Handwerkskammer Spurwechsel in der Flüchtlingspolitik

Ulm / Rudi Kübler 09.07.2018

Ach Gott, die Fußball-WM! Was hatte man sich im Vorfeld Gedanken gemacht: Wann würde „die Mannschaft“, also Jogis Jungs, im Viertelfinale spielen – vielleicht am Freitag, 6. Juli, 20 Uhr? Ausgerechnet für diesen Abend hatte die Handwerkskammer Ulm zur Jahresbegegnung ins Schloss Großlaupheim geladen, aber – welcher Gastgeber sitzt gerne ohne Gäste da? – einen Hinweis auf die Einladung gedruckt: Live-Übertragung des Viertelfinalspiels der Fußball-WM für Interessierte im Nebenraum.

Je nun, im Nebenraum war das Gedränge sehr überschaubar, aus bekannten Gründen. Die 230 Gäste saßen im Saal, dort, wo der Bundestagsabgeordnete Michael Theurer sprach. Sein Thema: „Deutschland braucht ein Update“. Damit zielte der FDP-Landesvorsitzende weniger auf die blutleere Vorstellung der Nationalmannschaft ab; der 51-Jährige hob in seiner Rede vielmehr auf das Schauspiel ab, das die Berliner Koalition derzeit aufführt: „Der Zoff lähmt die Regierung.“ 

Theurer streifte Trump: „Bei einem erratischen Präsidenten braucht die Wirtschaft die Politik“. Er forderte eine Revitalisierung der europäischen Idee: „Gäbe es die EU nicht, man müsste sie erfinden.“ Aber die EU müsse reformiert werden. Er sprach sich für eine Digitalisierungsoffensive aus: „Wir müssen aufwachen, sonst überrollt uns ein digitaler Tsunami“. Er zeigte sich als Verfechter der Demokratie: „Wir müssen wehrhaft gegen Angriffe von Radikalen sein“. Er plädierte für Qualität im Handwerk: „Wir müssen dafür kämpfen, dass wir den Meisterbrief auch auf europäischer Ebene bekommen“.

Viel Beifall erhielt der stellvertretende Vorsitzende der FDP-
Bundestagsfraktion für sein Plädoyer eines gesamtgesellschaftlichen Konsenses zur Flüchtlingspolitik. Das Land brauche einen „Spurwechsel“, eine gesteuerte Zuwanderung, schließlich sollten nicht diejenigen Flüchtlinge abgeschoben werden, die Deutsch lernten, sich integrierten und in den Handwerksbetrieben arbeiteten. Sondern diejenigen, die auf Bahnhofsplätzen herumlungerten und kriminell würden.

Zuvor hatte Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer Ulm, vor einem immensen Schaden durch die Abschiebung von Auszubildenden gewarnt. „Die Handwerksbetriebe stecken viel Geld in die Ausbildung, und die Politik lässt uns alleine.“ Den Kreis zum Fußball schloss Krimmer – wenngleich er eher die Kollegen vor Augen hatte: „Ein wahrer Meister hört nie auf, sich einzusetzen.“

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