Erholung Stadtgarten wird gerodet

Ulm / Carolin Stüwe 02.05.2018
Beim Wengentor entsteht derzeit der neue Stadtgarten „Auf dem Graben“.

Von der Olgastraße aus kann man ihn gut sehen, den Bagger auf der Stadtmauer neben dem Wengentor. Auf demselben Niveau der Oberkante des historischen Mauerwerks schiebt Jochenn Mumber – „mit zwei n“ – derzeit alte morsche Wurzelstöcke, zerbrochene Randsteine und viel Buschwerk zusammen. „Das wird weggefahren und eine Humusfläche vorbereitet“, erklärt der Baggerführer der Firma Peter Schick Gartengestaltung aus Bronnen den weiteren Verlauf der Bauarbeiten. Als nächstes wird die Asphaltschicht komplett herausgerissen, die sich dem jetzigen Aufgang von der Kreuzung Sterngasse/Neuer Graben her anschließt.

Tischkicker bleibt

Nach langer Winterpause haben endlich die Bauarbeiten für den neuen Stadtgarten „Auf dem Graben“ begonnen. Unter Projektleitung von  Katarzyna Stawiarska, Mitarbeiterin der zuständigen Sanierungstreuhand Ulm (SAN), legt die Firma Schick einen neuen Grünbereich mit Spielmöglichkeiten an.

Das 455.000 Euro teure Projekt wird mit SIQ-Mitteln (Soziale Integration im Quartier) von Bund und Land gefördert. Als Teil des Sanierungsgebietes „Wengenviertel“ habe der künftige Stadtgarten im dicht bebauten Umfeld eine besondere Bedeutung als öffentlicher Freiraum und bespielbarer Aufenthaltsort, sagt SAN-Chef Dirk Feil.

Im Rahmen einer Konzeptstudie hatten drei regionale Büros Entwürfe für einen „Stadtgarten auf dem Graben“ eingereicht. Das Büro Silands/Gresz & Kaiser Landschaftsarchitekten aus Ulm machte das Rennen und bearbeitet seither das Projekt in enger Abstimmung mit der SAN und der Stadtverwaltung.

Denn: Unmittelbar auf der denkmalgeschützten Stadtmauer gelegen und noch bis 1944 mit Grabenhäusern bebaut, brachten umfassende Baugrunduntersuchungen Reste der spätmittelalterlichen Zwingermauer zu Tage. Die Planung wurde daraufhin in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalschutz nochmals überarbeitet. Wo bislang Buschwerk und kaputte Spielgeräte standen, sollen künftig bepflanzte „Baumbeete“ mit Bänken eine weitere grüne Insel in der Stadt schaffen. Wichtigste Baumart innerhalb des 670 Quadratmeter großen öffentlichen Gartens wird die Schnee-Felsenbirne sein, „die sich aufgrund ihres zierlichen Wuchses und der aufwärts strebenden Äste besonders für diesen Standort eignet“, sagt der SAN-Geschäftsführer.

Ein neuer wassergebundener Belag ermöglicht es, dass dort beispielsweise Boule gespielt wird. Beton-Spatzen im östlichen Drittel des Gartens, ähnlich wie beim „Spatzenbad“ östlich des Münsters, werden den optischen Mittelpunkt des Stadtgartens markieren. Im westlichen Teil wird der bislang vorhandene Tischkicker wieder eingebaut. Der auf das Plateau führende etwa 100 Quadratmeter große Aufgang bleibt gestalterisch ein Teil des Areals, wird aber saniert.

Künftig soll diese Ecke auch besser beleuchtet werden. Die Ausleuchtung garantiere „ein Höchstmaß an Sicherheit und sozialer Kontrolle“, versichert Feil. Urbane Gärten hätten in Ulm bereits Tradition (siehe Infokasten) und seien aus der Stadtlandschaft mittlerweile nicht mehr wegzudenken. „Letzteres wird sicher auch ganz schnell für den neuen Garten auf dem Graben gelten.“

Ulm hat schon etliche urbane Gärten

Spaziergang Im Sanierungsgebiet Dichterviertel wird am kommenden Samstag der Quartiersgarten „Ein Garten für alle“ eröffnet. Er zählt jedoch nicht zu den klassischen Stadtgärten wie der (seit 2008) in der Herdbruckerstraße  mit dem Lavendelfeld in der Baulücke.  Im Furttenbachgarten im Grünen Hof dominieren Buchsbaumhecken mit Stauden im Innenhof. Etwas versteckt in der Mohrengasse liegt dieser gleichnamige Staudengarten mit Wasserbecken und Pergola. Stets bald im Frühjahr blühen im Garten Büchsengasse die Zierkirschen. Kinder können dort auf Holzschafen reiten. Und manche Ulmer genießen das Grün genauso wie ihre Tagesration Bier. In die Reihe der grünen Inseln wurde auch der seit 1964 bestehende Rosengarten an der Donau aufgenommen. Eher ein Platz mit sechs Buchen und roten Steinquadern zum Sitzen ist der Stadtgarten Karpfengasse. In der Planung ist der Stadtgarten Irrgängle, ebenfalls im Sanierungsgebiet Wengenviertel. Er soll direkt auf der Quartiersgarage angelegt und mit einem Schnurbaum und einer Zierkirsche bepflanzt werden.

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