Aufstieg SSV 46 plant nach Aufstieg mit höherem Etat - Größere Stadiontribüne

Ulm / FRANK KÖNIG, RUDI KÜBLER 17.05.2016
Die Freude über den Aufstieg der Ulmer Kicker ist groß. Die Regionalliga ist sportlich eine Herausforderung, das Stadion bedarf einer Verjüngungskur. <i>Mit einem Kommentar von Frank König: Signal für Sponsoren</i>.

„Das Erfolgsgefühl tut gut“, sagte OB Gunter Czisch mit Blick auf den seit Samstag klaren Aufstieg des SSV Ulm 1846 Fußball in die Regionalliga. Das Stadtoberhaupt will dem Verein den Rücken stärken und ist daher bei der Meisterschaftsfeier für die Oberliga am Samstag im Donaustadion zum Spiel gegen Ravensburg um 15.30 Uhr vor Ort. Dabei überreicht der Württembergische Fußballverband nicht nur den Meisterschaftswimpel: Anton Gugelfuß vom Vorstand kündigte außerdem Freibier an und hofft, dass viele Fans kommen. Beim Spiel gegen Reutlingen gab es zuletzt Ligarekord mit rund 3600 Zuschauern.

Gugelfuß führt den Aufstieg der Mannschaft um Stephan Baierl mit auf die gute Stimmung im Verein zurück, dessen Führung er mit Thomas Oelmayer und Roland Häußler nach der letzten Insolvenz (siehe Infokasten) übernommen hatte: „Das funktioniert wieder, man spürt die Einheit.“ Dass auf dieser Grundlage bereits nach zwei Jahren der Sprung in die Regionalliga Südwest gelang, sei ein „ganz positives Signal.“

Gugelfuß ließ aber keinen Zweifel daran, dass der Aufstieg eine erhebliche Herausforderung für den SSV darstellt: „Das wird hammerhart, da sind wir die Underdogs.“ In der Regionalliga spielten professionelle Mannschaften mit Budgets zwischen zwei und vier Millionen Euro, während der SSV Ulm zuletzt über 900.000 Euro verfügte. Gugelfuß will für die Regionalliga allerdings 300.000 bis 400.000 Euro zusätzlich mobilisieren. Der SSV Ulm begegnet dort dem aus der dritten Liga abgestiegenen VfB Stuttgart II und den auch abgestiegenen Stuttgarter Kickers: „Wir kämpfen vom ersten Tag an gegen den Abstieg.“

Das in die Jahre gekommene Donaustadion wirft aus Sicht von Gugelfuß in einer höheren Liga keine Probleme auf: „Das wird auch für die Regionalliga gut reichen, wir müssen auf dem Teppich bleiben.“

OB Czisch und Sportbürgermeisterin Iris Mann zeigten sich insbesondere erleichtert, dass die Sicherheitsvorkehrungen im Stadion – das übrigens der Stadt gehört – auf neuestem Stand seien. Czisch ließ aber keinen Zweifel daran, dass es Modernisierungsbedarf gibt. So gebe es für die Flutlicht-Anlage schon keine Ersatzteile mehr. Man müsse bei einem Facelift aber schauen, was machbar ist: „Das kostet viel Geld.“ Vor allem, wenn es um die „ganz großen Träume“ gehe. Falls sich der SSV wieder in den höheren Ligen behaupten kann – immerhin spielte Ulm in der Saison 1999/2000 in der Bundesliga – ist aus Sicht von Gugelfuß eine „neue Arena“ nötig.

