Neu-Ulm Stadtgärtnerei in Neu-Ulm wird bebaut

Neu-Ulm / CHIRIN KOLB 02.03.2013
Es ist bereits abgeholzt. Dennoch hätte sich die Neubebauung der ehemaligen Stadtgärtnerei ums Haar verzögert. Der Grund: politische Uneinigkeit.

Die Pläne liegen längst vor, der Zeitplan ist getaktet, die Bepflanzung ist schon weg. Auf dem Gelände der früheren Stadtgärtnerei an der Reuttier Straße soll ein Wohngebiet mit 75 Wohneinheiten überwiegend als Einzel-, Reihen- und Kettenhäuser entstehen. Schon 2005 haben die Stadträte dafür die Weichen gestellt. Als der Bebauungsplan nun als Satzung beschlossen werden sollte, traten Stadträte von SPD, Grünen, FWG und FDP auf die Bremse.

Sie wollten die Beschlussfassung verschieben, weil sie mit den Plänen nicht vollständig einverstanden sind. Es müsse mehr für Mieter mit schmalem Geldbeutel getan werden. Deshalb müsse zusätzlich ein Mehrfamilienhaus für sozialen Wohnungsbau reserviert werden. "Wir fürchten, dass er zu kurz kommt", fasste Rainer Juchheim (Grüne) die Bedenken zusammen.

An dem Wohngebiet selbst wollen die Fraktionen nicht rütteln. Es gehe lediglich um eine Ergänzung, sagte Karl-Martin Wöhner (SPD). "Wir wollen kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl-als-auch."

Die Stadtverwaltung, die CSU und Teile der anderen Fraktionen standen diesem Anliegen nicht ablehnend gegenüber. Sie waren allerdings gegen eine solche Festlegung im Bebauungsplan. Wenn er geändert werden müsse, bedeute das eine Zeitverzögerung von ein bis zwei Jahren, sagte Chef-Stadtplaner Jörg Oberle. Er und OB Gerold Noerenberg hielten eine solche Verzögerung zudem für überflüssig. Erstens gebe es den Stadtratsbeschluss, dass in Wohngebieten solcher Größe 20 Wohnungen auf sozialen Wohnungsbau entfallen müssten. Zweitens sei nicht klar, ob es überhaupt Investoren dafür gebe. Drittens bestehe das benachbarte Vorfeld nur aus Geschosswohnungen, "wir brauchen dringend auch innenstadtnahe Reihen- und Kettenhäuser", sagte Oberle. Viertens werden vor dem Grundstücksverkauf wieder die Stadträte eingeschaltet. "Dann können Sie immer noch die Bremse reinhauen", meinte der OB.

Die Mehrheit schloss sich dieser Ansicht an. Jetzt kann es losgehen mit dem Bau. Im Mai und Juni werden die restlichen Gebäude der Stadtgärtnerei abgebrochen, anschließend werden die Kanäle verlegt. Im nächsten Jahr sollen Straßen gebaut werden, und die Vermarktung soll beginnen.