S-Bahn Städte und Landkreise streben Ausbau des Schienennahverkehrs an

Ulm / THOMAS STEIBADLER 23.12.2015
Die Gründung des Vereins Regio-S-Bahn Donau-Iller ist ein Signal an die Landesregierungen in Stuttgart und München. Die Botschaft der Region lautet: Wir wollen eine S-Bahn, und wir wollen Geld dafür.

Sekt und Häppchen hatte Ivo Gönner auffahren lassen, denn es galt etwas zu feiern. „Eine große Stunde für die Region“, sagte der Hausherr im Ulmer Rathaus, zu dessen Gästen gestern Vormittag seine Amtskollegen Gerold Noerenberg aus Neu-Ulm und Ivo Holzinger aus Memmingen gehörten. Dazu die Landräte Heinz-Seiffert (Alb-Donau-Kreis), Thorsten Freudenberger (Kreis Neu-Ulm), Heiko Schmid (Biberach), Thomas Reinhardt (Heidenheim), Hubert Hafner (Günzburg) und Hans-Joachim Weirather (Unterallgäu). Anlass des Großaufgebots: die Gründung des Vereins Regio-S-Bahn Donau-Iller. Zu dessen Vorsitzendem wurde Gönners designierter Nachfolger Gunter Czisch gewählt, Stellvertreter ist der Neu-Ulmer Landrat Freudenberger.

Ziel des Vereins ist der Aufbau einer S-Bahn, die im 30-Minuten-Takt nach und ab Ulm fährt. Die Vorarbeiten haben die Regionalverbände Donau-Iller und Ostwürttemberg geleistet, für die Umsetzung soll mit dem Verein die Schlagzahl erhöht werden. „Jetzt wird’s ernst“, stellte Vorsitzender Czisch fest.

Eine Ansage auch an die Landesregierungen in Stuttgart und München. Die Vereinsgründer stellen für die weitere Vorplanung sowie die Geschäftsstelle, die mit Geschäftsführer und Assistent besetzt werden soll, bis 2018 zwar 1,6 Millionen Euro zur Verfügung. Das reicht aber längst nicht, um die baulichen Voraussetzungen für S-Bahnen zu schaffen. Hierfür dürften nach bisheriger Schätzung 80 Millionen Euro notwendig sein – ohne die Länder und möglicherweise Bundeszuschüsse nicht zu finanzieren. Bereits Anfang 2016 soll deshalb mit den Ländern eine Absichtserklärung („Letter of Intent“) zur Umsetzung des S-Bahn-Konzepts unterzeichnet werden. Dieses sieht vor:

Haltestellen Bis zu 29 neue Haltepunkte sollen eingerichtet werden: An der Donaubahn, auf der die S 5 bis Blaubeuren und die S 8 bis Riedlingen fahren sollen, sind Stopps unter anderem in Klingenstein, Blaubeuren-Weiler und Schelklingen Nord vorgesehen. Auf der Brenzbahn soll die S 3 bis Sontheim und die S 2 bis Aalen fahren, unter anderem bei der Ulm-Messe ist eine neue Haltestelle vorgesehen, in Rammingen der Ausbau der Bahnsteige. Auf der bayerischen Donautalbahn wird die S 4 nach Günzburg unterwegs sein und könnte zusätzlich im Neu-Ulmer Industriegebiet Starkfeld sowie in Burlafingen halten. Auf der Illertalbahn ist für die S 5 bis Weißenhorn und die S 6 bis Memmingen zum Beispiel die neue Haltestelle „Senden Nord“ vorgesehen, der Halt in Gerlenhofen soll in Richtung Ortsmitte verlegt werden. Die S 1 und die S 7 sollen auf der Südbahn bis Ummendorf beziehungsweise Aulendorf fahren. Dort ist zum Beispiel der Haltepunkt „Biberach Nord“ neu geplant. In der anderen Richtung wird die S 1 bis Geislingen fahren, neue Haltestellen sind dort nicht geplant.

Ausbau Um den S-Bahn-Verkehr zu bewältigen, müssen einige Abschnitte zweigleisig ausgebaut werden: die Brenzbahn zwischen Langenau und Rammingen sowie zwischen Sontheim und Bergenweiler; die Illertalbahn zwischen Neu-Ulm (Finninger Straße) und Senden. An der Donaubahn soll in Zwiefaltendorf ein so genannter Kreuzungsbahnhof gebaut werden. Der Memminger OB Ivo Holzinger sprach gestern sogar schon von der einige hundert Millionen Euro teuren Elektrifizierung der Donaubahn, der Brenzbahn und der Illertalbahn. Und Gunter Czisch betonte: „In den nächsten 10 bis 20 Jahren ist die Zeit des öffentlichen Nahverkehrs.“

Für Kommunen in der Region offen

Gründer Der Ulmer OB Ivo Gönner präsentiert die Gründer des Vereins Regio-S-Bahn Donau-Iller (von links): Hans-Joachim Weirather, Hubert Hafner, Thomas Reinhardt, Gunter Czisch, Gerold Noerenberg, Thorsten Freudenberger, Heinz Seiffert, Ivo Holzinger, Heiko Schmid und Gerhard Kieninger (Foto: Volkmar Könneke). Weitere Kommunen können für 100 Euro Jahresbeitrag mitmachen.

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