Am 05. August 1914, vor genau 100 Jahren, ist die weltweit erste Ampelanlage in Cleveland in Betrieb genommen worden. Fast 40 Jahre später, am 29. März 1956, wurde die Innovation "elektrische Ampel" in Ulm installiert. Diese steht heute noch: an der Kreuzung Bismarkring zur Zinglerstraße. Im Jahr 2005 wurden dort die Verkehrslichter zuletzt rundum erneuert. Nach 20 Jahren solle eine Ampel spätestens auf den allerneusten Stand gebracht werden, weiß Verkehrs-Ingenieur Lars Schneider von der Stadt Ulm. Gewartet wird in der Regel alle 6 Monate. 

In Ulm gibt es insgesamt 83 Fußgängerampeln und Ampeln an 92 Kreuzungen - dabei bezeichnet das Wort Ampel die gesamte Anlage und nicht nur ein Lichtsignal, welches für den jeweiligen Verkehrsteilnehmer gilt. Die letzte große Installation neuer Ampeln kam im Zuge des Ausbaus der Linie 1 nach Böfingen. Gleich 15 Anlagen wurden dabei installiert. Die gesamten Kosten für den Neubau einer Ampelanlage belaufen sich auf circa 90.000 Euro. Der Experte rechnet vor: 10.000 Euro für das Steuergerät, 40.000 Euro für das Gerüst und die Druckknöpfe, 30.000 Euro für den Tiefbau und schließlich 10.000 Euro Ingenieurskosten. 

Da stellt sich natürlich die Frage was pro Jahr im Betrieb noch dazu kommt. Für die Wartung und Stromkosten einer Fußgängerampel fallen jährlich rund 780 Euro an. Bei den Ampeln der Kreuzungen sind es rund 2.260 Euro. Hochgerechnet sind für alle Ampelanlagen in Ulm circa 272.660 Euro im Jahr nur für Strom und Wartung. 

Muss es immer eine Ampel sein? Ob sich die Stadt Ulm für oder gegen eine Ampel entscheidet oder gar für einen Kreisverkehr, liegt an der Verkehrslage, sagt Lars Schneider. An häufigen Unfall- oder Staupunkten wird oft der Ruf nach Veränderung der Verkehrsführung laut. Dann berechnen die Experten welche der Alternativen lohnenswert und vor allem wirtschaftlich nachhaltig ist. Wenn sich der Verkehr gleichmäßig auf mehrere Ausfahrten verteilt, ist ein Kreisverkehr sinnvoll. Auf der anderen Seite bietet eine Ampel Fahrradfahrern mehr Vorteile, da diese "sicherer durch den Verkehr geleitet werden können". 

Der Teufel steckt schlussendlich im Detail. "Man muss sich natürlich auch an der Lage der Fußgänger und Radfahrer orientieren, wenn man plant", sagt Schneider. Die Stadt Ulm solle in Zukunft noch fußgänger-freundlicher gemacht werden. Vor allem Seh- und Hörbehinderte sollen mit speziellen Tasten an Kreuzungen unterstützt werden. 

Vorrang im Stadtverkehr haben aktuell die öffentlichen Verkehrsmittel. Knotenpunkt ist da beispielsweise die Kreuzung am Theater. "Ein Sender im Bus oder in der Straßenbahn gibt der nächsten Ampel Meldung und die schaltet um. So ist eine schnelle Weiterfahrt für die Öffentlichen gewährleistet", erklärt der städtische Elektro-Techniker Alexander Fischer. Oberste Priorität ist, dass Straßenbahn und Bus sollen schnell von A nach B kommen. Dem fällt auch die grüne Welle, die es tatsächlich bei Tempo 50 in der Olgastraße oder der Karlsstraße geben kann, zum Opfer. Da steht Ulm im Städte-Vergleich nicht alleine da. Beispiel: München. Dort hat der öffentliche Personennahverkehr ebenfalls Vorrang vor dem Individualverkehr.  

Bei Unfällen und Stau sind den Verantwortlichen in Ulm, im Gegensatz zu größeren Städten, meistens die Hände gebunden. Eine Verkehrsleitzentrale wie in Stuttgart gibt es nicht. Der "Verkehrsrechner" in Ulm ist zwar vorhanden und beinhaltet verschiedene Steuerprogramme, die den Verkehr regeln können. Ampelschaltungen schnell zu verändern, um auf akute Staus zu reagieren, ist nicht möglich. "Im Moment hat die Organisation rund um die Linie 2 Priorität", sagt Schneider. Hierfür werden 15-20 neue Ampelanlagen benötigt. Die Einrichtung einer Leitzentrale ist aber geplant. Da müssen sich die Verkehrsplaner der Stadt allerdings gedulden. Wie so oft im Straßenverkehr. 

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