Wonnemar Städte gründen Donaubad GmbH

Das Freizeitbad an der Donau wird wieder städtisch. Der Betrieb soll einer kommunalen Gesellschaft übertragen werden.
Das Freizeitbad an der Donau wird wieder städtisch. Der Betrieb soll einer kommunalen Gesellschaft übertragen werden. © Foto: Siegfried Geyer
Ulm/Neu-Ulm / EDWIN RUSCHITZKA 15.07.2016
Die beiden Städte bereiten sich auf die Wonnermar-Übernahme vor und wollen eine neue Donaubad GmbH gründen. Der Ulmer Gemeinderat hat schon zugestimmt. <i>Mit einem Kommentar von Edwin Ruschitzka: Zurück in die Zukunft.</i>

Grünes Licht gab es  am Mittwoch zuerst vom Ulmer Gemeinderat: Mit nur einer Enthaltung wurde im nichtöffentlichen Teil der Sitzung der Gründung einer neuen kommunalen Donaubad Ulm/Neu-Ulm GmbH zugestimmt, unter deren Dach das Freizeitbad, das Freibad und die Eislaufanlage spätestens vom 29. Dezember dieses Jahres an weiter betrieben werden sollen. Im Neu-Ulmer Stadtrat steht das Thema in der Sitzung am 27. Juli auf der Tagesordnung. Die Zustimmung in Neu-Ulm gilt als sicher.

Seit 29. Dezember 2010 wurde das 1999 eröffnete ehemalige Atlantis-Freizeitbad samt Donau-Freibad und Eislaufanlage von der Interspa in Stuttgart geführt. Dann kam es im April dieses Jahres zum Bruch, weil die Betreiber das Bad nicht unter „finanziell unangenehmen Bedingungen“ weiter führen wollten. Offiziell war der Scheidungsgrund die nicht zustande gekommene Einigung über die Finanzierung der Ausfallzeiten beim anstehenden Umbau des Freizeitbads. Tatsächlich aber war das Verhältnis zwischen den beiden Städten als Eigentümer und der Interspa als Pächter ziemlich angespannt, zuletzt sogar zerrüttet. Dazu gab es viele Gründe: immer wieder Klagen über die mangelnde Hygiene, über nachlässiges Ausführen von Reparaturen, über das zuweilen fehlende Aufsichtspersonal, zuletzt auch über die familienfeindliche Gestaltung der Eintrittspreise.

Jetzt sollen die Freizeitanlage wieder unter kommunaler Regie geführt werden. Gerhard Semler, Abteilungsleiter Bildung und Sport im Ulmer Rathaus, erklärte am Donnerstag, dass es nicht der politische Wille in Ulm gewesen sei, abermals einen Pächter zu suchen. Weshalb man zusammen mit Neu-Ulm die Donaubad GmbH gründen werde. An dieser neuen Gesellschaft sollen sich Neu-Ulm mit 25 Prozent und Ulm mit 75 Prozent  per Vertrag beteiligen. Das entspricht den Eigentumsverhaltnissen am Gelände am Neu-Ulmer Donauufer. Gesucht wird jetzt schnell ein Geschäftsführer. Bis dieser gefunden ist, wollen Gerhard Semler und sein Neu-Ulmer Pendant Ralph Seiffert die Geschäftsführung übernehmen. Gesucht wird weiterhin ein Betriebsleiter, also ein Fachmann für die Organisation des Freizeitbades.

Beide Städte, so Semler werden am insgesamt 3,9 Millionen Euro teuren 10-Jahresplan zur Ertüchtigung der Anlage festhalten. Vorläufig ausgesetzt werden die Pläne zur Erweiterung und Abtrennung des Thermalbereichs. Damit wolle man sich erst im nächsten Jahr befassen und auch entscheiden, wohin die Reise geht: wieder ein Volksbad, oder doch ein Wellnessbad „oder von allem etwas“, so Semler.

Darüber hinaus wollen beide Städte einen Schritt weiter denken, ob und wie man nicht auch noch das Westbad in Ulm und das Hallenbad in Neu-Ulm an die neue Gesellschaft anbinden kann. Semler denkt an ein gemeinsames Marketing-Konzept, an den gemeinsamen Einkauf und auch daran, dass man sich mit dem Personal gegenseitig aushelfen können müsse. Was das Personal des Wonnemars betrifft, müssten sich die dort Beschäftigten keine Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen. Wer im Bad bleiben will, den wird die neue GmbH weiter beschäftigen.

Laut Semler arbeiten beide Städte jetzt an der geordneten Übergabe spätestens zum 28. Dezember. Die Städte würden ihre vertraglichen Pflichten erfüllen, das Gleiche erwarte man von der Interspa.

Vom Atlantis übers Wonnemar hin zum Donaubad

Historie Der neue Name ist zwar offiziell noch nicht benannt, aber klar ist dennoch: Spätestens am 29. Dezember dieses Jahres wird es das Wonnemar nicht mehr gegeben. Es ist dann wie weiland 2007 das ehemalige Atlantis ebenfalls im übertragenden Sinn untergegangen. Schon 1957 hatten die beiden Städte Ulm Und Neu-Ulm einen Vertrag zum Bau und Betrieb des Donaufreibads beschlossen. Bestandteil war später auch die Eislaufanlage, die 1991 zudem eine Eislaufhalle erhielt. Von 1997 bis 1999 baute die Atlantis Freizeitpark GmbH von Wolfgang Stichler dann das Atlantis-Spaßbad. Die Partnerschaft zwischen Stichler und den beiden Städten endete allerdings schon 1997 mit dem Heimfall des Bads an die beiden Städte. Von 2007 bis 2010 übernahm die Freizeitanlagen-Betriebsgesellschaft FZG, eine Tochter der Neu-Ulmer Wohnungsgesellschaft NUWOG den Betrieb. Im Jahr 2010 wurde die Anlage an die Interspa in Stuttgart verpachtet.

Ein Kommentar von Edwin Ruschitzka: Zurück in die Zukunft

Es war eine Entscheidung ohne Alternativen. Dass das demnächst ehemalige Wonnemar nochmals an einen privaten Betreiber verpachtet wird, war schlichtweg unmöglich. Erstens ist das nicht mehr der politische Wille dies- und jenseits der Donau, und zweitens hätten die Städte auch keinen Betreiber gefunden, bei dem Renommee,  das das Bad nach all den negativen Schlagzeilen hat.

Es ist  konsequent und richtig, dass die Städte sich in die Pflicht nehmen, eine neue kommunale Gesellschaft gründen und künftig wieder die Hoheit über alle relevanten Entscheidungen im Bad haben. Das wird ihnen viel Mühsal bescheren, sie wohl auch einiges kosten. Aber die Beschäftigten, vor allem die Badegäste werden es den Städten danken. Die Reise, die jetzt angetreten wird, kann nur heißen: Zurück in die Zukunft.

Das Freizeitbad muss wieder das werden, was es vor der Verpachtung an die Interspa war: ein Volksbad für alle Ulmer, Neu-Ulmer und die Menschen aus dem Umland. Sicher auch mit Wellness-Angeboten, vor allem aber mit verträglichen und familienfreundlichen Eintrittspreisen. Diesbezüglich hatte Interspa den Bogen mehrfach heftig überspannt. Und wenn dann noch die Hygiene zu wünschen übrig lässt und das Ausführen von selbst kleinen Reparaturen nicht klappt, muss man sich nicht wundern, wenn woanders gebadet wird. Vor beiden Städten liegt  noch ein mühsamer Weg: Sie müssen schnell das verlorengegangene Vertrauen zurückgewinnen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel