111-arten-Korb Stadt Ulm bekennt sich zum Biber

Ulm und der Biber: Eine ohnehin lange Geschichte wird fortgeschrieben.
Ulm und der Biber: Eine ohnehin lange Geschichte wird fortgeschrieben. © Foto: Bettina Sättele
Ulm / CAROLIN STÜWE 08.08.2012
Im 111-Arten-Korb der Landesregierung sitzt auch der Biber. Weil Ulm schon viel für seinen Schutz getan hat, ist die Stadt nun offiziell Pate.

Alles ist ruhig. Die Biber in der Friedrichsau sind mit der Aufzucht der nächsten Generation beschäftigt. Und dort wächst momentan genügend Grünfutter, so dass das Nagetier keine weiteren Bäume fällen muss. Das Regierungspräsidium Tübingen hätte sich also keine bessere Zeit als den Sommer aussuchen können, um mit dem Stadtkreis eine Patenschaft für dieses streng geschützte Tier zu vereinbaren.

„111-Arten-Korb“ heißt die Aktion innerhalb das baden-württembergischen Aktionsplanes „Biologische Vielfalt“. Sie hat das Ziel, die Lebensräume für die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu verbessern. Die 111 Arten sind vorgegeben. Weil aber in Ulm der Alpenbock und die Kleine Flussmuschel nicht so häufig anzutreffen sind und Grünflächenamt und BUND in der Friedrichsau schon viel für den Schutz des Bibers – und die Bäume – getan haben, wurde gerade Ulm für den Nager vorgeschlagen.

„Den Zwiespalt zwischen Landwirtschaft und Artenschutz muss man aushalten“, sagt Carsten Dehner, Pressereferent für den Bereich Umwelt beim Regierungspräsidium Tübingen. Die Patenschaft sei aber nur symbolisch. Geld gebe es keines, etwa für Schutzzäune.

Kathrin Haas, Bibermanagerin der Unteren Naturschutzbehörde in Ulm, betont, dass gemeinsam mit dem Regierungspräsidium überlegt wurde, welche Arten für Ulm interessant wären. „So sind wir zum Biber und zur Küchenschelle gekommen.“ Jener zartlila Frühjahrsblüher mit den filzigen Blättern kommt verstärkt auf einem Magerrasen oberhalb von Ulm-Eggingen vor. Rund um diese Wiese wurden jetzt Baumstämme gelegt, damit dort kein Auto mehr drüber fährt, berichtet Kathrin Haas.

Was Ulm künftig noch Gutes für den Biber tun kann, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall habe er durch die 111-Arten-Korb-Aktion nun einen gewissen Sympathiewert erreicht. Damit der Biber bei aller Sympathie nicht zu viel Schaden anrichtet, haben die Ulmer Stadträte bereits im Mai ein Maßnahmenpaket durchgewunken. Dazu gehören Baumschutzgitter, Ablenkfutter, Weichholzpflanzungen, Böschungsverbau und Baumkontrollen.

Fazit: Biber-Pate zu sein, ist langfristig eine teure Angelegenheit.

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