Schicksal Ständig im Alarmzustand

 BEACHTEN: NPG-LIZENZ,Mann, Rollstuhl,Download 597692201,am 23.11.2017 für Aktion 100 000,Foto: © Freedom Studio/Shutterstock.com
BEACHTEN: NPG-LIZENZ,Mann, Rollstuhl,Download 597692201,am 23.11.2017 für Aktion 100 000,Foto: © Freedom Studio/Shutterstock.com © Foto: ©Freedom Studio/Shutterstock.com
Von Barbara Hinzpeter 25.11.2017

Felix betrachtet die Tierfiguren in seinem Pappbilderbuch. Fast unbeweglich sitzt er im Sessel. Plötzlich zuckt er zusammen, das Buch entgleitet ihm, sein Kopf fällt zur Seite. Ein epileptischer Anfall, einer von vielen. Sieben bis zwölfmal passiere das täglich, mal mehr mal weniger stark, sagt Inge K. (Name geändert).

Nach wenigen Sekunden wirkt der 20-Jährige wieder entspannt. Er kann weder gehen noch stehen, nicht sprechen und auch den Löffel nicht zum Mund führen. Er ist 1,86 Meter groß und wiegt 95 Kilogramm. Bis vor Kurzem hat Inge K. ihn allein gepflegt, unterstützt vom älteren Sohn und ihrem Mann. Der arbeitet am Ort und hat eine besser bezahlte Stelle in seinem erlernten Beruf aufgegeben, um schnell daheim zu sein. Denn er weiß aus Erfahrung: Es kann um Sekunden gehen. Zusammen mit dem älteren Sohn hat er Felix letztes Jahr wiederbelebt.

Wenige Wochen später stand das Herz des jungen Mannes wieder still. Erneut begannen Vater und Bruder die Reanimation, bis der Rettungsdienst eintraf. 60 Minuten dauerte die Herzdruckmassage, anschließend lag Felix sieben Tage im Koma. Ihm wurde ein Defibrillator eingesetzt, mittlerweile sitzt er im Rollstuhl.

Vor 20 Jahren kam Felix zur Welt, dunkelblau angelaufen nach einem Geburtsstillstand. Seine Eltern vermuteten bald, „dass etwas nicht stimmt mit ihm“, erinnert sich die Mutter. Das Kind litt an Atemnot und verbrachte viel Zeit in der Klinik, die Mutter saß am Krankenbett. Mit Schrecken erinnert sie sich an die vielen Untersuchungen und Diagnosen, die nicht immer   zutrafen, wie sich im Nachhinein mehrmals herausstellte. Aber Felix war fröhlich, lernte mit fünfeinhalb Jahren laufen, besuchte die Gustav-Werner-Schule in Ulm. Er begann, oft zu stolpern. Es brauchte eine Weile und viele Nerven, bis „das schlampige Laufen“ als Epilepsie erkannt wurde. Er wechselte deshalb in die Bodelschwingh-Schule. Wieder begann das Ringen um die richtige Therapie und Medikamenten-Dosis. Häufig fühlten sich Inge und Wolfgang K. alleingelassen von Medizin, Kranken- und Pflegekasse und schließlich sogar von Freunden. Felix kann wegen der Anfälle nicht unbeaufsichtigt sein. „Wenn ich im andern Zimmer Staub sauge, habe ich ein Ohr immer bei ihm, beschreibt Inge K. den ständigen Alarmzustand. Den Alltag erledige sie „im Sauseschritt“. Hinzu kommt:  Der Kampf um Hilfsmittel kostet viel Kraft. Das alles hinterlässt Spuren. Die 50-Jährige leidet an Rheuma und Gicht, hatte mehrere Bandscheibenvorfälle und wurde vor zwei Jahren wegen eines   Aneurysmas am Kopf operiert. Jeden Cent, den sie erübrigen konnte, steckte die Familie in den behindertengerechten Umbau ihres Hauses und des Gartens. Das Auto, das sie vor fünf Jahren gekauft hatten, als Felix beim Ein- und Aussteigen noch etwas mithelfen konnte, eignet sich nicht mehr für Fahrten mit dem Sohn. Sie mussten sich ein neues behindertengerechtes Fahrzeug anschaffen. Den nötigen Einbau hat zwar das Landratsamt bezahlt, aber zugleich den Spendenaufruf angeregt, um Familie K. die Finanzierung des Autos und des Alltags zu erleichtern.

Gezielt für Felix spenden

Direkte Hilfe Wer Felix und seine Familie unterstützen möchte, vermerkt auf dem Überweisungsträger das Stichwort „Felix“.