Um die 35 Fälle von Stalking werden jedes Jahr im Landkreis Neu-Ulm angezeigt. Der Straftatbestand des "Nachstellens" wurde 2007 im Paragraphen 238 ins Strafgesetzbuch eingeführt - im Abschnitt Straftaten gegen die persönliche Freiheit. Im Landratsamt Neu-Ulm haben sich gestern Fachleute von Justiz, Polizei, Sozialbehörden und -verbänden, die Beratung anbieten, getroffen, um ihre Zusammenarbeit zu verbessern. Mehr als 80 Prozent der Opfer sind Frauen - die meisten werden von zurückgewiesenen Lebenspartnern verfolgt und bedroht. Eines der Ziele ist, die Zusammenarbeit so zu verbessern, dass Opfer Wege finden, sich gegen die Aggression zu wehren, die ihr Leben massiv beeinträchtigt.

Als Referentin hatten die Teilnehmer Christine Doering aus Garmisch-Partenkirchen eingeladen, die selbst von ihrem früheren Partner zweieinhalb Jahre terrorisiert worden war. Die 32-Jährige hat ihren Weg gefunden, sich mit familiärer und rechtlicher Hilfe zu wehren. "Doch mein Vertrauen in den Rechtsstaat habe ich erst einmal verloren", sagte sie gestern in einem Pressegespräch. Sie kritisiert vor allem das Fehlen von Verbindlichkeit, die Anordnungen wie das Annäherungsverbot effektiv durchzusetzen. Ihr wurde geraten, alle Verstöße einzeln anzuzeigen und Bedrohungen zu dokumentieren. Dies führte schließlich zur strafrechtlichen Verurteilung ihres Verfolgers.

Dies ist ein Weg, zu dem auch Dagmar Bethke vom Polizeipräsidium Schwaben/Süd-West rät. Und: Es sei wichtig, den Schutz der Polizei zu suchen, sich aber auch einen Rechtsbeistand zu holen, denn Schutzanordnungen nach dem Gewaltschutzgesetz seien auch auf zivilrechtlichem Wege durchzusetzen. Christine Doering, die sich inzwischen in Opferschutz-Organisationen engagiert, wie auch Dagmar Bethke, die Beauftragte für Frauen und Kinder im Polizeipräsidium ist, wissen aus Erfahrung: "Konsequentes Vorgehen ist das einzige Mittel", um sich im bestehenden Rechtssystem zu wehren.