Eine neue Arena? Mit diesem Thema will sich Gerhard Semler momentan nicht befassen. Er selber könne die Begeisterung zwar verstehen, „ich freue mich auch über den Aufstieg“, bekennt der Leiter der Abteilung Bildung und Sport der Stadt Ulm. „Fußball ist ein sportliches Aushängeschild und ein Marketing-Faktor.“ Ohne auf die Euphoriebremse treten zu wollen, stellt er aber fest: „Der SSV 46 Fußball steigt in die vierte Liga auf. Das ist zu wenig.“ Zu wenig, um Forderungen nach einer Fußball-Arena stellen zu können, das klingt bei Semler zwischen den Sätzen durch. „Den Bürgern wäre das nicht zu vermitteln.“

Dass Handlungsbedarf in puncto Umgestaltung besteht, sei klar. Für die Stadt gehe es aber zuvörderst darum, die Sportstätte in der Au als „multifunktionales Stadion“ zu erhalten. So soll die Haupttribüne, die derzeit 1600 Zuschauern Platz bietet, auf beiden Seiten erweitert werden. „Planungen gehen von 4000 bis 4500 Sitzplätzen aus.“ Um die Hüttenwerke entlang der Stadion-straße („das ist nicht mehr zeitgemäß“) entsorgen zu können, sollen unter der Tribüne Funktionsräume entstehen. Mit 15 Millionen rechnet Semler, der Gemeinderat soll im September informiert werden.

Der SSV Ulm 1846 Fußball

Vorstand Ein Vorstands-Trio, bestehend aus Anton Gugelfuß, Roland Häußler und Thomas Oelmayer, hat den SSV Ulm 1846 Fußball am 23. September 2014 übernommen – nach der dritten Insolvenz zwischen 2001 und 2014. „Wir dürfen nicht wieder sofort Höhen anstreben, für die der Verein noch nicht gerüstet ist“, hatte Gugelfuß als sportlicher Leiter damals in der Mitgliederversammlung gesagt. Das Trio will den Verein wieder in den bezahlten Fußball zurückführen – Schritt für Schritt und auf finanziell sicheren Beinen. Häußler spricht von „kalkuliertem Risiko“ für die kommende Regionalliga-Saison. Verbindlichkeiten hat der Verein keine. „Die Altschulden sind weg, seit Mitte 2015. Wir haben sogar einen kleinen Überschuss.“

Mitglieder Der Verein hat 850 Mitglieder, Tendenz steigend. 350 Fußballerinnen und Fußballer sind in diversen Ligen aktiv.

Vereinsausschuss Diesem Gremium, eine Art Aufsichtsrat, gehören zwölf Mitglieder an – darunter Walter Feucht, Ebbo Riedmüller und Christoph Botzenhart. Den Vorsitz hat IT-Spezialist Heribert Fritz.

Ein Kommentar von Frank König: Signal für Sponsoren

Fußball erfasst die gesamte Gesellschaft. Das hatte SSV-Vorstand und Anwalt Thomas Oelmayer unlängst auf die Frage nach den Gründen für sein Engagement im Verein gesagt. Ein wahres Wort – man braucht nur daran zu denken, welche Euphorie die Region nach dem damaligen Durchmarsch der Ulmer Fußballer über die zweite in die erste Bundesliga erfasst hatte – und mit welchem Katzenjammer das nachfolgende Fiasko verbunden war.

Im Donaustadion hängt einer der Fans immer noch ein Transparent mit der Aufschrift „Rekordinsolvenzmeister“ auf, der Verein lässt ihn gewähren und kann nach dem Aufstieg ohnehin den Blick nach vorn richten. Das Erreichen der Regionalliga nur zwei Jahre nach ersten Kontakten mit dem damaligen Insolvenzverwalter ist für Oelmayer und seine Vorstandskollegen Anton Gugelfuß und Roland Häußler – und natürlich die Mannschaft – ein enormer Erfolg.

Davon sollte in der Tat ein Signal ausgehen, dass der SSV Fußball womöglich wieder an bessere Zeiten anknüpfen kann. Dieses Signal muss vor allem bei Sponsoren ankommen – und zwar solchen, die richtig Geld haben und es auch lockermachen. Die Basketballer mit ihrem Mehrmillionen-Etat könnten hierbei Vorbild sein, vielleicht auch Heidenheim und Augsburg in der Nachbarschaft.

Es ist machbar, vor allem in diesem wohlhabenden Umfeld mit vielen namhaften Unternehmen und Unternehmern. Sie müssen zeigen, was ihnen hochklassiger Fußball wert ist.

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