücke und Hans-Lorenser-Straße auszubauen.

Diese Botschaft scheint im Rathaus angekommen zu sein. Czisch hat den Unterzeichnern im April geantwortet. Er wurde demnach auch schon von Betriebsräten auf das dringliche Thema angesprochen. „Der Handlungsbedarf ist nicht von der Hand zu weisen“, heißt es in seinem Brief. Allerdings müsse man angesichts der hohen Bautätigkeit im gesamten Stadtgebiet sensibel vorgehen.

Pläne für zweispurige Abfahrt

Baubürgermeister von Winning skizzierte nun die Vorgehensweise. So will die Stadt nach einer Debatte im Gemeinderat die Abfahrt der Wiblinger Allee in die Hans-Lorenser-Straße Richtung Seeberger zeitnah ausbauen. Der Startschuss für das Projekt könnte 2018 fallen. Die Abfahrt von Süden in die Hans-Lorenser-Straße soll zweispurig werden, um den Rückstau in Richtung B 30 abzubauen. Von Winning denkt außerdem darüber nach, die Wiblinger Allee im weiteren Verlauf nach Norden am Schlachthof vorbei zu ertüchtigen – wobei der Naturschutz zu berücksichtigen sei.

Überlegungen, das Industriegebiet auf einer anderen Achse besser zu erschließen, wurden nach von Winnings Worten wieder ad acta gelegt: vor allem, weil dadurch der Ortsteil Gögglingen/Donaustetten zu stark belastet würde. Der Baubürgermeister hält freilich an seinem Credo fest: Die Verkehrsinfrastruktur könne nicht so weit ausgebaut werden, dass sie alle Stoßzeiten bewältigt. Daher sollten die Beschäftigten im Donautal verstärkt den dortigen Bahnhalt nutzen oder Fahrgemeinschaften bilden.

In die Verantwortung des Regierungspräsidiums fällt der Knoten Kastbrücke. Das RP will die Situation dieses „Rampenfußknotens“ in Koordination mit der Stadt untersuchen. Die Probleme mit den Rückstaus seien bekannt. Daher könne tatsächlich ein Ausbau „in Betracht gezogen werden“. Der Ausbau an der Hans-Lorenser-Straße wird vom RP über das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz gefördert. Die Bauarbeiten, die mehrere Millionen Euro kosten werden, sollen an der Stelle bis 2019 dauern.

Chronische Schwachstellen an der Wiblinger Allee