Blockfahnen und Regenschirme sind nicht erlaubt, Rucksäcke müssen abgegeben werden. Das sind Vorgaben für Fans des SSV Ulm 1846 Fußball am Samstag im Gazi-Stadion in Stuttgart. Zu lesen ist das auf der Internetseite des Vereins unter dem Stichwort „Fan­info zum Pokalfinale“.

Wie bereits 2018 steht das Ulmer Team im Endspiel um den Württembergischen Fußballpokal und geht als Favorit gegen den Verbandsligisten TSV Essingen ins Rennen. Anpfiff ist um 14.15 Uhr. Nach Angaben des SSV-Vereinssprechers Max Rieck werden rund 2500 Ulmer Fans nach Stuttgart reisen.

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Randale im Zug beim letzten Spiel

Im vergangenen Jahr war es beim gleichen Anlass – die Ulmer standen im Pokalfinale gegen den TSV Ilshofen und gewannen – auf der Rückfahrt zu chaotischen Szenen auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof gekommen. Fußball-Fans und Zuggäste mussten daraufhin dicht gedrängt wegen Umleitungen mehrere Stunden nach Ulm fahren. In einem der Waggons kam es dann nach Angaben von Zeugen zu weiteren Ausschreitungen. So sollen einige der SSV-Fans antisemitische, schwulen- und frauenfeindliche Parolen skandiert und die Arme zum Hitlergruß gereckt haben. Die Bundespolizei ermittelte.

Der Verein distanzierte sich von den Vorkommnissen und appellierte wenige Wochen später an Ministerpräsident Winfried Kretschmann, eine konzertierte Aktion aller zuständigen Ministerien in Sachen „Gewalt in und außerhalb von Stadien“ zu erreichen. Fußball sei Grundlage für Ausschreitungen und würde von Gruppen instrumentalisiert. Insoweit handle es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Professionelles Fanprojekt

Zudem entschied sich der Verein im Oktober, den Fan-Nachwuchs professionell betreuen zu lassen. Für dieses von der bundesweit agierenden Koordinierungsstelle Fanprojekt (KOS) entwickelte Projekt müsste die Stadt jährlich 40.000 Euro investieren. Rückendeckung bekam der SSV-Vorstand von den Mitgliedern des Sportausschusses im Gemeinderat. Derzeit befinde man sich noch in der Orientierungsphase, heißt es zum Stand aus dem Rathaus.

„Ein hässlicher Vorfall“, erinnert sich auch Heiner Baumeister, Sprecher des Württembergischen Fußballverbands (WFV), der am Samstag Gastgeber des Derbys ist, an das vergangene Jahr. Um so etwas zu vermeiden, bereite man sich auf die Ankunft der Fans beider Teams vor. Mit im Boot: die Polizei und die Vereine.

Für Samstag seien im Vorfeld zwei Sonderzüge für die SSV-Fans für Hin- und Rückfahrt bei der Bahn angefordert worden, teilt Baumeister mit. Das erledige die Bundespolizei je nach Einschätzung der Lage. Allerdings sei dies nur zum Teil gelungen.

Sonderzug für Fans

So wird für die rund 300 Ulmer Fans, die am Samstag mit dem Zug zum Pokalfinale fahren, bei der Hinfahrt lediglich ein extra Waggon mit etwa 150 Sitzplätzen zur Verfügung gestellt, teilte eine Sprecherin der Bahn mit. Für die Rückfahrt stehe hingegen ein Sonderzug bereit. Sicherheit habe für die Deutsche Bahn oberste Priorität, unterstrich sie. Man sei dabei aber auf die Mitarbeit der Vereine angewiesen.

Er erwarte keine Vorkommnisse im Zug und sonst, sagte der langjährige Sicherheitsbeauftragte des SSV Fußball, Werner Schmitt. Die Saison sei ruhig gewesen, die Fans seien großartig. Im Stadion seien aber so genannte Fanordner des SSV, die gegebenenfalls beschwichtigen sollen: „Wir tun alles, um Randale zu vermeiden.“

Die Fans reisten ohne Begleitung im Zug. Das sei kein Problem, urteilen Schmitt und der Fanbeauftragte Tobias Reichart: „Selbst wenn ich dabei wäre, könnte ich im Fall des Falles nichts ausrichten“, sagt der ehrenamtliche Fanbeauftragte. Er rechne aber mit einem ruhigen Verlauf. Auch aus diesem Grund: Der TSV Essingen spielt zwei Klassen unter dem SSV, es gebe keine problematische Fanszene: „Allein deshalb ist das Spiel für Randalierer uninteressant.“

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Was aus den Ermittlungen wurde


Stand Nach Angaben der Bundespolizei sind die Ermittlungen wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen abgeschlossen. Die Akten seien der Staatsanwaltschaft Stuttgart übergeben worden. Ob es zur Anklage kommt, ist offen.