Ulm Stadtbibliothekschef Jürgen Lange in den Ruhestand verabschiedet

Verabschiedung auf ulmisch im Rathaus: "Er hat der Stadtbibliothek ein Gesicht gegeben", sagt Oberbürgermeister Ivo Gönner über Jürgen Lange (links). Foto: Matthias Kessler
Verabschiedung auf ulmisch im Rathaus: "Er hat der Stadtbibliothek ein Gesicht gegeben", sagt Oberbürgermeister Ivo Gönner über Jürgen Lange (links). Foto: Matthias Kessler
Ulm / LISA MARIA SPORRER 26.03.2014
Nach 21 Jahren ist Jürgen Lange als Leiter der Stadtbibliothek in den Ruhestand verabschiedet worden. Er hat eine Erlebnisbücherei geformt.

"Wenn einer dauhn deiht, wat hei deiht, denn kann hei nich mihr dauhn, as hei deiht." Leicht kommen Jürgen Lange diese Wörter des niederdeutschen Dichters und Schriftstellers Fritz Reuter über die Lippen. Auch nach 21 Jahren im Schwabenland. Denn, wenn einer tut, was er tut, so die Übersetzung, dann kann er nicht mehr tun, als er tut; das hat der geborene Niedersachse Lange in seinen Jahren als Leiter der städtischen Bücherei immer als sein Leitmotto beibehalten.

"Der Weise aus dem Norden" wird er anerkennend von seinen Weggefährten genannt. Viele von ihnen sind in das Rathaus-Foyer gekommen, "um einem Mann und seiner Arbeit Respekt zu zollen, der der Bibliothek Gesicht und Profil gegeben hat", wie OB Ivo Gönner lobt. Dabei wäre sein Wechsel von der Stadtbücherei Hannover nach Ulm im Jahr 1993 fast missglückt: Die erste Stellenausschreibung hatte er verpasst, bei der zweiten war er zu spät dran, und zur ersten Gemeinderatssitzung kam er nach dem Auswahlverfahren erst gar nicht, weil er sich nicht mehr sicher war, ob er für das Profil geeignet sei. "Aber als wir ihn soweit hatten, erwachte mit ihm die Bibliothek aus dem Dornröschenschlaf", sagt Cornelia Menzel für den Gesamtpersonalrat.

In Langes Amtszeit fiel nicht nur die Einführung der Neuen Medien und der Online-Ausleihe, sondern auch der Umzug 2004 vom Schwörhaus in Gottfried Böhms Neubau, die Glaspyramide. Seitdem hat sich nach der Devise, den Leuten das zu bieten, was sie suchen, ohne sie dabei zu bevormunden, die Medienanzahl mehr als verdoppelt.

"Ich weiß nicht, ob ich alt geworden bin, aber älter bin ich geworden. Ich denke, jetzt ist eine gute Zeit zu gehen", sagt der 63-Jährige. Er sei reich beschenkt worden die vergangenen 21 Jahre. Als Schöffe bei Gericht wird er künftig der Stadt erhalten bleiben.