Förderung Stadt hofft auf Bundesmittel für Hindenburg-Kaserne

Das Areal der Hindenburgkaserne aus der Vogelperspektive mit den ehemaligen Mannschaftsgebäuden, von denen eines noch bis zur Jahresmitte mit Flüchtlingen belegt ist. Zu sehen unten das im Grün liegende Fort Unterer Eselsberg, dem künftig erhöhte Bedeutung für die Naherholung beigemessen wird.
Das Areal der Hindenburgkaserne aus der Vogelperspektive mit den ehemaligen Mannschaftsgebäuden, von denen eines noch bis zur Jahresmitte mit Flüchtlingen belegt ist. Zu sehen unten das im Grün liegende Fort Unterer Eselsberg, dem künftig erhöhte Bedeutung für die Naherholung beigemessen wird. © Foto: Siegfried Geyer
HANS-ULI THIERER 22.04.2016
Wird nach der Wilhelmsburg auch die Hindenburgkaserne ein "Nationales Projekt im Städtebau"? Die Stadt hofft es - und stellt einen Antrag. Es geht um Fördermittel für den Umbau des Militärareals.

Nun also auch das fast neun Hektar große Gelände der Hindenburg-Kaserne auf dem Eselsberg: Nach der Wilhelmsburg, die im vergangenen Jahr in das Bundesförderprogramm "Nationale Projekte im Städtebau" aufgenommen worden ist und aus diesem Topf mit 4,3 Millionen Euro bezuschusst wird, sollen dem Zentralbau der Bundesfestung nun die alte Kaserne und die sie umgebenden Flächen folgen. Nach einem einstimmig gefassten Beschluss des zuständigen Fachausschusses des Gemeinderats hat die Stadt beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) einen entsprechenden Antrag eingereicht. Das Ministerium stellt wie schon im vergangenen Jahr fürs ganze Bundesgebiet 50 Millionen Euro zur Verfügung.

Obwohl, wie gesagt, schon im Vorjahr mit Fördermitteln bedacht, rechnet sich Ulm nach den Worten des Baubürgermeisters Tim von Winning und des Chefstadtplaners Volker Jescheck erneut gute Chancen aus. Denn ein Förderschwerpunkt ist heuer die Konversion von Militärflächen, also deren Umwidmung und Umbau für zivile Zwecke.

Genau das strebt die Stadt an, die aus dem Kasernenareal ein dem ganzen Eselsberg Impulse verleihendes Wohngebiet für bis zu 2500 Menschen machen möchte. Einbezogen in die Überlegungen werden soll das angrenzende Fort Unterer Eselsberg als Naherholungs- und Freizeitbereich ebenso wie das Nahversorgungszentrum am Stifterweg. Für dieses kleine Einkaufszentrum erhofft sich die Lokalpolitik neue Impulse, sobald die Bevölkerungszahl am alten Eselsberg ansteigt.

Für diese Überlegungen hat die Stadt Ulm im Dezember 2015 einen zweistufigen städtebaulichen Wettbewerb ausgeschrieben. Vorentscheidungen fallen nun am Freitag und Samstag (22./23. April), wenn eine Jury alle 77 eingegangenen Arbeiten sichten und entscheiden wird, welche Vorschläge in die zweite Runde kommen, um weiter verfolgt zu werden.

Die Stadtpolitik ist voller Hoffnung, dass Ulm neuerlich in den Genuss eines warmen Geldregens aus Berlin kommt. Brigitte Dahlbender (SPD) mahnte jedoch, im Planungsüberschwang nicht ganz außer Acht zu lassen, "dass im Bereich des Forts Eselsberg Wildnisflächen erhalten bleiben". Zudem gelte es, die Interessen der "beachtlichen Jugendarbeit", die hinter Festungsmauern geleistet werde, zu berücksichtigen, sagte Dorothee Kühne (SPD). Bertram Holz (CDU) und Gerhard Bühler (FWG) erklärten vorbehaltlose Unterstützung ihrer Fraktionen für die weitere Entwicklung am alten Eselsberg, der durch Wohnungen auf dem Hindenburg-Gelände eine Verjüngungskur erfahre.

Annette Weinreich (Grüne) fragte, warum der Förderrahmen nur mit vier Millionen Euro abgesteckt werde. "Natürlich könnten wir da locker mit zehn Millionen an den Start gehen", antwortete der Baubürgermeister. Die Stadt scheint es da aber eher mit Taktik und schwäbischer Bescheidenheit zu halten. Winning: "Bundesweit werden 50 Millionen verteilt." Nachdem Ulm schon im Vorjahr bedacht worden sei, halte er den Antrag über besagte vier Millionen Euro für realistisch - und angemessen.

Entscheidung im Wettbewerb

77 Beiträge Fürs Areal der ehemaligen Hindenburgkaserne, deren Mannschaftsgebäude derzeit noch der Flüchtlingsunterbringung dienen, ist im Dezember ein offener zweistufiger städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt worden. 77 Beiträge gingen ein. Um aus diesen städtebaulichen Entwürfen die besten Lösungen herauszufiltern, tagt am Freitag und Samstag (22. und 23. April) ein fast 30-köpfiges Preisgericht. Ziel ist es, etwa zehn Finalisten auszuwählen, die ihre Entwürfe für die zweite Wettbewerbsstufe dann weiter bearbeiten. In der Halle 3 der Ulm-Messe sind alle Wettbewerbsbeiträge dann vom 25. bis zum 30. April (jeweils von 12 bis 18 Uhr) ausgestellt. Die Ulmer Bauverwaltung bietet am Montag und Mittwoch jeweils um 17 Uhr Führungen mit Erläuterungen an. Die besten Entwürfe sind dann vom 3. bis 12. Mai täglich von 9 bis 17 Uhr (außer samstags, sonn- und feiertags) im Bürgerzentrum Eselsberg ausgestellt.