Ulm Sproll-Skulptur soll in der Wengenkirche aufgestellt werden

Noch steht diese aus Marmor gehauene Sproll-Skulptur des Künstlers Ralf Ehmann auf einer Palette in der Garage des Munderkinger Pfarrers i. R. Franz Xaver Schmid. In Absprache mit Wengenpfarrer Matthias Hambücher soll sie aber in einigen Wochen nach Ulm gebracht werden.
Noch steht diese aus Marmor gehauene Sproll-Skulptur des Künstlers Ralf Ehmann auf einer Palette in der Garage des Munderkinger Pfarrers i. R. Franz Xaver Schmid. In Absprache mit Wengenpfarrer Matthias Hambücher soll sie aber in einigen Wochen nach Ulm gebracht werden. © Foto: Andreas Hacker
Ulm / THOMAS BROCH 21.08.2015
Der Rottenburger Bischof Joannes Baptista Sproll ist für seinen Widerstand gegen die Nazis bekannt. Eine Sproll-Skulptur soll jetzt in der Wengenkirche Platz finden, Initiator: ein Pfarrer aus Munderkingen.

Der in Munderkingen lebende pensionierte Pfarrer und Kunsthistoriker Franz Xaver Schmid ist ein Verehrer des Rottenburger Bischofs Sproll und Kenner seines Lebens; das hat er bereits durch zahlreiche Publikationen gezeigt. Jetzt will er zum Gedenken an Vertreibung und Rückkehr Sprolls den Katholiken in Ulm ein besonderes Geschenk machen: eine Marmorskulptur von Joannes Baptista Sproll, geschaffen vom in Rottenburg lebenden Bildhauer Ralf Ehmann (48).

Am 24. August ist es 77 Jahre her, dass Sproll als Widerständler von den Nazis aus seiner Diözese verbannt wurde. Am 12. Juni 1945 hat er in Ulm dann zum ersten Mal wieder deren Boden betreten - als kranker, aber nicht gebrochener Mann. Anlass für Pfarrer Schmid, das von ihm erworbene Kunstwerk der Wengenkirche anzutragen, denn: Sproll wurde in Ulm vor der Georgskirche von Dekan Oskar Gageur in seiner Diözese willkommen geheißen, und Gageur war Wengenpfarrer, mehr noch aber: Schmids Mutter war dessen Haushälterin. Und der Bischof wiederum bat diese bei seinen Besuchen in Ulm oft, ihm Pfannkuchen zuzubereiten.

Was Ehmann betrifft, nehmen Widerständler gegen Hitler in seinem Schaffen einen besonderen Platz ein. So hat er 1999 eine Skulptur des 1945 ermordeten ehemaligen Württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz gestaltet. Zu dessen Freund Sproll entstand eine ganze Werkreihe mit der Marmorskulptur als Hauptwerk. Sie zeigt den Bischof als Rückkehrer aus dem Exil. Damit soll auch Sprolls Aufbauleistung in den ersten Nachkriegsjahren zum Ausdruck kommen (er starb 1949). Ehmann: "Im Gesicht spiegelt sich seine Haltung, die Klarheit und sein Wille, aber es zeigt auch einen Blick, der in Abgründe geschaut hat."

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