Baustellen und Staus sind in Ulm immer ein Thema, und so hat sich Baubürgermeister Tim von Winning mal wieder damit beschäftigt – als Hauptredner beim gestrigen Neujahrsempfang der Ulmer FDP. Allerdings zielte er nicht auf konkrete neuralgische Punkte ab, sondern auf allgemeine Entwicklungen, die dazu führen. Er beleuchtete kritisch die Denkweisen und Anspruchshaltungen, die dahinter stehen. Aufgabe der Stadtentwickler sei es, hier steuernd zu wirken.

Beispielsweise die Tatsache, dass die Wohnfläche pro Person wächst. Von Winning nannte Zahlen für das Gebiet Am Türmle: 1973 lebten dort 2008 Einwohner, 2015 – vor der Nachverdichtung – 823 Personen, und 2017 waren es immerhin wieder 1305 Menschen. „Die Kosten für den Unterhalt der Infrastruktur wie Straßen, Kanäle und alles andere bleiben gleich hoch, verteilen sich aber auf weniger Einwohner“, erläuterte er die Verteuerung der Kosten. Aufgabe müsse es daher sein, die Weichen so zu stellen, dass künftige Kommunalhaushalte die Freiheit haben, „noch andere Dinge zu tun, als nur Infrastruktur zu unterhalten“.

Beim Thema Mobilität machte von Winning klar, dass der Königsweg nicht Elektroautos oder autonomes Fahren sind, „denn da bleibt es bei den Problemen Lärm, Flächen- und Ressourcenverbrauch“. Sondern die Frage laute: „Mit welchen System halten wir unseren Verkehr leistungsfähig?“ So erschließe die Straßenbahnlinie 2 mehr Gebiete in der Stadt, in denen die Bewohner vom Auto unabhängig sein können.

Zentrale Punkte beim Erschließen neuer Baugebiete müssen sein, so der Baubürgermeister weiter, dass sich die Menschen wohlfühlen, dass die Architektur vielfältig ist, dass Leben und Arbeiten gemeinsam passieren, und dass Freiflächen nicht in erster Linie Straßen sind, sondern „gemeinsame Räume zum Leben“.

Aufgabe: Die Verwaltung kontrollieren


Gemeinderat „Die FDP sieht ihre Aufgabe im Gemeinderat darin, die Verwaltung zu kontrollieren und nicht stilistisch eigene Ideen zu entwickeln“, sagte der Fraktionsvorsitzende Erik Wischmann in seiner Begrüßung beim Neujahrsempfang. Er kritisierte andere Parteien, die sich dafür einsetzen, bestimmte Maßnahmen von der Prioritätenliste vorzuziehen: „Das ist grober Unfug.“ Es sei ohnehin so, dass „wir die Liste der Investitionen nicht abgearbeitet kriegen“.