Ulm Start frei für die Sedelhöfe: OB nimmt McDonald's aus der Schusslinie

Herzstück der Sedelhöfe wird der Einsteinplatz, zur Freude der Stadträte, zumal er in öffentlicher Hand bleibt.Simulation: DC Development/DC Values
Herzstück der Sedelhöfe wird der Einsteinplatz, zur Freude der Stadträte, zumal er in öffentlicher Hand bleibt.Simulation: DC Development/DC Values © Foto: DC Development/DC Values
JAKOB RESCH 15.07.2016
Closing - der Vertragsabschluss zwischen Stadt und Investor für die Sedelhöfe ist mit dem Ratsbeschluss nur noch Formsache. Jetzt kann es losgehen.

„Ich hoffe, dass wir uns Mitte 2019 zu einem schönen Einweihungsfest sehen.“ So machte OB Gunter Czisch am Mittwoch einen Knopf an eine zwischenzeitlich unerquickliche Geschichte: Das Projekt des Einkaufsviertels Sedelhöfe am Hauptbahnhof kann in Angriff genommen werden, da der Gemeinderat den Verträgen mit dem Investor einmütig zugestimmt hat (siehe Info-Kasten). Dem Wunsch des OB dürfte nichts entgegenstehen, sagte doch Lothar Schubert, Geschäftsführer des Investors DC Commercial/DC Values in der Ratssitzung: „Wir fühlen uns sehr wohl in dieser Stadt.“

Schubert legte aus seiner Erfahrung als Immobilienprojektentwickler mit Blick auf die Zusammenarbeit nach: „Kompliment an diese Stadt!“ Bis zur Baugenehmigung habe es nur zwei Jahre gedauert, und das trotz komplexer Verträge und der Rückkoppelung mit den politischen Gremien. Wie berichtet, überträgt die DC-Gruppe die Sedelhöfe später an die Aachener Grundvermögen, hinter der im Wesentlichen die Katholische Kirche steht. Darüber herrsche Einigkeit: „Das Paket lässt uns unsere Arbeit in Ruhe fertigmachen. Den Schlüssel übergeben wir am Ende, nachdem wir Ihnen den öffentlichen Platz, die Passage und die Tiefgarage übergeben haben.“

Czisch erinnerte an einen „nicht störungsfreien Weg“ zur Projektverwirklichung nach dem Scheitern der Partnerschaft mit MAB. Der Zeitverzug führte zu Schadensersatzforderungen von McDonald’s, die er für nachvollziehbar hält: „Es gibt an McDonald’s nichts zu kritisieren.“ Planänderungen machen außerdem einen neuen Mietvertrag mit der Burger-Kette nötig, das Risiko daraus trägt DC. Jetzt freut sich Czisch auf ein „schönes Stück Stadt“. Und Schubert malt „die Ablösung vom Konzept des Shopping-Centers in Fußgängerzonen“ hin zum Stadtquartier als Modell für Deutschland aus.

Und das Echo im Gemeinderat? Reinhold Eichhorn (FWG): „Ein hervorragendes Ergebnis.“ Thomas Kienle (CDU): „Die Zeit der Ungewissheit ist vorbei.“ Dorothee Kühne (SPD) hofft, dass der Endinvestor mit katholischem Hintergrund „hinter den Wohnungen stehen wird“ und findet, dass mit dem Einsteinplatz in der Mitte das Projekt „nicht austauschbar“ sei. Erik Wischmann (FDP) kündigt für die Bauzeit zwar schon mal „100 000 Stadt-, Verkehrsplaner und Architekten“ an, die es besser wissen, aber: „Die Beschwerden werden wir vom Gemeinderat aufnehmen.“ Den Grünen stinkt nach wie vor die dritte Ebene für die Tiefgarage, aber, so Annette Weinreich: „Wir schlucken diese Kröte.“

Die Verträge

Paket Das Vertragspaket zwischen Stadt Ulm sowie dem Investor DC Development/DC Values für die Sedelhöfe besteht aus zwei Teilen, wie Baubürgermeister Tim von Winning darlegt:

Liegenschaften  Das so genannte „Closing“ ist die Fortsetzung des Projektvertrags und betrifft den liegenschaftlichen Teil, also den Übergang des Grundstücks an den privaten Partner und den Kaufpreis dafür. Die Stadt bekommt demnach 27,5 Millionen Euro. „Wir können damit in etwa unseren Aufwand decken.“

Städtebau Im zweiten Vertrag geht es um städtebauliche Fragen, Schnittstellen, Fassaden- und Freiflächengestaltung, Nutzung. In den Sedelhöfen sollen 112 Wohnungen entstehen, ein Rückgang auf 70 ist möglich, falls wirtschaftliche Probleme nachgewiesen sind.