Das Grundwasser im Einzugsgebiet der Landeswasserversorgung (LW) sei glyphosatfrei. Diese Feststellung ist LW-Pressesprecher Bernhard Röhrle wichtig. Und im Trinkwasser, das der Zweckverband für etwa drei Millionen Menschen in Baden-Württemberg aufbereitet, seien erst recht keine Spuren des Pflanzengifts enthalten, betont er. Aber im Donauwasser, das der Verband bei Leipheim (Kreis Günzburg) aus dem Fluss pumpt und fast 40 Prozent der gelieferten Trinkwassermenge darstellt.

Die EU-weite Zulassung des Pflanzengifts läuft Ende Juni aus, ihre Verlängerung steht auf der Kippe. Im März vergangenen Jahres hatte die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Glyphosat als "wahrscheinlich" krebserregend eingestuft. Ein anderes Expertengremium, eingesetzt von der WHO und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen, kam kürzlich aber zu einem anderen Ergebnis. Für Menschen sei ein Krebsrisiko durch Glyphosat "unwahrscheinlich".

"Wenn die Wissenschaft feststellt, dass Glyphosat gesundheitlich bedenklich ist, haben wir schlagartig ein Problem", sagt Bernhard Röhrle. Ein Problem, das nur mit großem Aufwand bewältigt werden könne. Als Beispiel nennt er ein anderes Pflanzengift, Atrazin. Obwohl Ende der 80er Jahre verboten, seien im Grundwasser immer noch Spuren zu finden. Das Abbau-Produkt Desethylatrazin sei teilweise in noch höherer Konzentration nachzuweisen. Im Trinkwasser der LW sei Atrazin ebenso wie Glyphosat nicht nachweisbar - dank der teuren Aktivkohlefilter. Mit 29 Nanogramm pro Liter (ein Nanogramm ist ein milliardstel Gramm) liege Desethylatrazin zwar unter dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung (100 Nanogramm), sagt Röhrle. "Aber wir haben's, und wir wollen es eigentlich nicht."

Genauso verhalte es sich mit Glyphosat. "Wir haben einen Stoff in der Umwelt, der dort nicht hingehört", sagt Röhrle. So lange nicht erwiesen sei, dass es sich um einen ungefährlichen Stoff handelt, sollte die Gesellschaft "extrem vorsichtig sein". Darauf anhand des Warnsignals aus der Donau aufmerksam zu machen, entspreche dem Selbstverständnis des Zweckverbands, dem mehr als 100 Städte, Gemeinden und kommunale Zweckverbände angehören. Um einwandfreies Trinkwasser zu liefern, setze die LW auf vorausschauenden Gewässerschutz: "Wir schauen ganz genau hin, wir messen und bewerten und wir informieren die Öffentlichkeit."

Seit 2012 untersuche die LW in ihrem Langenauer Labor das bei Leipheim gewonnene Donauwasser auf Glyphosat und dessen Abbauprodukt Ampa (Aminomethylphosphonsäure), erläutert Röhrle. Bislang seien 130 Proben analysiert worden, davon 39 im vergangenen Jahr. Auffallend ist, dass von Januar bis Mitte April die Werte unter 25 Nanogramm pro Liter lagen. Den Glyphosat-Höchstwert des vergangenen Jahres hat die LW am 10. Juni gemessen: 70 Nanogramm.

Landwirte, die ihre Äcker mit Glyphosat von Unkraut befreien oder damit die Abreife beschleunigen (Sikkation), müssen die Anwendung dokumentieren. Wie jedes Mittel dürfe Glyphosat nur für bestimmte Pflanzen, zu bestimmten Zeiten und in gewissen Mengen verwendet werden, sagt Dr. Joachim Kieninger, im Landratsamt des Alb-Donau-Kreises stellvertretender Leiter des Fachdienstes Landwirtschaft. Die Einhaltung der Anwendungsbestimmungen werde durchaus kontrolliert.

Dass der Glyphosat-Einsatz nicht Verbotenes ist, kann LW-Sprecher Röhrle nicht bestreiten. "Aber man muss auch über die kritischen Aspekte sprechen."

"Keine Hinweise für landesweite Glyphosatproblemtaik"

Bayern Dem Gesundheitsministerium des Freistaats zufolge werden in Bayern seit 2009 Fließgewässer auf Glyphosat und dessen Abbauprodukt Ampa untersucht. Für die Donau, die Messstelle befindet sich in Niederbayern, nennt das Ministerium Zahlen bis 2012. Der höchste Wert betrug 270 Nanogramm pro Liter. Zum Vergleich: Der Höchstwert, den die LW im Jahr 2015 gemessen hat, beträgt 70 Nanogramm. Im Jahresmittel 2012 war im niederbayerischen Donauwasser aber weniger Glyphosat als im vergangenen Jahr in der Donau bei Leipheim: 15 Nanogramm zu 34 Nanogramm. Den Rekord der Jahre 2009 bis 2014 hielt der Herzogbach, ein niederbayerischer Donauzufluss: 1720 Nanogramm. Die Einschätzung des Ministeriums: "In Fließgewässern gibt es häufigere Nachweise von Glyphosat, vor allem in kleinen Fließgewässern, jedoch keine Hinweise für eine landesweit vorliegende Glyphosatprobematik."