Ulm Starker Auftakt des Deutschen Orchesterwettbewerbs

Ulm / JÜRGEN KANOLD 02.05.2016
Mozart im Einsteinsaal und ein Lob der Amateurmusik: Die Sinfonietta eröffnete mit einem tollen Konzert den 9. Deutschen Orchesterwettbewerb.

Auf Postkarten und Filztaschen streckt Wolfgang Amadeus Mozart die Zunge raus. Ja, wie der olle Albert Einstein, der Ulmer: eine lustige Werbung des Hauptsponsors für den 9. Deutschen Orchesterwettbewerb. Und den eröffnete die Sinfonietta des Humboldt-Gymnasiums und der Ulmer Musikschule dann just im Einsteinsaal mit einem Werk von Mozart: mit der Ouvertüre zur „Zauberflöte“.

Aber es gab dann am Samstagabend zuvor noch eine ganz andere Ouvertüre: nämlich Grußworte. Oberbürgermeister Gunter Czisch hielt ein Loblied auf die Laienmusik, nur dass man mit diesem Wort gar nicht beschreibe könne, welche hohe Qualität da in dieser Woche in Ulm zu erleben sei. Jürgen Walter, Staatssekretär im baden-württembergischen Kunstministerium, korrigierte den OB dann allerdings philologisch: „Wir haben aus dem Laien- den Amateurbegriff gemacht.“ Das änderte allerdings nichts professionell an Walters Rede, in der der Grünen-Politiker vor allem die stolzen Statistiken des Musiklandes BW aufzählte.

Als Martin Maria Krüger, Präsident des Deutschen Musikrates, ans Mikrofon trat, war ihm zunächst der Ton abgedreht, was ihn nicht davon abhielt, launig den wahren Amateurbegriff zu definieren: „Ein Amateur ist jemand, der es sich leisten kann, nicht von der Musik leben zu müssen“. Ansonsten beeindruckte der souveräne Krüger das Publikum im gut besuchten CCU auch mit dem Blasmusikerspruch „Red’ kein Blech, spiel’s lieber.“

Das tat dann die Sinfonietta, die zudem mit einem prächtigen Streicher-Klang überzeugte. Nach eher ungeprobten Reden und sowieso „unplugged“ eröffnete das preisgekrönte Jugendsinfonieorchester den 9. Deutschen Orchesterwettbewerb, an dem bis kommenden Samstag rund 4500 Musikerinnen und Musiker teilnehmen werden. Die Sinfonietta unter Leitung von Christoph Kächele befindet sich im Umbruch, ist nur außer Konkurrenz am Start, demonstrierte aber unter Riesenbeifall ihr hohes Niveau.

Nach der beschwingten bis festlichen „Zauberflöten“-Ouvertüre zeigte Frank Dupree als Solist Mozarts Schabernack-Zunge. Jedenfalls spielte der 25-jährige Pianist mit der ihn fein begleitenden Sinfonietta locker, ohne Effekthascherei, mit sauberem Anschlag, nicht so tiefschürfend, sondern geradeaus und einfach mit viel Spaß das Klavierkonzert in D-Dur (KV 537). Jubel im Saal. Und eine coole Solo-Zugabe für die Jazz-Fraktion: ein Prelude George Gershwins.

Nach der Pause dann ein wahrer Kraftakt: die 1. Sinfonie von Johannes Brahms, packende 45 Minuten, musikalisch durchdacht, leidenschaftsvoll gespielt. Berührende Momente vor allem im 4. Satz. Dafür mobilisierte Christoph Kächele kurzfristig auch ältere Sinfonietta-Kräfte, darunter die herausragende Jessica Triebelhorn als Konzertmeisterin. Das Publikum war sich einig: Ein begeisternder, würdiger Ulmer Auftakt war das zum 9. Deutschen Orchesterwettbewerb. Und dann ging die Sinfonietta auch noch fremd in der Zugabe – und sang! „Waldesnacht“ von Johannes Brahms, wunderschön romantisch.

Musikalische Begegnung - eine durstige Angelegenheit

Bewirtung Am Sonntagmorgen starteten die Wettbewerbe: an fünf Orten. Tausende Musikerinnen und Musiker kommen nach Ulm und auch viele Zuhörer – und wie werden sie verpflegt? An den Spielorten am Sonntag jedenfalls fast nicht. Im Foyer des Congress Centrums, der Zentrale? Nichts. Im Kornhaus: nichts. Im Edwin-Scharff-Haus: dito. 100-köpfige Blasorchester und dann nichts im Angebot, um die Kehle zu befeuchten? Und das am 1. Mai. Ein trockener Maienausflug. Begegnungscharakter? Zusammensitzen nach dem Wertungsspiel und sich vielleicht mit anderen Orchestern treffen? Da müssen die Organisatoren noch etwas nachrüsten. Auch in der Ulmer Musikschule, wo die Akkordeonorchester am Sonntagnachmittag auftraten? Keine Bewirtung, nur der umlagerte Getränkeautomat. Nur das Haus der Begegnung hatte seine Caféteria geöffnet und offenbar einen überraschenden Ansturm erlebt. Der Kuchen war um halb drei ausverkauft.