Im Sommer länger draußen sitzen dürfen ist ja eine der Kernforderungen des Vereins Stadtempfinden, der sich nach Aussage seines Ersten Vorsitzenden Marcus Bühler vor allem gegen den „Blödsinn der Regulierungswut“ in der Stadt einsetzt. Da kommt es der Gruppierung gelegen, dass der Münsterturm zur Feier seiner Fertigstellung vor 125 Jahren das ganze Jahr hindurch kunstvoll beleuchtet wird, und zwar bis Mitternacht. Draußen vor einem Café oder Restaurant sitzen darf man in Ulm aber nur bis 23 Uhr. Weil die Mitglieder des Vereins lieber länger das Münster anschauen und dabei bewirtet werden wollen, haben sich am Donnerstagabend um die 100 Menschen auf dem Münsterplatz versammelt und die Kirche von Hand beleuchtet: Mit Taschenlampen, Leucht-Sticks und buntem Discolicht.

„Wir wollen auf unser Ziel aufmerksam machen“, erklärte Bühler. Dazu kommt, dass viele Ulmer enttäuscht sind vom Münsterscanning: „Wir finden es aber schön, dass die Stadt überhaupt was tut.“ Zwar versteht er, dass mancher Anwohner vom Lärm genervt ist, findet aber gleichzeitig: „Man kann nicht Millionen fürs Stadtmarketing ausgeben, Leute in die Stadt holen und dann alles wieder kaputt machen.“