Stadt am Rand Stadt am Rand: No-Go-Area am Westend

 Kinderspielplatz – oder doch nicht? Die Lage am Westend ist komplex.
 Kinderspielplatz – oder doch nicht? Die Lage am Westend ist komplex. © Foto: Fabian Ziehe
Ulm / Fabian Ziehe 19.07.2018

Wer dort verweilt, macht sich schuldig: Hinter der Weststadthalle, in jenem adretten, handtuch-förmigen Park, moduliert in der Vorhölle modernere Landschaftsarchitektur, dort liegt wohl Ulms einziges offizielles Sperrgebiet nicht-militärischer Nutzung. Eine rein kommunale und – zugegeben – fast unsichtbare „No-Go-Area“, eingeklemmt zwischen quadratisch-praktischen  Neubauten.

Dort im „Westend“, wo die Luft schon nach dem freien Söflingen riecht, wo keine Soldaten, noch nicht mal Politeuere und -tessen, sondern nur junge Eschen stramm stehen, ist reiner Verwaltungslogik zufolge kein Platz für niemanden. Und das trotz verlockender Spielgeräte wie dem „Beintrainer“, dem „Ganzkörpertrainer“ und dem „Duplex Schultertrainer“, die Spaß und Fitness zugleich versprechen. Sie alle locken Kinder wie Fliegen an, sind aber laut akkurat daneben platzierter Hinweistafeln nur von „Personen ab 14 Jahren“ zu bedienen.

Das perfide an der Sache ist: An einem schmucken Eisentor in nächster Nähe hängt ein weiteres Schild: „Kinderspielplatz“ ist da zu lesen. Neben den Piktogrammen von mutmaßlich Halbwüchsigen in teils absurden Körperhaltungen ist eindeutig niedergeschrieben: „Nutzungsberechtigte: Kinder unter 14 Jahren“ – und das übrigens nur zwischen 8 und 21 Uhr.

Zudem weisen weitere Piktogramme nicht nur auf ein Helm- und Rauchverbot hin, sondern auch darauf, dass Hunde unerwünscht sind. Und das, obwohl ein Meter daneben eine „Service-Station“ hängt mit jenen praktischen Tütchen, um Fiffis Darm-Hinterlassenschaften elegant aufzusammeln.

Die Realität ist zum Glück eine andere: Derweil gleich mehrere Erwachsene auf der Bank sitzend und dem Handy tippend ihre Morgen-Zigarette verspeisen, turnen ein Vater und sein fast Zweijähriger munter über die Gerätschaften – der Ältere schon bald leichtsinnig den Kaffeebecher in der Hand balancierend, der Sohn gleich darauf beherzt und mit vollem Körpereinsatz in den Schotterboden eintauchend. Alles gut, alles normal, alles locker also im Westend. No-Go-Areas sind für freie Reichsstädter eben: ein No-Go.

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