Ein Geschenk im Wert einer sechsstelligen Summe – das gibt es nicht jeden Tag. Der Stadt Ulm ist das widerfahren. Sylvie Mutschler aus der früheren Unternehmerfamilie Möbel Mutschler bezahlt den Bau eines Hauses mit zwei Wohnungen für Familien, die nur über ein geringes Einkommen verfügen. Es soll im Ortsteil Ermingen entstehen, der Baubeginn ist für Frühjahr geplant.

Sylvie Mutschler sei bereits 2016 auf die Stadt und den damaligen OB Ivo Gönner mit ihrem Angebot zugekommen, berichtet Ulrich Soldner, Leiter der Abteilung Liegenschaften. „Ihr ging es darum, Wohnraum zu schaffen für Familien, die eine günstige Mietwohnung brauchen.“ Soldners Aufgabe war es, ein geeignetes Grundstück zu finden. Wunsch der Stadträte war es zudem, das Bauvorhaben in einem Ulmer Ortsteil zu verwirklichen.

In Ermingen wurde Soldner schließlich fündig. Das Haus mit zwei jeweils rund 65 Quadratmeter großen Wohnungen soll im Neubaugebiet Allewind-Greut entstehen. Der Ortschaftsrat Ermingen hat bereits seine Zustimmung erteilt. Die beiden Wohnungen sollen schon im Herbst bezugsfertig sein.

UWS verwaltet den Neubau

Dass das so schnell geht, liegt an der Bauweise. Das Haus wird in einem auf Leichtstahl und Gips basierenden Konstruktionssystem gebaut, das das Schweizer Unternehmen Crupe International entwickelt hat und das in vielen Ländern zum Einsatz kommt. Es handele sich laut Soldner um eine in Deutschland noch wenig bekannte Bauweise, die aber gegenüber herkömmlichen Bauten Kostenvorteile biete. Soldner rechnet im Fall des Erminger Hauses mit Baukosten von rund 250 000 Euro. Das Crupe-System sei dennoch stabil, könne selbst für mehrstöckige Gebäude verwendet werden und erfülle die Standards, die von einem Neubau erwartet werden.

Der Schenkungsvertrag sieht im Wesentlichen so aus: Die Stadt stellt ein eigenes Grundstück unentgeltlich zur Verfügung, Sylvie Mutschler bezahlt den Neubau. Das Gebäude geht nach Fertigstellung ins Eigentum der städtischen Hospitalstiftung über. Als Verwalter und Vermieter ist die ebenfalls städtische Wohnungsgesellschaft UWS vorgesehen. Als Mieter sollen vorrangig Familien aus Ermingen in Betracht kommen.

Sylvie Mutschler will sich noch nicht jetzt, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt über ihre Schenkung äußern.