Hitzewelle Neu-Ulm: Bäume leiden unter der Trockenheit

Ulm/Neu-Ulm / Carolin Stüwe 03.08.2018
Die Gießwagen sind im Dauereinsatz und in Neu-Ulm gibt es automatische Bewässerungen.

Die lang anhaltende Trockenheit schlaucht selbst größere Bäume. Erst recht in der Innenstadt, wo sich die  Hitze zwischen den Häusern staut, sich der Asphalt stark erwärmt und die Baumscheiben rund um den Stamm oft zugepflastert sind. An manchen Stadtbäumen wie den eigentlich als „stadtklimafest“ geltenden Robinien in der Sterngasse fallen bereits die Blätter ab. Alte Bäume können sich mit ihren langen Wurzeln meistens noch aus der Tiefe genug Grundwasser ziehen. „Aber die jungen müssen wir gießen“, sagt Franz Münch, Baumexperte bei der Ulmer Grünflächenabteilung. „Jung“, das heißt, fünf bis zehn Jahre alt.

Derzeit sind vier stadteigene Gießfahrzeuge unterwegs sowie vier Spezialfahrzeuge von Firmen. Gegossen werden außer jenen Bäumen auch Pflanzkübel und Blumenbeete, aber keine Rasenflächen. „Der gelbe Rasen erholt sich wieder“, versichert Münch. „Bleibende Trockenschäden an den Bäumen sind mir zwar noch keine bekannt, aber diese machen sich oft erst Jahre später bemerkbar, wenn die Wurzeln nachhaltig geschädigt wurden.“

Blätter wird ein kahler Baum wieder austreiben, das sieht man an den Kastanien, die immer wieder von der Miniermotte befallen werden und im nächsten Frühjahr erneut ausschlagen.

Auch in Neu-Ulm hat der Baubetriebshof seinen Gießwagen im Dauereinsatz und gelegentlich noch ein Wasserfass, sagt Andreas Knopp von der Abteilung Grünflächen-Unterhalt. Darüber hinaus wurden zwei Dienstleister mit der Bewässerung von Bäumen beauftragt.

Automatische Bewässerung

Knopps Kollege Hubertus Roth betont, dass etliche Bäume seit Jahren von Mai bis September automatisch bewässert werden. „Das sind diejenigen in der Innenstadt mit geschlossener Baumscheibe, weil dort kein Regenwasser eindringen kann.“  Allein in der Bahnhof- und in der Maximilianstraße werden auf diese Weise rund 50 Bäume automatisch versorgt. Weitere Standorte sind die Augsburger Straße und diverse Plätze wie der Petrusplatz.

Die Bewässerung ist so eingestellt, dass über einen kleinen Wasserhahn jeweils eine dosierte Menge Trink- oder Brunnenwasser gleich an die Wurzeln fließt. Und zwar über Jahre hinweg so lange, bis der Baum selbst tief genug wurzelt, um ans Grundwasser zu kommen. Wasseruhren dienen zur Kontrolle, „um Störungen rechtzeitig erkennen zu können“, sagt Roth.

In Ulm scheiterte solch ein Bewässerungssystem vor Jahren auf dem Münsterplatz, sagt Münch. Seither wurde kein neuer Versuch gestartet. Allerdings habe man in der  sanierten Karlstraße die neuen Stadtbäume jeweils in einen viereckigen Betonschacht gepflanzt. Diese „Baumquartiere“ werden bei Bedarf per Gießwagen mit Wasser befüllt, und sie haben Löcher, damit sich die Baumwurzeln strecken können.

Gießsäcke

Anwohner Werner Heinrich wiederum sorgt sich um die städtischen Spitzahorne in der Heilmeyersteige am Eselsberg. Bisher sei der Stammhals immer von Gießsäcken umgeben gewesen, aber dieses Jahr nicht, wundert er sich. Deshalb seien die Blätter an den Rändern schon braun gefärbt oder gar abgefallen. Diese grünen Gießsäcke werden ebenfalls von Mitarbeitern der Grünflächenabteilung befüllt – und dann rinnt dieses Wasser langsam an die Wurzeln.

Feuerwehr als Gärtner?

Werner Heinrich hatte die Idee, dass die Feuerwehr doch mit ihren großen Löschfahrzeugen helfen könnte. Reiner Schlumberger, der stellvertretende Kommandant der Ulmer Feuerwehr, winkt ab: „Das ist nicht unsere Aufgabe, denn die Löschfahrzeuge sind stets nur für den Primär­einsatz gedacht.“ Zumindest gießt die Feuerwehr aber ihre eigenen neu gepflanzten Bäume vor der Hauptwache. Und zu den anderen gestressten Stadtbäumen meint Schlumberger: „Die Natur lebt damit.“

Platane wirft immer wieder Rindenplatten ab

Wachstum Dass derzeit die Platanen große Stücke ihrer Rinde abwerfen, hängt mal nicht mit der Trockenheit, sondern mit dem generellen Wachstum zusammen. Da das Frühjahr niederschlagsreich war, konnten die Platanen sehr gut gedeihen. Und weil sie keine Ringelborke haben, sondern ein bogenförmiges Gewebe, reißt die Borke nicht einfach, sondern löst sich beim Dickenwachstum des Stammes in Platten ab. Hat die Platane Trockenstress, werden vor allem die Blätter vom Rand her braun.

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