Marketing Stadt Ulm geht in die Einstein-Offensive

Der Physiker Albert Einstein 1936 in den USA. Die Stadt Ulm will mehr tun, um an ihren berühmtesten Sohn zu erinnern. 
Der Physiker Albert Einstein 1936 in den USA. Die Stadt Ulm will mehr tun, um an ihren berühmtesten Sohn zu erinnern.  © Foto: DPA
Ulm / CHRISTOPH MAYER 27.11.2017
Mit Logo, Website, einer Wander- sowie einer familiär gehaltener Dauerausstellung im „Engländer“ will die Stadt ihren berühmtesten Sohn besser ins Rampenlicht rücken.

Ohne Gegenstimmen hat der Kulturausschuss des Ulmer Gemeinderates ein Maßnahmenbündel auf den Weg gebracht, das sich als „Einstein-Initiative“ beschreiben lässt und für dieses und die kommenden beiden Jahre Ausgaben von 75 000 Euro vorsieht. Ziel ist, den 1879 in der Bahnhofstraße geborenen berühmtesten Sohn der Stadt stärker ins Rampenlicht zu rücken. Auch wenn Albert Einstein nur die ersten 15 Monate nach seiner Geburt in Ulm lebte, habe sich zuletzt doch ein „Meinungsumschwung verstetigt“, was den Umgang mit ihm angehe, sagte Kulturbürgermeisterin Iris Mann. Oder, wie Ingo Bergmann, Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, es formulierte: „Die Stadt hat eine Bringschuld. Viele Reisende kommen, weil sie was von Einstein sehen wollen – und sehen nichts.“
Geplant ist deshalb Folgendes:

Dauerausstellung Kernpunkt ist die geplante Einrichtung einer 200 Quadratmeter großen Dauerausstellung im Erdgeschoss des Hauses „Engländer“ am Weinhof –  noch logiert dort das Europabüro. Ideal sei der Standort zum einen, da das Gebäude der städtischen Wohnungsgesellschaft UWS gehört und daher kaum Kosten anfallen, zum anderen ob seiner Authentizität, so Mann. Einsteins Oma lebte im Engländer, sein Vater war dort zwischen 1865 und 1880 Mitbesitzer einer Bettfedernhandlung. Das Thema „Wissenschaft“ soll in der Ausstellung keine Rolle spielen. „Wir wollen uns auf die familiäre Schiene konzentrieren, da können wir wirklich eine Geschichte erzählen“, so Mann. Es geht in Sichtweite der Synagoge auch um die NS-Zeit und wie Einstein sich aus dem Exil für jüdische Ulmer Mitbürger einsetzte.

Wanderausstellung Um Einsteins Erkenntnisse – speziell die Relativitätstheorie – dreht sich dagegen die von der Uni Tübingen entwickelte und leicht verdauliche Wanderausstellung „Einstein Insight“, die man 2019 zum
140. Geburtstag Einsteins nach Ulm holen möchte. Angeregt hat dies der Verein der „Freunde eines Albert Einstein-Museums in Ulm“. Als Standort favorisiert die Stadt das Zeughaus. Gesamtkosten: 35 000 Euro. „Mit der Uni Ulm sind wir im Gespräch. Womöglich beteiligt sie sich am Rahmenprogramm“, sagte Mann.

Buch Mit 15.000 Euro unterstützt die Stadt eine Publikation von
Dr. Christoph Rieber zum Thema „Einstein in Ulm“.

Werbung Bis Mitte 2018 entstehen eine Web-Site und ein Faltblatt zum Thema „Einstein“. Dort werden etwa historische Orte der Familie dargestellt. Dies „mindestens zweisprachig“ (Bergmann).

In der anschließenden Aussprache signalisierten alle Fraktionen Zustimmung zu den Plänen. „Die Auseinandersetzung mit dem Wissenschaftler kann nicht die erste Geige spielen“, sagte Michael Joukov (Grüne), auch Helga Malischewski (FWG) nannte eine Dauerausstellung im Engländer „optimal, alles weitere würde unseren Rahmen sprengen, das müssen andere leisten“.

Letztere Aussage ist speziell im Hinblick auf den von der in Ulm lebenden Amerikanerin Nancy Hecker-Denschlag gegründeten Einstein-Museumsverein zu verstehen. Dessen Mitglieder wollen weltweit bis zu 40 Millionen Euro an Spendengeldern sammeln, um in zentraler City-Lage ein mehrstöckiges „Einstein-Discovery-Center“ zu bauen (wir berichteten). Das Wissenschaftsmuseum soll jährlich tausende Besucher aus nah und fern anlocken.

Keine finanzielle Unterstützung

Bürgermeisterin Mann dankte dem Verein ausdrücklich. „Er hat viel angestoßen.“ Sie machte aber auch deutlich, dass man dessen Idee nur mit Know-how unterstütze und gegebenenfalls bei der Suche nach einem Grundstück helfe. „Geld gibt es nicht.“

Für CDU-Fraktionschef Thomas Kienle sind die Pläne der Stadt nur ein „zaghafter Anfang“. Man dürfe nicht in Selbstgefälligkeit verfallen. „Eine Verbindung zur Wissenschaft muss her“, warb Kienle um stärkere Unterstützung für den Museumsverein. Sein Vorschlag: Die Stadt müsse zwingend mit dem Sedelhöfe-Investor DC verhandeln, auf dass dieser die Steine der abgetragenen Grundmauern des Einstein-Geburtshauses dem Verein für dessen Kampagne überlasse.

Ambivalentes Verhältnis

Logo Ein einheitliches Logo wird künftig alle Ulmer Publikationen und Ausstellungen zum Thema Einstein zieren. Entworfen hat es die Ulmer Agentur Lahaye Tiedemann. Es zeigt in blauer und roter Schrift dreimal untereinander den Schriftzug  „Einstein und Ulm“ – wobei der mittlere Schriftzug kaum lesbar ist, weil die Buchstaben sich dort überlappen. Dies solle das „ambivalente Verhältnis“ zwischen Einstein und Ulm symbolisieren, sagt Ingo Bergmann, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt. 

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