Sperrstunde Stadtempfinden-Petition: Sperrzeit auf 0:30 verschieben

Gründungsmitglieder Stadtempfinden e.V.
Gründungsmitglieder Stadtempfinden e.V. © Foto: Stadtempfinden e.V.
Ulm / 18.08.2014
Der Verein Stadtempfinden e. V. startet eine zweite Petition und möchte damit die Sperrstunde in Ulm auf 0.30 Uhr legen. Unter dem Motto „I däd gern länger...draussa hocka“ sammeln Vereinsvorsitzender Marcus Bühler und seine Mitstreiter seit Samstag unterschriften. Mit einem Kommentar von Hans-Uli Thierer: Mitternachts-Kompromiss
„Wer den lauen Sommerabend draußen genießen möchte, kann dies in Ulm nach 23 Uhr nur noch im privaten Umfeld.“ Auch der beinahe lyrische Einstieg in die Pressemitteilung kann nicht darüber hinwegtäuschen: Marcus Bühler, Vorsitzender des Vereins Stadtempfinden, und seine Mitstreiter packen ein heißes Eisen an. Also weiter im Text: „Was auf der eigenen Terrasse oder dem heimischen Balkon möglich ist, stellt in der Ulmer Gastronomie ein Problem dar. Dass es jedoch auch anders geht, zeigen Städte wie Stuttgart, München oder Augsburg. Dort gilt die Sperrzeit für die Außenbewirtung um Mitternacht.“

Nach dem Vorbild ihrer Internet-Petition zum Schwörmontag, durch die die Sperrzeit am Ulmer Feiertag um eine Stunde bis Mitternacht verlängert wurde, möchte der Verein nun erreichen, dass Gastro-Gäste in Ulm länger draußen sitzen können. Motto der Initiative: „I däd gern länger . . . draussa hocka“. Wobei es, wie Bühler sagt, mit einer Stunde nicht getan sein soll. Der Verein strebt 0.30 Uhr als Schlusszeit an.

Bühler sagt – und wer wollte ihm derzeit widersprechen: „Wir haben nicht viele Abende, an denen es warm genug ist, um nach 23 Uhr draußen zu sitzen.“ Seinem Verein gehe es nicht um Nachtpartys unter Zelten oder sonstigen Wärmequellen. Vielmehr solle die Attraktivität Ulms erhöht werden. Der Verein will festgestellt haben, dass die 23-Uhr-Sperrzeit bei Ulmern und Touristen auf Unverständnis stoße.

Laute Reaktionen dürfte der Vorstoß beim Verein Leben in der Stadt („Leise“) hervorrufen. Er war schon 2007 alles andere als begeistert über die Änderung der „Rechtsverordnung über die Festsetzung der Sperrzeit für die Außenbewirtschaftung von Gaststätten“. Vor sieben Jahren war sich eine große Mehrheit im Rat einig, Gaststätten den Außenausschank bis 23 Uhr zu erlauben und ihnen nicht mehr länger um 22 Uhr den Zapfhahn zuzudrehen. Petra Hochstätter von den Bürgerdiensten der Stadt weist darauf hin, dass jede Änderung der Rechtsverordnung politisch beschlossen werden muss. Es bedarf also eines Gemeinderatsbeschlusses.

Die Petition ist seit Samstag unter www.wewant.com/stadtempfinden online.

 

Ein Kommentar von Hans-Uli Thierer

Mitternachts-Kompromiss. Der Verein Stadtempfinden, sozusagen die ins Vereinsregister eingetragene Gegenveranstaltung zum Verein Leben in der Stadt (eben „Leise“), geht gleich mal in die Vollen. Er möchte über eine Internet-Petition erreichen, dass die Sperrzeit für Außenbewirtschaftungen in Ulm nicht auf 23 Uhr begrenzt bleibt, sondern über Mitternacht hinaus bis 0.30 Uhr verlängert wird. Das Ruhebedürfnis der Innenstadtbewohner trifft hier auf das Bedürfnis der Stadtbesucher und Ausgehfreudigen, den schönen Sommerabend draußen nicht auf halber Strecke beenden zu müssen.

Angesichts des Umstands, dass das Aufbrechen und Abräumen dann immer auch noch seine Zeit braucht und unvermeidlichen Lärm macht, ist zu fragen, ob diese Forderung nicht überzogen ist. Ein Kompromiss könnte die mitternächtliche Stunde sein. Ein anderer der, längere Abende unter freiem Himmel am Wochenende zu ermöglichen. Donnerstag bis Samstag sind eher Ausgehtage als Sonntag bis Mittwoch. Oft erledigt sich das Thema des Draußensitzens eh von allein. Siehe wenig sonnig-wonniger August 2014.

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